Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
832
 
Einzelbild herunterladen

832

Und als ſie gewiß wußte, daß ich mich durch herzliche Liebe, nicht aus Mitleid mit ihrem verlaſſenen Zuſtand zu ihr hingezogen fühle, ſagte ſie mit freundli cher Würde zu mir:Ich will Ihre Frau werden, lieber Herr! Mögen Sie an mir eine Frau finden, die Ihrer nicht unwerth iſtz dies iſt der Wunſch eines Herzens, das ſich Ihnen ganz und mit Freude hingibt.

Wenige Tage darauf reiſten wir zu einer etwas entfernten Kirche und ließen uns da trauen. Und von nun an begannen für mich die Tage wolkenloſen Glüks. Ich danke Gott, daß er mich auf dunkelm, ödem Pfad durch eine Reihe ſchmerz licher Gefühle zu dem höchſten Glük geführt hat, nach dem ich mich immer ge ſehnt, zu dem Glük innigen Familienlebens, durch deſſen reine Freudenfülle ſo gar die Angſt, der Kummer und die Leiden meiner Vergangenheit großen Reiz für mich erhalten.

Jenny hatte Vater und Mutter verloren, und in Europa lebte nur noch ihr Oheim mit zahlreicher Familie in beſchränkten Umſtänden. Nur im ſchlimm ſten Fall wäre ſie in die Heimath zurükgekehrt. Ich ſelbſt hing gewiß nicht an Europa, und ich hatte meine guten Gründe, warum es mir zuwider war. Ue⸗ berdies zog mich der Gedanke an, fortan in dem ſich neu geſtaltenden Lande, in der neuen Geſellſchaft zu bleiben, wo Glük und Friede in mein Leben gekom- men waren. Herrlich war die Gegend und kaum an ihr die Menſchenhand zu bemerken; nur hie und da unterbrachen einige Anlagen ihre Wildniß und Stille, nur an einigen Fleken begann Kultur und Civiliſation. Dieſe nach Kräften und in gutem Sinn zu fördern, war mir anziehend, noch anziehender aber, noch einmal das primitive, einfache Leben zu leben, wo der Familienſinn noch nicht wie bei uns durch verkehrte Sitten, Vorurtheile, Zwang und erzwungene Ver- gnügen verdorben iſt, ſondern noch ſeine ganze Innigkeit und Reinheit bewahrt. Ich theilte Jenny meine Gedanken mit, ſie billigte ſie ganz und wir gingen gleich an die Ausführung. Ich meldete mich zum Ankauf des von Jenny's Schwager hinterlaſſenen Hauſes, und bekam es für ein geringes Geld, das ſpä⸗ ter ſeinem Bruder nach Europa geſchikt worden iſt. b

Da haſt du meine Geſchichte, lieber Ludwig. Das Uebrige kannſt du dir leicht vorſtellen. Ich habe eine Stadt gegründet, ich baue ein Grundſtük nach dem andern an. So bin ich eine der thätigen und rührigen Ameiſen, die ren⸗ nend und laufend, bauend und niederhauend, austrok nend, jagend, fiſchend, akernd und ſäend, pflügend und erntend, kaufend und verkaufend nach und nach dieſes große, ſchöne Land umgeſtalten, bis es nach langen Jahrhunderten an fal ſcher Civiliſation eben ſo ſſechen wird wie Europa. Für's Erſte habe ich eine Menge politiſcher Rechte und Obliegenheiten, ich wähle und ſtimme, woran ich nach meiner natürlichen Neigung gerade kein beſonderes Gefallen finde. Wenn ich einen Tag geſchrien, gewählt und geſtimmt habe, ſo komme ich Abende nach Haus, umarme meine Jenny und unſere Kinder und finde in dem Lande, wo ich eine liebe Frau und drei Kinder habe, die politiſchen Inſtitutionen vor

trefflich. g In unſerer Kolonie ſind noch drei Bukligte, ich bin alſo in Geſellſchaft. Auch ſie ſind durchaus nicht zu beklagen. Ihr Höker wird ihnen nicht ſchwerer als mir. Zwei ſind zwar noch nicht verheiratet, ſie werden aber Frauen finden, ſobald ſie wollen. Hier zu Lande bekommen nur arme, d. h. faule Männer keine Frauen; denn bei uns iſt die Ehe nicht das Ergebniß einer zarten Neigung oder