810

bilde der Stabt Prag eine Jagdunter haltung ſtatt, und in einem Zeitraume von drei Stunden wurden 17 Haaſen geſchoſſen. Das Amſterdamer Han delsblad erzählt, daß am Tage der Huldigung des Königs in Amſterdam Abends die Stadt erleuchtet war. In der Kalverſtraße war das Gewühl und Gedränge ſo groß, daß zwei Männer, zwei Frauen mit Kindern und ein Mäd chen von 12 Jahren todt getreten wur den. Bei der Beleuchtung, womit Breslau den 15. Okt. feierte, las man an den Fenſtern des Redakteurs des Breslauer Beobachters folgende Trans parent-Aufſchrift: Der König iſt ein Redakteur Wie Keiner Seinesgleichen, Sein Cenſor iſt der liebe Gott,

Und findet nichts zu ſtreichen. Das deutſche Volk kann nun ſeinen Patriotismus im Galoppe kundgeben u. empfinden, denn ein Hr. Kufferat hat das berühmte:Sie ſollen ihn nicht haben! als Galoppade geſezt u. Deutſch lands Jugend gewidmet. In Paris ſind im vergang. Monate nicht weniger als 181 Bäker vor die Polizei gefordert worden, weil ſie zu leichtes Brot ge baken hatten; bei 73 ließ die Behörde mildernde Umſtände gelten, die übrigen aber wurden zum Maximum der geſez lichen Strafe verurthellt. Profeſſor Krug in Leipzig hat ebenfalls ein deut ſchesRheinlied gedichtet. Sein

Auf! rüſtet euch, ihr deutſchen Mannen, Zum Kampf für's Vaterland!

Die fremden Herrſcherlinge laßt nur kommen gc.

klingt eben ſo gut wie die Beker'ſchen Verſe. Ole Bull hat in Leipzig Kon⸗ zerte gegeben. Ernſt macht das höch ſte Glük in Stuttgart, u. man ſchreibt von dort, daß er mehr geehrt wird als Thalberg, Liszt, Ole Bull u. ſ. w., und daß ächte Muſiker ihn weit über Ole Bull ſtellen. In Stuttgart ſub

ſkribirt man fur die armen Ueber ſchwemmten in Lyon mit gutem Erfolge. Eine dortige arme Frau wollte ſogar ein Paar wollene Soken nach dem ſüdlichen Frankreich ſenden. Der einſt ſo berühmte Baſſiſt Siebert, auch in peſth noch bei vielen Perſonen in gu tem Andenken, iſt jezt ein armer alter Bänkelſänger in Altenburg, woſelbſt er den Bauern was vorſingt. Man ſchreibt aus St. Petersburg:Im Krei ſe von Krementſchuk haben ſich plözlich eine Menge Raupen gezeigt, deren An zahl ſo groß war, daß ſie eine ganze Straße anfüllten. Die Nähe der Mi litär-Kolonien ſchien ihnen eine Art von militäriſchem Geiſt mitgetheilt zu haben, denn ſie gingen ordentlich in Reih und Glied, vollführten an meh reren Stellen, nach einer ihnen eige nen Taktik, Uebergänge über den Fluß. Lezthin trat auf einem kleinen Lon doner Theater ein Schauſpieler, welcher wegen Kurzſichtigkeit ſtets eine Brille trägt, aus Zerſtreutheit, als geblen deter Beliſar mit der Brille auf; das Publikum klatſchte. Man ſchreibt aus Frankfurt:Da bier eigentliches Theaterpublikum exiſtirt, ſondern nur Partheien revoltiren, die, ohne Rük ſicht auf Leiſtungen, heben und ſtürzen, ſo erleben wir kürzlich den in der That vandaliſchen Auftritt, daß eine blut junge Aktrice(die 17-jährige Tochter des Mitdirektors Meck), der Aufmun terung ganz würdig, durch die herzlo ſeſte Faktion völlig vertrieben wurde. So gekränkt, und in den höhern Be griffen von ihrer Kunſt verwirrt ge macht, ſoll Fräulein Meck bereits der Bühne der ſie ſich widmen wollte, entſagt haben. Becker's deutſches Rheinlied, um das man ſich ſchlägt, iſt unter an dern, mehrſtimmig komponirt, bei An dré in Offenbach erſchienen. Der Kom poniſt hat ſich nicht genannt. Die erſten Takte enthalten die Melodie:In mei⸗