806 ter!“ waren die erſten Worte, welche er vorbrachte.— Wir wußten nicht, was wir denken oder ſagen ſollten.—„Meine Herren,“ fuhr de Mérac fort,„es würde unnüz ſein, Verſchwiegenheit gegen Sie beobachten zu wollen: mein Sohn hat mich beraubt. Dieſem Freunde,“ ſich zu Lancreville wendend,„war ich bei einer früheren Gelegenheit für die Rettung der Ehre meines unglük lichen Soh— nes verbunden, und auch jezt hat er Alles gethan, was in ſeiner Macht ſtand, ihn vom Verderben zu erretten. Kann ich alſo den Beſchuldigungen Glauben beimeſſen, welche Sie gegen ihn vorgebracht haben?“
Der Obriſt wußte nicht, was er antworten ſollte, als Lancreville lang— ſam und mit Würde ausrief:„Ja, meine Herren, ich bin Antoine Leitzen und war in der Schlacht von Smolensk. Ja, Obriſt Bäcroy, Sie ſahen mich wirk— lich die Taſchen eines meiner Kameraden unterſuchen, der an jenem Tage gefallen war, aber nicht mit der ſchändlichen Abſicht, ihn zu plündern, ſondern um mich in den Veſiz von Papieren zu ſezen, die mein Leben und das von vielen meiner braven Kameraden hätten gefährden können. Die Zeit der Gefahr iſt jezt vor— über, und ich kann offen erklären, daß ich bamals ein eifriger, aufrichtiger Re- publikaner und Mitglied einer Verſchwörung war, die viele Offiziere und Un— teroffiziere zu ihren Mitgliedern zählte. Es waren Pläne entworfen und Liſten angefertigt, die der Offizier, einer unſerer Sekretäre, welcher bei Smolensk fiel, bei ſich führte. Zu meiner Flucht waren mir einige meiner Mit ver ſchwor- nen behilflich. Ich verließ Frankreich, nahm einen falſchen Namen an, und bin ſeitdem in vielen Theilen der Welt herumgewandert, ohne je die Uniform zu entehren, welche ich getragen. Als ich vor einigen Jahren in mein Vaterland zurükkehrte, fürchtete ich mich, unter meinem wahren Namen aufzutreten, da ich hörte, daß ſogar Militärperſonen, welche des Kaiſers Herrſchaft gehaßt, wenn dies aus republikaniſchen Grundſäzen geſchehen war, unter polizeilicher Aufſicht ſtanden. Vor Kurzem reiſte ich nach Paris, wo es mir durch die Ver- mittlung einiger Freunde glükte, die Polizei zu überzeugen, daß ich kein ge— fährlicher Menſch bin, ſondern meine republikankſchen Grundſäze aufgegeben habe und die Stabilität und Ruhe liebe; ich bin nun zurük gekehrt, um, ohne etwas fürchten zu dürfen, wieder als Antoine Leitzen aufzutreten. Was alles Uebrige anbetrifft, ſo kann ich Sie auf meinen Freund, Monſieur de Meérac, verweiſen. Schließlich erlauben Sie mir, Sie zu verſichern, daß ich Ihnen Ihren natürli— chen, wenn ſchon unverdienten Verdacht von Herzen verzeihe.“
Becroy war ganz erſtaunt, und ich fühlte mich iehr gedemüthigt und be— ſchämt. Monſieur de Merac hatte ſich inzwiſchen gefaßt, und theilte uns kürz⸗ lich mit, ſein Sohn ſei ein Spieler, aber zugleich ein angenehmer Geſell ſchaf— ter. Im vorhergehenden Jahre habe er in Paris bedeutend verloren und dann eine große Summe Geld, das Eigenthum der Bank, insgeheim vom Spieltiſche entwendet. Leitzen, welcher mehr als Auguſt's Mentor zugegen geweſen ſei, habe dadurch, daß er das Geld ſelbſt zurük gezahlt, die Bloßſtellung des jungen Menſchen verhütet. Monſieur de Meérae erzählte weiter: bei Leitzens neulicher Nükkehr von ſeiner lezten Reiſe nach Paris habe dieſer zufällig gehört, daß ein berüchtigter Spieler und Gauner, Pierre Breéſſe, in Auguſt de Mérac's Ge— ſellſchaft geſehen worden ſei; Leitzen habe des halb geargwöhnt, Beide fuhrten irgend etwas Böſes im Schilde. Am Abend ſeiner Rük kehr ſei er durch mehrere kleine Umſtände in dieſem Verdacht beſtärkt worden, und des halb ſogleich nach


