802

naliſten, der über den Vortrag des Ei nen von ihnen Ungünſtiges geſchrieben hatte, mißhandeln. Darin liegt nichts Spaniſches, wird man ſagen, derglei chen geſchieht auch anderwärts. Einige Tage ſpäter las man in den Madrider Blättern folgende Erklärung:Ich verkenue und verkannte nie, daß dem Publikum und der Preſſe das Recht zu geht, über das Verdienſt eines Künſt lers zu richten, und bloß ein Moment der Verblendung konnte michs vergeſſen laſſen. Ich bin dieſe Genugthuung dem Autor des Artikels in de. und dem Pu blikum ſchuldig, welches meine Bemü hungen ſtets mit ſo viel Wohlwollen aufnahm, und ich gebe ſie freiwillig in der Ueberzeugung, daß der Menſch nie ehrenwerther handelt, als wenn er ei nen unfreiwillig begangenen Fehler wie der gut macht. Joaquin Reguer. Das klingt allerdings etwas ſpaniſch, ſol che Selbſterkenntniß u. Veſſerung wird nicht allerwärts gefunden.

Breslau. Man ſtreitet ſich jezt inSchleſiſcher Chronik darüber: ob die Seminariſten und Gymnaſiaſten ge duzt oder geſiet werden ſollen. Man will gegen das bisherigeSie das trau licheDu. Aber die Leute von 19 bis 25 Jahren wollen ſchon mehr ſein als ein einziges Du, ſie wollen jeder Ein zelne Mehrere in der dritten Perſon ſein, alſo: Sie! Aushilfsweiſe braucht man das verſöhnendeWir. Da iſt der Lehrer auch alle Mal dabei, und man gewinnt Zeit, ſich noch ſpäter zu orientiren als bei der orientaliſchen Frage.

Memeln. In Nr. 70 des heſigen Wochenblattes d. J. leſen wir folgende Entbindungs-Anzeige: Geſtern am Mor gen um 4 Uhr wurde meine liebe Frau von einem geſunden Mädchen, und ich von meiner Angſt, und zwar totaliter zum fünften Male, Beide glüklich ent bunden. Wir alle Drei befinden uns,

den Umſtänden nach, wohl. Dieſe An zeige allen unſern guten Freunden und Verwandten ſtatt beſonderer Meldung. Condolence verbeten!

Memel, den 1. Sept. 1840,

Der Johann David Lanckowski.

Die Johanna Leopoldine Lanckowska.

Das neugeborne Kind(N. N.) Lan⸗ ckowska.

Etwas von Allem. Zwiſchen den Preisrichtern dec Karl'ſchen Stüke in Wien hat ſich eine kleine Reibung entwikelt, die etwas empfindliche Erklä rungen herbeiführte. Jeder williſolirt daſtehen u. Niemand will eine(unſerer Meinung nach, leicht zu rechtfertigen de u. im Schweiße des Angeſichtes wohl verdiente) Remun eration für ihre hewaltung von Karl ang en o m men haben. Die ganze Schuld dieſes Zerwürfniſſes mag wohl an dem Preis ausſteller ſelbſt liegen. Als einſt die Dichterin Karſchin von Friedrich dem Großen eine Belohnung von 20 Tha lern erhielt, ſandte ſie dieſel ben mit folgenden Verslein zurük:

Zwanzig Thaler ſind zu wenig, Zwanzig Thaler ſind kein Glük; Zwanzig Thaler gibt kein König, Darum ſend' ich ſie zurük. Daß Friedrich die Gabe verbeſſerte, iſt leicht zu denken. Die Wiener Gaſt haus-Kapellmeiſter kündigen jezt immer öffentlich an, daß ſie Muſikſtüke er n ſterr Gattung zur Aufführung bringen. Damit wollen ſie eigentlich anzeigen, daß das Reich der Walzer zu Ende und Bellini u. Donizetti an der Tagesord nung ſeien, das nennen denn dieſe Herren Ernſt. Ernſt iſt das Leben, heiter iſt die Kunſt. O bleibt bei Euern Walzern! Ein Mainzer Blatt ſagt: Halm'sGriſeldis, die uns oft ge nug gepeinigt hat, iſt nun auch nach England gewandert u. macht, wie ſolche Blender gewöhnlich, vorübergehendes Glük auf den engliſchen Bühnen. Kö⸗