799 dille's Schuld beſtimmt einzuräumen, und wiewohl er keine Gründe zu ſeiner Vertheidigung anzuführen wußte, bat er uns doch, keinen feindlichen Schritt gegen Lanecreville zu thun, bevor er ihn geſehen.— Wir waren unſchlüſſig, ob wir dieſe Bitte abſchlagen oder bewilligen ſollten, als Lancreville ſelbſt eintrat. Wir waren Alle überraſcht; Lancreville allein blieb auf eine, unter dieſen Um⸗ ſtänden wunderbare Weiſe ruhig und kalt. Er wandte ſich zu Monſieur de Mé— rac, und ſagte:„Ich höre, Pierre Breſſe iſt verhaftet. Sie müſſen mir durch⸗ aus eine Privat-⸗Unterredung von einigen Minuten bewilligen.“— De Mérac verließ ſogleich das Zimmer mit ihm. In ihrer Abweſenheit rief der Obriſt aus: „Parbleu!“ die Unverſchämtheit dieſes Menſchen übertrifft Alles, was ich je ge⸗ ſehen; und Monſteur de Mérac's Thorheit und Verblendung iſt zu beklagen!“
(Beſchluß folgt.)
Theater.
Temes var(I. Dez.)(BVeſchluß.) — Noch einige Worte über die Oper, u. nimmer wollen wir ſo indiskret wer— den, dem Spiegel ſo viel Raum zu nehmen; aber wir verſprachen ein Ge⸗ neral⸗Urtheil, und können wir kürzer ſein?— Hr. Heim, erſter Tenor, iſt für uns wohl eine erwünſchte Acquiſi⸗ tion; doch glauben wir bemerkt zu ha— ben, daß ihm ſeine Kehle nur durch große Anſtrengung zu Gebote ſteht, und ihm eben deshalb(wie wir im „Othello“ den Beweis hatten) leicht den Dienſt verſagt. Wir wiſſen aber unſere Verhältniſſe gehörig zu würdi— gen, und ſezen uns über dieſt Mabel des Hrn. H. hinaus, da ſeine übrigen Vorzüge ſchäzenswerth ſind.— Von Mad. Heim, erſte Sängerin, müſſen wir leider ſagen, daß ſie eine Stim— me hatte, und wir zweifeln, daß fie auf irgend einer bedeutenden Provinz—⸗ Bühne noch mit Erfolg auftreten könn— te. Nichtsdeſtoweniger erhält ſie Beifall, deſſen größter Theil aber, wenn wir nicht irren, durch das Ensemble der Oper hervorgerufen wird. Und in der That, was billig iſt, muß geſtanden werden: die Oper, die außer obigen, noch
Urtheile. Vegebniſſe.
ſo vorzügliche Glieder, wie die Hrn. Rö— tzer, Saag, Hölzl beſizt(denen wir immer— hin die Dem. Limmer u. Hrn. Neudol als vielverſprechende Talente anreihen) iſt im Ganzen trefflich, und muß noch dem weniger bedachten Schauspiele die Her⸗ ren Rötzer, Saag und Hölzl zur Aus— hilfe abtreten.— Das Repertoir, die Negie und Dekorationen müſſen wir lo— ben; über Kleinigkeiten ſehen wir hin— weg.— Somit wollen wir ſchließen, und bemerken nur noch: daß wir das Gute recht gern anerkennen, ohne ſür die Mängel blind zu ſein. Man ſage uns doch ja nicht:„So etwas habt Ihr noch nicht geſehen!“ denn wir ſahen es allerdings, villeicht noch Beſſeres. Sind wir doch nicht ganz in Seythien geboren, daß man unſerm Verſtand und Kunſt— ſinn, auf den man uns doch bei Abon— nements⸗Anzeigen aufmerkſam macht, die obige Inſulte zumuthen dürfe! Dixi. 34. Szegedin. Sie wünſchen, wer— theſter Herr Redakteur, Erheblicheres als Theaterneuigkeiten?— vom Herzen gerne würde ich Ihnen derlei referiren, doch der Barometer unſerer Tags kurio ſa u. Stadtnovitäten zeigt ſchon ſeit lan— ge auf 0. Bei unſerem(entre nous soit dit)— ziemlich ſpießbürgerlichen


