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nigfaltig widrigen Verhältniſſen zu käm— pfen hatte, und es ihr namentlich nicht gelingen konnte, durchaus in ihren Glanz— parthien zu erſcheinen. Ihre Semira— mis, ihre Armida, Anna Bolena, Des— demona, Medea, Ginevra de., durchaus unvergleichliche Varthien der Carl, konn— ten nicht zur Darſtellung kommen. Da— für erſchien ſie in Parthien, in deren Ausführung ſich zwei berühmte Primadonnen der Reſidenz theilen, ohne daß es Eine wagte in das Bereich der Andern zu treten, und dennoch war die Carl ſo glüklich als Norma und Anto— nina ſowohl, wie als Elvira einen höchſt ehrenvollen Preis zu erringen. Die heu— tige Theaterzeitung, und der Humoriſt (vom 28. Nov.) ſprechen ſich höchſt gün— ſtig aus. 5 München. Am 20. Nov. Abends las unſer geprieſener Dichter, Hr. Eduard v. Schenk, ſein neueſtes dramatiſches Werk„Adolph von Naſſau“, welches demnächſt auf unſerm Theater aufge— führt werden wird, einem ausgewähl— ten Kreiſe der Schauſpielkünſtler vor. Es ſoll eine ausgezeichnete Dichtung ſein, die jede Bühne ſchmüken wird.
Mignon-Zeitung. Paris. Hier erhenkte ſich neulich ein, den höhern Ständen angehörendes Frauenzimmer aus Liebeskummer, ver— mittelſt eines Schnupftuches, das ſie an dem unterſten Fenſterwirbel befeſtigt hat— te. Sie warf ſich auf die Knie und dre— hete ſo die Schlinge zu. Als der Poli— zeibeamte erſchien, um den Thatbeſtand zu protokolliren, fand er im Zimmer ein kleines Buch:„Ueber die beſte Me— thode ſich zu erhängen“! Die Trödler im Palais royal treiben Handel mit
dieſem literariſchen Produkte!
Etwas von Allem. In Berlin iſt eine neue Erfindung gemacht worden:
ein Konditor verkauft dort Beau Jolis, eine neue Art mit Rheinwein gefüllter Bonbons.— Ein Pariſer Wizblatt meint, es ſei doch höchſt fatal, daß die deut— ſchen Staaten die Pferdeausfuhr verbo— ten haben; jezt müßten die franzöſiſchen Soldaten gerade in der Jahreszeit, wo alle Wege am ſchmuzigſten ſind, zu Fuße gehen.— Es muß eine unbeſchreibliche Seligkeit ſein, ein Theater zu dirigi— ren. Vom Grafen Hahn, der bekannt— lich ſein Vermögen durch Theaterdirigi— rerei durchgebracht hat, erzählen die Zei— tungen, daß ſeine Verwandten ihm eine jährliche Rente von 7000 Thlr. ausge— ſezt, unter der Bedingung jedoch, daß er— zu dirigiren aufhöre. Aber der Graf verzichtete auf dieſe Rente und iſt wieder— Direktor einer reiſenden Trup— pe.— In Berlin darf jezt Schillers „Tell“ aufgeführt werden.— Ebenda— ſelbſt bereitet man ein neues Trauerſpiel zur Aufführung vor, daß den Titel führt:„Czerny Georg“. Es iſt von Hrn. Pannaſch.— Cremieux, der be— kannte israelitiſche Advokat und Kapi— tän der Nationalgarde in Paris, hat am 28. Nov. wieder Wien verlaſſen. Er beabſichtigt nach hergeſtelltem Frie— den wieder nach dem Orient zurükzu— kehren, um den Prozeß der Juden in Damaskus zur Reviſion zu bringen. Sein Portrait erſcheint nächſter Tage lithographirt in Wien.— Ein Peſther Korreſpondent im Wanderer ſagt von unſerer zu erbauenden Kettenbrüke:„daß ſich bereits die beiden Pfeiler in der Mitte des Stroms erheben“. Wir ſind neugierig zu wiſſen, was der Korreſp. für Pfeiler angeſehen haben müſſe.— Thalberg gab in München ein Konzert, verſteht ſich mit großem Beifall Ein dortiger Rezenſent ſagt über ihn:„Thal— berg iſt zugleich der merkwürdigſte und ſchönſte Spieler“.— Die Depeſche, welche Kommodore Napier über die Ein—
nahme von Saida an Aduiral Stopford


