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abgeſtattet hat, verdient ihrer Origi— nalität wegen angeführt zu werden. Sie war auf einem ſchmuzigen Stüke Papier geſchrieben, und lautet:„Mein Herr, ich habe Sidon genommen, und 2000 Gefangene gemacht, bin ſehr müde und ſehr hungrig; Ihr C. Napier.— In Frankreich iſt der Glaube an das Un— heilbringende des Freitags ſo verbreitet, daß die Omnibus an dieſem Tage kaum die Hälfte deſſen einnehmen, was ihnen ſonſt zufällt.— Man will am Freitag nicht einmal gut fahren.— Auch Deut— ſche haben dieſen Aberglauben.— Der Agneſe Schebeſt hat man auf der Reiſe von Königsberg nach Danzig ihren Rei— ſekoffer abgeſchnitten. Geld, Lorberkrän— ze und Garderobe ſind hin. Ein Glük noch, daß ſie nicht auch ihre Stimme verloren hat.— In Berlin geſchieht es wohl, daß man vom Schneider einen Rok bekömmt und ſtatt in der Bruſt— taſche die Rechnung eine Anzahl Trac— tätchen findet.— In Boſton erſchei— nen 46 Zeitungen.— Der deutſche Po— ſtillon ſagt:„Die„Männer“ müſſen ſehr im Preiſe ſinken, da dieſe Waare jezt in allen Zeitungen ausgeboten wird; aus den heute eingegangenen Blättern
allein könnten wir ein halbes Duzend Heirathsluſtiger mit der„ſchönſten Aus⸗ wahl“ verſorgen. So finden ſich in Nro. 222 zwei„junge und gebildete Männer“, die um Billiges zu haben ſind, der eine koſtet 45000 Thlr., der andere aber nur einige Tauſend.
Lokal-Zeitung.
Muſikaliſches. Muſikver⸗ einskonzert. In der am 29. vorigen Monats veranſtalteten und zahlreich beſuch— ten Kunſtdarſtellung des Peſther und Ofner Muſikvereins wurden uns viele ausgezeichne— te klaſſiſche Muſikſtüke dargeboten. Nach der herrlich und präels vorgetragenen Sympho— nie von Beethoven erſchien Fräuln. Thereſe Bräuer und entzükte das Publikum durch ihr
meiſterhaftes Spiel auf dem Pianoforte. Ihr ſchöner Vortrag, ſo wie ihre große Fertigkeit, Deutlichkeit und Gewandtheit riſſen das Pu— blitum zur Bewunderung hin. Die darauf folgende Cantate von Profeſſor Kloß gab uns Beweiſe von den ausgezeichneten Muſikkennt— niſſen des Kompoſiteurs. Hierauf trug Herr Ignaz Pfeffer Lipinskiſche Variationen für die Violine vor, und mit der größten Spannung horchte Alles jenen ſo anſprechenden Tö— nen, die Hr. Pfeffer mit rühmlicher Virtuoſität dieſem Inſtrumente zu entloken weiß. Hier-
auf ſang Frln. v. Lang eine Arie aus„Don
Juan⸗“« und überraſchte durch ſchoͤne, umfang reiche, wohltlingende Stimme und einen ſehr guten, gebildeten Vortrag. Sie erwarb ſich den Beifall des Auditoriums in hohem Gra— de. Den Beſchluß machte das Finale aus Spohrs„Jeſſonda.““ J. Sdur.
— Die ausgezeichneten Virtuoſen Herr peter Moralt(Violine] u. Hr. Fesca (Piano) geben Morgen, Donnerſtag, ein Kon⸗ zert im Redoutenſaale. Wir machen das Pu⸗ blikum auf einen ganz beſondern Kunſtgenuß aufmerkſam.
— Der berühmte Violincelliſt Hr. Merk, Mitglied der k. k. Hofkapelle und Soloſpieler des k. k. Hofoperntheaters in Wien, iſt hier angekommen und gibt nächſten Montag ein Konzert im Redoutenſaale.
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Benefiz.(peſth.) Unſere ausgezeich— nete dramatiſche Künſtlerin, Mad. Klara Grill, hat künftigen Sonnabend, den 5. Dez., ihre Einnahme. Ihre Wahl traf:„die Königin von 24 Stund ende, Scherz— ſpiel in 2 Akten mit einem Vorſpiel:„das Goldſtük“, nach einem franzöſiſchen Su⸗ jet von C. W. Koch, und die Bei bung in Genf“, Luſtſpiel in 2 Akt. von C. Blum. Beide Stüke ſind ſehr gelungen und frappant; das Leztere iſt bereits auf dem Berliner Hoftheater mit vielem Beifalle gege— ben worden.
Modenbild. Uro. 50
Paris, 15. Nov. Hüte von vattirtem und ausgenähtem Atlas. Mäntel v. Cachemir mit Poſamentirarbelt u. Chenillen garnirt.
Beilage:„Der Schmetterling.“ Nr. 28.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


