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erzählt hatte, fordert er ſie auf, ihm zu helfen, Theodor ausfindig zu machen. Dann ging er zum Richter, erzählte ihm, wie man ſeinen Namen mißbraucht pätte, um den Alkaden, ſeinen Freund und Amtsbruder zu beſtehlen. Einen Augenblik nachher waren alle ſpaniſchen Soldaten des kleinen Städtchens auch auf den Beinen und zum erſten Mal ſah man ſie denſelben Zwek verfolgen, wie die franzöſiſchen Gcenadiere. Man klopft au alle Varraken an, alle verſtekten Derter wurden durchſtöbert und Theodor ward nicht gefunden. Endlich nach vie— len vergeblichen Nachſuchungen und im Augenblik, als es beinahe zur Gewiß heit wurde, daß der Dieb mit ſeiner Beute ſchon entflohen war, hörte Paul, ſein heftigſter Verfolger, eine Stimme, welche ihm bekannt ſchien; er legte das Ohr an die Thür eines Hauſes, wo er gerade allein ſtand und vernahm ganz deutlich die Worte:„Nun, hübſche Zigeunerin, noch einen Kuß und ein Glas Madera, dann fort nach Barcelona, wo ich dir ſo viele franzöſiſche Stoffe kaufen werde, daß du ſie in zehn Jahren nicht verbrauchen kannſt; thue das Gold in meinen Leibgurt und dann brechen wir auf.“— Die Thüre mit einem Fußtritte ein- ſtoßen und den Dieb ſpaniſchen Soldaten, welche ihm auf dem Fuße folgten, überliefern, war für den Franzoſen das Werk eines Augenbliks. Troz dem be— merkte er, daß der Bandit einen guten Geſchmak hatte und daß ſeine Zigeune⸗ rin wirklich weit jünger und ſchöner war, als Pepita.
Paul heirathete ſeine Ines und der Alkade verſprach ihn freiwillig das ſpaniſche Geld ſeiner Nichte zu geben, wenn die franzöſiſche Armee Spanien verlaſſen würde. Ines wurde ganz Franzöſin und nachdem die Bourbons auf den
Thron kamen, verlangte und erhielt der Hauptmann Daverne ſeinen Abſchied. (Telegraph.)
Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe. darauf folgenden Duett mit Staudigl
Cheater. 2 Che ber erregten zwei ſchöne Triller einige Auf—
Wien. Henriette Carl hat am 26 Nov. ihr Gaſtſpiel im k. k. Hof⸗ theater nächſt dem Kärnthnerthore ruhm— voll beendigt. Sie gab die Elvira in den„Puritanern“ und ward von An— fang bis zu Ende mit Beifall über— ſchüttet. Der Eindruk, den ſie in die— ſer unſtreitig glänzendſten Parthie der eminenten Lutzer zurükließ, konnte nicht günſtiger ſein, und ſpricht höchſt ehrenvoll für das hohe Talent der Carl. Man ſtellte ſogar dieſe Leiſtung in tech— niſcher Beziehung über ihre Norma, was in Wahrheit viel geſagt iſt. Schon das Gebet hinter der Szene, worin die Stimme der Elvira vorherrſchend iſt, wurde lebhaft beklatſcht und der impo— ſanten, herrlichen Geſtalt der Gaſtin ward ein rauſchender Empfang. In dem
merkſamkeit(und wir ſind gar ſchöne Triller gewohnt) und nach dem Schluß der Cabaletta wurde ſie mit Staudigl ſtürmiſch hervorgerufen. Nicht ohne Bangigkeit ſah man aber der folgenden Polacca, dieſer Favorit-Arie der Lutzer, entgegen; doch ihre ſchöne, klare Stim— me, unterſtüzt durch einen herrlichen Vortrag, ſiegte und die Künſtlerin ward am Schluſſe zwei Mal ſtürmiſch geru— fen. Die elegiſche Haltung in Spiel und Vortrag erwarb ihr die Ehre nach dem erſten Finale zum vierten Male hervorgerufen zu werden und ſo ging es crescendo bis zu Ende der Oper, in deren Verlauf ſie vielleicht zehnmal en⸗ thuſiaſtiſch gerufen wurde. Der Sueceß der Carl in Wien war ſomit ein über⸗ aus glüklicher, obwohl ſie mit ſo ma⸗


