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dann ernſter und würbiger durch das ſortſchreitende Alter und endlich beſchließt man ſein Leben in Eintracht, wie Philemon und Baueis. Ines war ſchon ganz Franzöſin und ſchmükte ihren Geliebten mit jeder Auszeichnung in ſeiner militä— riſchen Laufbahn. Als die Sterne nach und nach erblaßten und der Tag graute, während dieſer geträumten Götterzukunft, mußten die Liebenden endlich daran denken, ſich zu trennen, da die Vormünder einen ſehr leiſen Schlaf haben und die Bewohner einer kleinen Stadt des Morgens früh bei der Hand ſind.— „Apropros,“ ſagte Paul beim Abſchied,„wir ſind nicht die einzigen Glüklichen in dieſem Hauſe und Pepita....“—„Pepita?“—„Höre, Geliebte, es ſteht uns nicht an, zu ſtreng zu ſein, habe Nachſicht mit Pepita; ſie hält unſere Liebe geheim, laß uns auch die ihre beſchüzen, übrigens muß ich dir geſtehen, daß ich beinahe ihr Mitſchuldiger bin.“—„Mein Freund, ich verſtehe dich nicht.“— „Hier das Verſtändniß: Pepita hat einen Liebhaber, einen hübſchen Jungen, der ſie zu lieben ſcheint und dem ſie ein Stelldichein gegeben hatte.“—„Pepita,“ antwortete Ines,„iſt nicht meine Vertraute; ſie iſt ſchon geſtern wegen eines Auftrags in die Meierei meines Onkels gegangen und gerade während ihrer Ab— weſenheit geſtattete ich dir den Zutritt.“—„Ach, großer Gott, was hab ich da gemacht! Ein Mann hielt mich in der Straße auf, er ſprach von dir, von ſich, von Pepita, von ſeiner Liebe: ich glaube ihm auf ſein Wort und laſſ? ihn nach mir heraufſteigen.“—„So ſind wir verloren! es iſt ein Dieb!“— „Es iſt der Kammerdiener des Richters.“—„Nicht weiter, es iſt wahr, Pepita hat einen Geliebten, aber er iſt Aufſeher auf dem Pachthof meines Onkels und er hat ſie geſtern ſelbſt abgeholt.“
Es war ausgemacht, man hatte die Leichtgläubigkeit Pauls benuzt und ein ſehr verdächtiger Mann hatte ſich ins Haus geſchlichen. Wenn es ein Dieb war, was war aus dem Onkel geworden; vielleicht lag er ermordet in ſeinem Zimmer!
Sobald dieſer Gedanke in Ines aufſtieg, wollte ſie, bleich und halbtodt vor Schreken, in ſein Zimmer eilen, aber Paul litt nicht, daß ſie allein ging, aus Angſt, es möchte ihr da was zuſtoßen; er folgte ihr unwillkürlich, obgleich dadurch das Verſtändniß der jungen Leute zur Gewißheit wurde. Sie erwachten erſt aus ihrer Vetäubung, als ſie vor dem Bette des Alkaden ſtanden, der feſt geknebelt darin lag, ein Schnupftuch in dem Mund hatte und ſich weder bewe— gen noch ſchreien konnte. Paul beeilte ſich, ſeine Feſſeln zu zerſchneiden, Ines war bemüht, ihm wieder zu Athem zu verhelfen 00 der Alkade konnte endlich ſeinen Befreiern danken.
„Sie ſind es, Herr Franzoſe,“ ſagte der Alkade,„o Himmel, wie iſt es möglich, daß mich ein Spanier berauben konnte!“ Er erhob ſich, lief in das an— ſtoßende Kabinet und kam mit entſtellten Zügen zurük.—„Der Räuber,“ ſagte er,„hat mir Alles genommen, auch deine Mitgift, meine Nichte. Du haſt gar nichts mehr und kannſt jezt nur dieſen Herrn heirathen! Er wird kein ſpani— ſches Geld nach Frankreich mitnehmen.“— Nun kam die Reihe an Paul Da— verne und er wurde um ſeine Anweſenheit in dem Hauſe gefragt; Ines über— nahm es, troz der üblen Laune des Onkels, den Dienſt, den er ihm erwieſen, ſo hinzuſtellen, daß er es dankbar anerkennen mußte.
Der Franzoſe lief indeß voller Wuth über den Räuber, der ihn ſo betro— gen hatte, in die Kaſerne und nachdem er ſeine Abentheuer ſeinen Kameraden


