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„Man fragte uns, was jezt am mei⸗ ſten in der Mode ſei? Der Bournuß, der Mantel, der Pelz, der Paletot dc.2 Wir können darauf antworten, daß Alles in der Mode iſt; man ſieht Al— les, und wie glüklich iſt Diejenige, die Alles haben kann!“— London nimmt eine Oberfläche von 20 engliſchen Ge— viertmeilen ein, u. zählt 10,000 Stra— ßen, Gaſſen und Pläze mit 200,000 Häuſern und 2 Mill. Menſchen, welche wöchentlich allein mehr als 4½ Millio⸗ nen Pfund Fleiſch verbrauchen.— Ma— dame Lafarge iſt noch immer der Ge— genſtand aller Konverſation und Speku— lation in Paris. Man trägt Shawls u. ſonſtige Mode-Artikel à la Lafarge. Die feine Welt ſpielt Pianoforteſtüke, die auf ihr Schikſal komponirt ſind, und von denen eins„une pièce de Madame Lafarge“ betitelt iſt. Ein halbes Du— zend Portraits, welche die geiſtreiche An— geklagte in den verſchiedenſten Hal tun— gen darſtellen, darf an keinem Bilder— laden fehlen und die Memoiren u. Bro— ſchüren über ſie und ihren Prozeß wol— len kein Ende nehmen. Noch ganz vor Kurzem erſchien eine Schrift unter dem Titel:„Madame Lafarge mémoires, lettres inédites, coufidences seerétes, eto.“„Ungedrukte Briefe von Madame Lafarge, iſt das ein Ding der Möglich⸗ keit!“ ruft alle Welt zweifelhaft aus, nachdem der Gerichtshof von Tulle Al— les, was davon nur aufzutreiben war, in die Prozeß-Akten hat aufnehmen laſ— ſen und wir vier Wochen lang die Jour— nale damit an gefüllt ſahen.— Das neue Schauspielhaus zu Dresden ſoll zu Weihnachten mit Goethes„Dose eröffnet werden.— Fanny Elsler er- hält für einen vierwöchentlichen Aufent— halt in Havanna auf der Inſel Cuba, wo ſie Vorſtellungen gibt, 100,000 Fr. — Ein engliſches Blatt ſagt:„Das Volk der drei Königreiche verzehrt jähr— lich für ungefähr 25 Mill. Pfd. Sterl.
Brod, hingegen für 50 Mill. Pfd. St. geiſtige Getränke. Blos das Geld, das jährlich in Gin(Wachholderbranntwein) ausgegeben wird, könnte die ganze Be⸗ völkerung ein halb Jahr lang mit Brod verſorgen. Die Mäßigkeitsvereine ha— ben noch viel zu leiſten.— Dr. Core⸗ mans in Brüſſel nennt ſeine Zeitſchrift: „Freie Preſſe, ſeit einiger Zeit die ger⸗ maniſche Vreſſe. Sie iſt jezt in den preu⸗ ßiſchen Staaten erlaubt.
Lokal-Zeitung.
Theatraliſches. Am 24. d. M. gab man auf dem Peſther Theater eine Novität: „die Männerfeindin“, Luſtſpiel in 5 Akt. von J. Benedix. Der Pf. ſoll ein anderes Stük, betitelt:„das bemooste Haupt“„geſchrieben ha— ben, das beifällig aufgenommen wurde. Kann ſein! Als ich aber, am Schluſſe des dritten Aktes der„Männerfeindin“ einen großen Theil des Publikums in ſüßen Schlummer verſunken fand einen andern Theil das Thea— ter verlaſſen ſah,
„und der Vorhang gehet auf, Und der Vorhang gehet nieder; Doch die Glüklichen,
Kehren nicht mehr wieder,“
da rief ich aus dem Innerſten meiner Seele: „O wär' ich nur heut' kein Theaterreferent, und könnt auch ich dem heißen Deang meines Herzens folgen.“ Bei einem Lu ſtſ p bel, wie dieſes, muß den Schauſpielern die Lu ſt zu ſpielen vergehen, u. die heute beſchäf— tigten beſten Mitglieder unſerer Bühne konn— ten troz aller angewandten Mühe dieſem Ca⸗ daver kein Leben einhauchen.— Zwei junge Damen beſchloſſen ewige Männerfeindinen zu ſein, und nie zu heirathen. Das Motiv zu dieſem Entſchluſſe iſt bei der Einen, einer jungen Wittwe, eine unglükliche Ehe, und darum, weil ſie ihr ſeliger Mann ſo arg ge⸗ quält, hat ſie beſchloſſen, auch uns zu quä⸗ len; bel der Andern wieder, weil ihr Lieb⸗ haber ſie verlaſſen. Im erſten Akt werden wir aus vielen abgeſchmakten Reden und lan⸗ gen nichtsſagenden Tiraden gewahr, daß die beiden Damen nicht heirathen wollen, jedoch dafür entſchädigt uns der 2 Akt, wo wir wie— der hören, daß die Damen nicht heirathen wol len, bis wir endlich aus dem dritten Akte die nagelneue Geſchichte vernehmen, daß die Da— men nicht helrathen wollen. Endlich im vier— ten Akte erſcheinen die Liebhaber der Damen,


