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Berlin. In unſern Zeitungen wird es ſehr lebendig. Es hat ſich be⸗ reits ſeit einem paar Jahren eine, man möchte ſagen, pietiſtiſche Sekte laut ge⸗ macht, welcher unſere eben nicht ſon⸗ derlich milde Polizei noch nicht ſtreng genug iſt; ſie wollen gegen allerhand Sittlichkeiten u. Unſittlichkeiten, Ta— bak rauchen, Tabaksdoſen, de. Vereine ſtiften. Es ſind Herren mit Balken im Auge, welche nach Splittern ſchauen. Die Polizei läßt ihnen das Geſchreib— ſel, denn um ſo weniger wird ſie läſtig gefühlt; ſollten indeſſen die Herren durch ſelbſtſtändiges Eingreifen einen anarchiſchen Zuſtand herbeiführen wol— len, ſo würden ſie die Erſten ſein, wel⸗ che der Polizei verfielen.
New⸗ Pork. Eine Thatſache, das heißt einen amerikaniſchen Puff ge⸗ ben engliſche Blätter zum Beſten. Der Herausgeber des Trompeters von New— Orleans wurde neulich mit einer jungen Lady bekannt, deren blaue Augen in ſo lebendigem Glanze ſtrahlten, daß ein einziger Blik ſchon hinreichte, nicht nur einen Schneeball zu ſchmelzen, ſondern, was mehr ſagen will, das Herz eines Zierbengels zu rühren. Beſagte Lady legte ſich eines Abends ſchlafen, und ſtand am andern Morgen wieder auf. Als ſie aber vor ihren Spiegel trat, da fand ſie zu ihrem Schreken, daß das ſchwelgende Blau in tiefes Schwarz verwandelt worden war. Dieſes wun— derbare Phänomen verſezte ſämmtliche Philoſophen der Vereinigten Staaten in die größte Aufregung. Endlich ka— men ſie dahin überein, daß das Augen— geſtirn der Schönen Trauer angelegt habe, nachdem es ſo viel Unglük unter der Männerwelt angerichtet.— An ſolchen ziemlich abgeſchmakten Geſchich⸗ ten finden die Amerikaner großes Ge— fallen; wir wollen hier eine zweite aus einer New⸗Vorker Zeitung mittheilen: „Das bekannte Leichdornpflaſter thut
Wunder. Neulich kaufte Herr Quibbs aus Powhattan eine Büchſe davon für ſeine Frau: zufällig ſtrich er ein wenig von dem Inhalte vorn an ſeinen Kar— ren, und war nicht wenig überraſcht, daß dieſer anfing ſich zu bewegen. Das Pflaſter zog ihn, ohne daß der vorge⸗ ſpannte Gaul, ſich rührte, richtig nach Hauſe. Ein anderer Mann hatte ein Lotterieloos in ſeiner Taſche; ein klein wenig von dem Pflaſter war durch Zu— fall auf daſſelbe gekommen, und ſiehe da, es zog das große Loos. Auch Zäh— ne zieht es vortrefflich aus.“
Etwas von Allem. Saphir in Wien kündigt an, daß er ſeine„dra— maturgiſchen Vorleſung en“ auf die nächſte Faſten verlegen werde, da „Kontraritäten und Wechſelfälle“ den Beginn derſelben für den Monat No— vember unmöglich machten. Hingegen wird er am 13. Dez. eine„große de— klamatoriſch-muſikaliſche Akademie und humoriſtiſche Vorleſung“ im Theater halten.— Im Theater an der Wien iſt wieder eine neue Poſſe:„Nikodemus, der ſeinen Vater ſucht“ von A. Werle, zu Grabe getragen worden.— Dem „Sammler“ zufolge folgt der Präſtiga— teur Philiph, der in Wien ſeine Vorſtellungen bald beendigen wird, ei— ner Einladung nach Peſth.— Der be— kannte Wiener Volksdichter Hr. Meisl regt ſich wieder. Sein neues Sitten— gemälde:„Czaar Peter in Paris“ kommt nächſtens zur Afführung und gegenwär— tig iſt er mit einer neuen Poſſe:„Die Landparthie nach Haimbach“ beſchäftigt. — In Frankfurt wird Gutzkows„Wer— ner“ nächſtens gegeben werden.— In München erſchien eine junge Sängerin, Dem. Zern als„Nachtwandlerin“ und gefiel.— Die Königin Victoria v. Eng⸗ land iſt Mitglied der mediziniſch-chirur⸗ giſchen Geſellſchaft geworden.— Ein
Variſer accreditirtes Modejournal ſagt:


