Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
769
 
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tet, daß wenn die Männer regierten, nicht ſie regierten, ſondern die Weiber, und daß wenn die Weiber regierten, man wiederum eigentlich nur von Män⸗ nern regiert werde. Auf Ehre, wenn das Miniſterium vom 15. April die De⸗ moiſelle Pleſſis vom Theater-frangais repräſentirte, ſo iſt das vom J. März die Regentſchaft der Mad. Dosne und Demoiſelle Louiſe Fitzjames von der gro ßen Oper; mit dem neuen Kabinet tritt Demoiſelle Rachel an die Spize der Geſchäftsführung. Ferner an einer andern Stelle:Wie ich bereits mehr als einmal geſagt habe, man verzichte te auf die Anwendung der Todesſtrafe bei ſolchen Unglüklichen, welche jugend⸗ licher Thorheiten oder Unbeſonnenhei ten wegen ihre Ehemänner vergifteten. Eins jedoch iſt bisher der Aufmerk ſam⸗ keit der Juſtiz und der königl. Gnade entgangen, ein Vergehen, das nicht nur nicht milder, ſondern immer ſtrenger mit Strafe belegt wird: ich ſpreche von der Unart mancher Leute, die Teppiche und Deken aus den Fenſtern auf die Straße hinunter abzuſtauben und zu reinigen, und ich führte ſchon an, mit welchem Eifer dieſem Vergehen nachge jagt wird. Es wäre ſehr zu wünſchen, daß die Bürger ſammt und ſonders die darauf bezüglichen Verordnungen beher⸗ zigen möchten, damit die Admi⸗ niſtration, welche ſeit geraumer Zeit faſt ausſchließlich mit der Teppichjagd beſchäftigt iſt und darüber ſo manche höchſt wichtige andere Dinge vernach läſſigt, wieder zu ſich käme. Die Sa che iſt ſehr folgenreich. Als der be rühmte Augenarzt Gräfe unlängſt ſtarb, hinterließ er Hunderttauſende; Stieg⸗ litz, der als armer Doktor nach Hanno ver kam, hinterläßt eine halbe Million Thaler, wie ich geſtern in einem deut ſchen Blatte las. Von einer franzöſi ſchen Augendoktorin, welche vor vier⸗

zehn Tagen ſtarb, ſchreibt ein Paxiſer

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Blatt: Dem Hoſpital der Stadt Au⸗ rerre ſind baare 100,000 Fr. zur Grün⸗ dung von ſechs Betten für arme und kranke Matroſen vermacht worden. Die ſes Legat wurde von Roſe Mullot, wel che aus einer Auxerrer Matroſenfami lie ſtammte, ausgeſezt; zu dem Ver⸗ mögen, von welchem ſie eine ſo humane Anwendung machte, kam ſie auf ſehr merkwürdige Weiſe. Nachdem ſie lange gedient hatte, verheirathete ſie ſich und lebte ſehr kümmerlich. Roſe Mullot war eine große Hundeliebhaberin und er⸗ lebte den Schmerz, daß ihr Liebling von einer Augenkrankheit befallen wur de. Roſe wendete ein Mittel, das ſie einſt von ihrer Mutter hörte, an und es half. Durch dieſen günſtigen Erfolg ermuthigt, wendete ſie es auch auf Men⸗ ſchen an, und aſſozirte ſich mit einem Pariſer Arzte. Auf dieſe Weiſe trozte ſie allen gegen ſie anhängig gemachten Prozeſſen u. gewann immer mehr Ver⸗ trauen und Kunden. Daher Roſe Mul⸗ lots großes Vermögen. Als ſie ſtarb, gedachte ſie auch der Hunde, als der Urheber ihres Glüks und ihrer ſteten Lieblinge: zur Pflege kranker Hunde ſezte ſie gleich falls 300 Fr. aus!

Liverpool. Unlängſt ſaß in hieſi⸗ ger Stadt(erzählt dasLiverpool Mail) eine arme Alte, und wikelte Baumwollengarn von einem Knäul ab. Trübſelig ſaß ſie, und dachte eben mit Angſt daran, wie es ihr ergehen wer⸗ de, da ſie den Haus zins nicht aufzu⸗ bringen vermöge. Der Knäuel iſt abge! wunden ihr Blik fällt von ungefähr auf das Wikelpapier, welches ein Stük von einer vorjährigen Zeitung war, u. ſie lieſt ihren Familiennamen. Es war, wie beim Auseinanderfalten des Papieres es ſich ergab, die Anzeige ei⸗ ner ihr gebührenden bedeutenden Erb⸗ ſchaft, die ihr ohne dieſen wunderbaren Zufall nie zu Geſicht, nie zur Kunde gekommen ſein würde