Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
768
 
Einzelbild herunterladen

768

ſezte ſich neben ſie auf den altmodigen Sopha, in den ſie niedergeſunken war. Sagteſt du mir denn nicht, wenige Tage vor unſerer Hochzeit, der Rauch einer Pfeife ſei dir ſehr zuwider, und du ſäheſt es nicht gern, wenn ich als Ehemann dem Tabak noch fröhne?Ja, das ſagt' ich, rief Emilie,ich kann den fatalen Rauch nicht ertragen, ich muß jedesmal huſten, wenn eine Pfeife in meine Nähe kommt.Um dir alſo Rauch und Huſten zu erſparen, und mir die ſchmollende Miene von dir, die mir meine alte Freundin, die Pfeife, zugezogen haben würde, miethete ich hier im Hauſe meiner alten Amme ein Zimmer, um nach dem Eſſen, wie ich es ſeit Jahren gewohnt war, ein Stünd chen rauchen zu können. Jezt weißt du das Geheimniß meines Geſchäftes nach dem Deſſert, und du wirſt mich gewiß jezt ſelbſt aus dem Hauſe treiben. Nein, nein, gewiß nicht, heute zum lezten Male haſt du dein einſames Zim mer geſehen; nimm nur Abſchied von ihm.Wo ſoll ich denn aber rau chen?In unſerm Hauſe, in meiner Nähe, unter meinen Augen. Aber der Rauch?Ich werde mich daran gewöhnen.

Max drükte viele Küſſe auf die Lippen ſeiner Frau. Dann nahm er Pfeife und Tabak und kündigte der alten Frau unten im Erdgeſchoß die Wohnung auf. Emilie aber ſagte halblaut:Er ſoll lieber in unſerm Hauſe rauchen; mit der Pfeife in der Hand ſcheint er in ſchwärmeriſcher Stimmung, und eine gefällige Nachbarin möchte ſich leicht an den Tabaksqualm gewöhnen. Lieber will ich's ſelbſt verſuchen, und etwas, das eine Frau ernſtlich will, kann ſie ja immer.

.

Anſichten. Urtheile. Begebniſſe.

erklärt, dieſelben jedoch wenig beunru⸗

iteratur. Nit g higt, da Balzac's literariſche Bedeutung

Literariſches Portfolio. In der Pariſer Journal-Literatur hat ſich vor zwei Monaten wieder eine neue Revue aufget han, es iſt dies dieRe- vue Parisienne, die in Duodez-For mat alle Monat erſcheint u. von Bal zac redigirt wird, der ſich gegenwärtig ganz auf die berüchtigte Duodez-Lite⸗ ratur geworfen zu haben ſcheint. Die Revue Parisienne iſt völlig das Geure von Alphons Karrs bekanntenWes pen, nur übertrifft ſie dieſelben bedeu tend an Frechheit in politiſchen Klat ſchereien und Schmähungen. Gegen die beiden verbreitetſten Pariſer Revuen, dieRevue de deux mondes und die Revue de Paris zieht ſie mit beſon derer Erbitterung zu Felde; ein Um ſtand, der ſich aus Balzac's zur Ge nüge bekanntem Verhältniſſe zu dem einen der beiden Journale hinreichend

ſeit Jahren in entſchiedenem Abnehmen iſt, und die neueRevue Parisienne nicht das Ausſehen hat, als werde ſie ſich hier auf die Dauer ein Publikum gewinnen. Von größerer Bedeutung iſt für jene Zeitſchriften der Krieg, welcher ihnen in lezter Zeit mit immer erneu ter Heftigkeit von derFrance litté- raire gemacht wird. Die beiden ge nannten Revüen werden, vorzüglich ih rer ſehr geleſenen politiſchen Bülletins wegen, die ſchon zu verſchiedenen Ma len mit dem Emporkommen eines andern Miniſteriums die Farbe wechſelten, von dem Gouvernement bedeutend unterſtüzt.

Mignon Zeitung. Potpourri aus Paris. Der ſchon oft erwähnte geiſtreiche Alphons Karr ſagt:Mit Recht wurde behaup⸗

2