Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
763
 
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urtheilen. In Paris tragen die Damen, welche ſich zur egyptiſchen Parthei beken nen, Seidenhüte, deren FarbeMehe med Ali⸗Grau heißt, u. die täuſchend ſte Aehnlichkeit mit dem Grau des Bart haares Mehemed Ali's hat. Wolf gang Menzel ſagt in einer Beurthei lung desAllgemeinen Theaterlexikons oder Eneyklopädie alles Wiſſenswerthen für Bühnenkünſtler ze.Warum für Bühnenkünſtler und nicht für Schau- ſpieler? Bühnenkünſtler klingt faſt wie Kleiderkünſtler und iſt ein recht abge ſchmaktes pretiöſes Wort. Seit wir Bühnenkünſtler und keine Schauſpieler mehr haben, iſt die Bühne geſunken. Die Bühnenkünſtler ſollten ſich ſchämen, ſchlecht zu ſpielen, nicht aber Schau ſpieler zu heißen. In einem Erbau ungsbuche, gedrukt in der Mitte des verfloſſenen Jahrhunderts, befindet ſich auch ein Gebet mit der Ueberſchrift: Bitte, ſo ein Schieferdeker während des Fallens von einem Dache zu ſpre chen hat. Das Gebet nimmt drei eng gedrukte Seiten ein. Nach einer Be rechnung ſoll es in Europa 80,000 Stumme geben. Zählt man nun noch alle die dazu, welche viel ſprechen und wenig ſagen, die viel wiſſen und ſchwei gen, die viel ſagen könnten und nicht reden dürfen, ſo geräth man in die Verſuchung, zu fragen: wozu wurde den Menſchen die Gabe der Sprache? Der Beſizer des bibliographiſchen In ſtituts in Hildburgshauſen hat über die Thür ſeines Arbeitszimmers mit großen Buchſtaben angeſchlagen:Weder für König noch Bettler zu ſprechen! Hin ſichtlich des Leztern wird Niemand an der ſtrengſten Befolgung des Anſchlags zweifeln. Aber wenn nun zufällig ein König käme? Jemand leitete die Brutalität der Menſchen von der Kuh poken-Impfung her. Cantatores a- mant humores überſezt W. Achat:Was die Kehle ſich erſungen, von der Gur

gel wird's verſchlungen. Nicht weit von Freiwaldau(im Oeſterreichiſchen) lieſt man folgenden Anſchlag:Da in dieſer Gemeinde das Armeninſtitut be ſteht, folglich iſt das Betteln verboten. Das neue vaterländiſche Lied:Sie ſollen ihn nicht haben, den freien, deut ſchen Rhein, wird in der Leipziger Allgem. Zeit. die Colognaiſe genannt. Gisgquet in Paris hat ſeiner Memoi⸗ ren wegen ſchon einen Prozeß bekom men; Begeron hat ihn verklagt. Und doch ſchien der ehemalige Polizeipräfekt in ſeinen Bekenntniſſen Vielen zu zahm! Der geiſtreiche Alphons Karr ſagt:Ich mache die Wette, daß wenn der Poli zeipräfekt morgen verbietet, auf den Pariſer Straßen auf allen Vieren zu gehen, ſich übermorgen eine Unmaſſe von Opponentten gegen dieſes willkürliche Verbot einfindet und die Vierfüßigkeit mit ungeheurer Begeiſterung treibt! Ferner ſagt Derſelbe:Der Wald von Vondy birgt auch nicht einen Räuber mehr; ſogar im Schwarzwald hauſen nur noch ehrliche Köhler und Kirſchwaſ ſerfabrikanten; die gefahrvollſte Paſſa ge, welche heutigen Tages in der Welt vorhanden, iſt die aus den Tuilerien in die Deputirtenkammer! Die Blät⸗ ter theilen die ſtebenzehn angebliche Kaſſationsmittel mit, welche die Ver theidiger der Mad. Lafarge gegen das Urtheil des Tuller Aſſiſenhofes geltend machen wollen. Man ſchreibt uns aus Wien:Der berühmte franzöſiſche Ad vokat Cremieur(zIſraelite), von ſei⸗ ner Miſſion nach Damaskus, um die Unſchuld der dortigen Juden an den Tag zu legen, zurük gekehrt, befindet ſich jezt hier. Heute(am 21. Nov.) gibt die hieſige iſraelitiſche Gemeinde ihm zu Ehren eine Academie musicale, wo zu auch Frln. Henriette Carl und der Hofopernſänger Hr. Staudigl, zur Verherrlichung des Feſtes geladen wur den. Morgen(am 22.) gibt dieſelbe Ge⸗