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Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.
Ateratur.
Literariſches Portfolio. Der Buchhändler L. Schreck in Leipzig hört nicht auf, ſich auszuzeichnen im— Widerlichen. Jezt treibt er eine Samm— lung von„Ritter-, Räuber- und Ge—⸗ ſpenſter-Geſchichten“ in's deutſche Volk, wovon ſchon zehn Bände erſchienen ſind, die an Vieles erinnern, was man ver- geſſen wähnte und vergeſſen ſein wür—⸗ de, wenn es nicht einigen Buchhänd— lern beliebte, eine Krankheit unſerer Literatur aus Spekulation wieder her— beizuführen und verſtärken zu wollen. Nichts iſt erniedrigender für den Buch— handel, als die Erkenntniß, daß es Verle— ger gibt, die nur auf die Gelüſte der Rohheit ihre Unternehmungen gründen, und ſtatt in der Maſſe den faulen Geiſt weken zu helfen, darauf hinarbeiten, daß er durch kraſſen Genuß in nur ſinn⸗ licher Richtung zugleich mit dem Irdi— ſchen verfaule. Gott beſſer's!— In Berlin iſt bei Gelegenheit der Huldi— gungs⸗-Feierlichkeiten von dem bekann⸗ ten Nante, der die Nähe der Univer— ſität benuzt zu haben ſcheint, um ſei— nem ſchlauen u. anſchlägigen Kopfe den Doktorhut zu acquiriren, eine Broſchü⸗ re unter folgendem komiſchen Titel er⸗ ſchienen:„Nante als Fremdenführer, oder ganz Berlin für 7½ Silbergroſchen. Ein Wegweiſer für Fremde, die hier bleiben wollen, und für Einheimiſche, die noch nicht gehörig orientirt ſind. Nach den beſten Flüſſen bearbeitet von Dr. Nante, mit einer Stadtkarte von Berlin. Erſte verbeſſerte und vermehrte Auflage.“— Von Lamenais erſcheint näch⸗ ſtens ein großes philoſophiſches Werk, an welchem er zwanzig Jahre lang ar— beitete und welches die wiſſenſchaftliche Ausführung und Begründung ſeiner Theorien enthalten ſoll.
Mlignon-Zeitung.
Etwas von Allem. Ein neues Luſtſpiel von Bauernfeld:„Ernſt und Humor“, am 17. d. im Wiener Burg⸗ theater zum erſten Male gegeben, wird von Saphir im Humoriſten hart mit— genommen.— Der Referent der Thea— terzeit., Hr. Umlauft, lobt das Stük. Man ſieht, daß jedes Ding von zwei Seiten angeſehen werden kann. Uebrigens ſind beide Referate etwas zu lang geſpon— nen. In unſerer Zeit ſollte man es mit ephemeren Theatererſcheinungen doch et— was kürzer machen.— Ein Blatt will den Ausdruk„Charlatan“ von einem re— nommirten franz. Quakſalber, Namens Latan, abgeleitet wiſſen, der ſeine Me dikamente in einem Karren(char) mit ſich herbmführte.— Das läßt ſich hö— ren und beweiſt, wie vieles Andere, daß es nichts Neues unter der Sonne gibt: dergleichen Latans ſehen wir auch heut— nur haben ſich ihre Karren in glänzende Equipagen verwandelt.— In Königsberg will man im Dezember noch das Guttenbergsfeſt feiern, wie ein Korreſpondent aus Königsberg in den „Elbinger Anzeigen“ meldet.„Man wird,“ bemerkt er,„ſich nicht das Ber⸗ liner zum Muſter nehmen, obgleich es nach Berichten in der„Leipziger Allge— meinen“ ſehr muſterhaft gefeiert ward.“ (Alſo noch kein Ende mit der Guten— berg-Manie!)— Zu Burg, in Preu⸗ ßen, hatte bei der Huldigungs feier-Il⸗ lumination ein Väker eine große Präzel beleuchtet mit dieſen Worten: „Ei, welche große Präzel! Nun, iſt euch das ein Räthſel? Ich bin heut gar zu freudenvoll, Drum könnt' ich nicht, wie ich wohl ſoll, Beim Wiegen viel vom Teig abzwaken; Drum iſt ſie heut ſo groß gebaken.“ Anderwärts ſcheinen die Bäker wenig
Freuden zu erlebe n, ihrem Gebäle nach zu


