Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
747
 
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durfte ſich des Glükes rühmen, welches Spielberger widerfährt: mit dem 1. November begann das Abonnement und denken Sie, alle disponiblen Logen und Size ſind auf ſechs Monate abonnirt! Das muß brillante Geſchäfte geben, wenn die Leiſtungen den gerechten Er wartungen entſprechen. Die lezte Redoute in Wien fiel ſehr ſchlecht aus; kaum daß 600 Perſonen anweſend wa ren. Beſſer ging es mit dem Tonwerke Timotheus , obwohl es auch keinen ganz vollen Saal machte. Mit dem Taſchenſpieler Philipp ſcheint es in Wien nicht ſo recht mehr gehen zu wollen. Seine Thaten ſollen überhaupt nur in den Zeitungen ſehr groß ſein. Das Publikum hat ſich im Theater ein Mal ſehr ſcharf gegen ihn ausgeſprochen. Seine Zauberei vermochte nicht das Ungewitter zu beſchwören. Er ſpielt jezt in der Leopoldſtadt. Einem on dit zufolge ſoll der Direktor Po korny die Leitung des Joſephſtädter theaters Hrn. Kupelwieſer zu übertra gen gedenken, wodurch ſie in erfahrne Hände geriet he. Mad. Nettich in Wien ſoll auf ihre Gage noch 1600 fl. erhalten, mit der Obliegenheit alle Schrö der'ſchen Rollen zu ſpielen. Hr. v. Holtei iſt im Theater an der Wien en gagirt. Karl ſoll das neue Theater in der Leopoldſtadt an die Stelle zu bauen beabſichtigen, wo ehemals das Gaſthaus zur Kettenbrüke ſtand. In Di lingen a. d. Do nau iſt es zu einer ſürch terlichen Schlacht gekommen; ſehr viele Todte auf dem Schlachtfelde blieben, in der ganzen Stadt iſt Heulen und Wehklagen. Die Gefallenen ſind Hun de, gegen welche die Polizei zu Felde zog.Die Polizeiſoldaten tragen jezt, meldet die B. Landbötin,Flinten, um beim Erbliken dieſelben(nämlich die un glüklichen Hunde) ſogleich niederzuſchie ßen. Ein Hr. Beker in Rheinpreu ßen, hat ein neues deutſches National-

lied gedichtet, deſſen Refrain lautet: Sie ſollen ihn nicht haben, Den freien deutſchen Rhein,

das in Deutſchland ſo vielen Anklang findet, daß in Mainz eine Geſellſchaft beſchloſſen hat, ihm aus Dankbarkeit einen ſilbernen Pokal zu überreichen. Die Koſten werden durch eine Subſkrip⸗ tion gedekt. Die Abyſſinierin des Fürſten Pückler, die man auch in Peſth kennen lernte, iſt am 27. Okt., nach einer langwierigen Krank heit, zu Mus⸗ kau mit Tode abgegangen. Von dem Fürſten Pückler erſcheint nächſtens der erſte Band einesSüdöſtlichen Bilder ſaals. Im Monate Oktober wurden auf den Pariſer Bühnen drei neue Opern, vier Dramen und ſiebenzehn Vaudevillen, alſo im Ganzen 24 neue Stüke von 37 Autoren aufgeführt. Ferner wurden 16 Stüke neu einſtu dirt, 5 Debüts und 3 Extravorſtellun gen gegeben. Der Verfaſſer des bei O. Wigand erſchienenen Buches:Oe ſterreich im Jahre 1840 iſt Graf Schirnding in Prag. In Frankfurt macht ein koloſſales Bild von Keiſer (er war früher Hirtenjunge) großes Aufſehen. Der König von Belgien hat es für 18.000 Gulden gekauft. Der Kommiſſionär der Leipziger Theaterchro nik, in welcher die deutſchen Schauſpie⸗ ler gewöhnlich um Engagement einkom men, heißt H. Hunger. Ein böſes Omen! Unter den Deutſchen, wel⸗ che an der lezten Verſammlung der brit tiſchen Aſſoziation in Glasgow Theil nahmen, werden Dr. Ettling aus Gie ßen, Dr. Varentrapp aus Frankfurt am Main, Dr. Rettenbacher aus Oeſterreich, Dr. Mohr aus Koblenz u. Dr. Jobſt aus Stuttgart genannt. Die 4. Gaſtrolle der Dem. Carl in Wien war die Grä fin Reuterholm. Obwohl dies eine ſehr unfrucht bare Parthie iſt, u. nach der Löwe noch gar keine Sängerin darin in Wien gefallen hat, ſo gelang es dennoch der