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blaſirten Welt zum Schauſpliel dienen muß, als dies jezt ſchon der Fall iſt. „Es iſt jezt unter gewiſſen jungen Leu— ten ſehr Mode geworden,“ ſagt Karr, „eine große Bewunderung, nein, eine große Anbetung der Wittwe Lafarge's zur Schau zu tragen. Man hört nur Lobeserhebungen über ihren Geiſt, ihre Züge, ihre Beſcheidenheit, ihre Ta— lente, und zum Schluß die ſchon all— mälig ſtereotyp gewordene Phraſe: kurz, ſie iſt ein Weib von höherer In— telligenz, ein ächtes, liebenswürdiges Weib. Alles dies, ich nehme keinen An— ſtand, es zu ſagen, iſt nichts als lächer— liche Affektation, als ein thörichtes Sichſpreizen, wie wir es wohl an ar— men Poeten ſehen, die nicht die Liebe einer Griſette beſizen, und in ihren Dichtungen von braunen Andaluſterin— nen u. Stiergefechten ſchwärmen Denn nähme man dieſe Dinge wirklich ernſt, müßte man glauben, daß dieſe Worte der Ausdruk eines wahren Gefühls ſind, man müßte an der Generation von heute verzweifeln. Einen Vorwurf ver— dient überhaupt die Jugend unſerer Zeit, den, daß ſie nicht jung iſt, oder mindeſtens wie etwas, deſſen ſie ſich zu ſchämen hat, Alles verbirgt, was an ihr jung, das heißt groß, edel, rein und erhaben iſt. Unglüklicher Weiſe nehmen dieſe Vergötterungen der La— farge einige von denen, die ſie im Mun—⸗ de führen, und viele Frauen ernſt. Dieſe Frauen, die oft ſchön und im Glanze der Jugend, der Anmuth des Geiſtes ſtrahlen, ſie ſehen ſich unbeach— tet neben ſolchen Zeitungswundern oder neben Tänzerinen, und fragen ſich lei— ſe und verſtimmt: Weßhalb gelten wir denn weniger, als dieſe, als die La— farge? Tauſende von Frauen ſind geiſt— voller, ſind liebens würdiger, als ſie, ſind ſchöner, als alle Tänzerinen der Welt: müſſen ſie nicht endlich auf den Gedanken kommen, daß man ſei⸗
nen Mann vergiftet haben oder Tän— zerin ſein muß, um die Aufmerk ſamkeit zu feſſeln, um bewundert, um geliebt zu werden?— Gibt es denn keine Be⸗ lohnung mehr für ſtille Tugend, die ſich begnügt, die Häuslichkeit zu verſchönern? Iſt es denn beſſer, die Welt von ſich reden zu laſſen, Skandal zu erregen, als ſein Haus mit Frieden, Freude und Liebe zu erfüllen?“
Berlin. Wir haben hier ſeit einiger Zeit zwei in der Tagesgeſchich— te merkwürdige Männer in unſerer Mit⸗ te: den Fürſten Pückler-Muskau, aber ohne Pferd und ohne ſeine Mohrin, und einen General des untergegangenen Irr— ſtern Don Carlos, den Grafen Lich⸗ nowski, der mit vielen Sternen auf der Bruſt erſcheint, die den Leuten ſpaniſch vorkommen.
Etwas von Allem. Der„Ge— ſellſchafter“ ſchreibt:„Wir gewinnen immer mehr bei den Franzoſen. Sie ſprechen viel und mit Achtung von un—⸗ ſerer Literatur; zu einer guten Bil⸗ dung rechnet man, daß man Deutſch verſtehe und Vordeaux ſoll ſich ſo darin aus zeichnen, daß wenigſtens eben ſo viel Deutſch als Franzöſiſch geſprochen wird, (22) Auch die Induſtrie bedient ſich in Paris des Wortes„Deutſch“ als Lok⸗ ſpeiſe, wie es umgekehrt bei uns ein⸗ mal Mode war. Nur der politiſche Hahn ſcheint dieſe Achtung nicht zu theilen; er kräht uns etwas ungeſtüm an. Hof⸗ fentlich wird er auch noch den Neſpekt wiederfinden.— Die General-Direktion der Hospitäler in Paris hat in der Irrenanſtalt in Bicetre einen Muſik⸗ lehrer angeſtellt. Man erzählt Wun— derdinge von der Wirkung des Geſangs auf die Geiſteskranken und ihre Wie— derherſtellung.— In Berlin iſt We— bers„Freiſchüz“ bereits 199 Mal gege⸗ ben worden.— Man ſchreibt aus Köln: „Noch kein Theaterdirektor in Köln


