74
Die Ausſtattung iſt elegant.(Zu haben in Hartlebens Buchhandlung in Peſth.)— Ueber das deutſche Theater ſpricht W. Menzel in ſeinem Literaturblatte vom 16. Oktober ein ſehr wahres Wort. Es handelt ſich in dem Vorhergehenden um die Nachtheile des Theaters auf die Moralität des Volkes: Menzel ant— wortet darauf:„Die Bühne würde ſo ſchädlich nicht wirken, wenn ſie wäre, was ſie ſein ſoll und was ſie zum Theil in England wirklich iſt, nämlich eine Schule des Patriotismus! Zu religiö— ſen Darſtellungen eignet ſie ſich wobl nicht, weil die Profanation gar zu na— he liegt.“ Ich bin anderer Meinung. Es kommt auf die Art an, wie der Dichter das Religiöſe ſchafft und der Schauſpieler es verkörpert. Calderons ſtandhafter Prinz z. B. iſt eine ſolche Tragödie: wer denkt bei ihr an Pro— fanation, wenn die Darſteller keine ge— meinen, frivolen Seelen ſind? Schwie— riger als jede andere Rolle ſind reli— gioſe gewiß, deſſenungeachtet aber eignen ſie ſich doch zur Darſtellung von einem wirklichen Künſtler.— Ueber die Büh— ne als die Schule des Patriotismus ſagt Menzel ſchließlich noch:„Die Tra— gödie ſoll den Nationalgeiſt anregen und die Komödie poetiſche Gerechtigkeit an allen Parteien und Tendenzen des Ta— ges üben. Der alte Ruhm der Natio— nen ſoll dem Zuſchauer auf der Bühne vorübergehen, und die neue ſcharfgegei— ßelte Thorheit— Shakeſpeares Geiſt und der Geiſt des Ariſtophanes. Unſer Theater iſt nur darum ſo verkommen, weil es keinen politiſchen Beruf und keine nationale Ehre hat.“— Der Preußiſchen Staatszeitung ſteht mit Neujahr eine Reform in Redaktion und Farbe bevor; die„Voſſiſche Zeitung“ will ſich endlich der Zeit und dem Bei—⸗ ſpiele der Haude und Spenner'ſchen Zeitung fügen: ſie bekommt ein neues, ſauberes und nach größerem Zuſchnitte
E
9
gemachtes Kleid. Der frühere Redak— teur des„Athenäums“, welches vor zwei Jahren kurze Zeit als Beiblatt des Fränkiſchen Merkurs erſchien, will jene Zeitſchrift als„Berliner Wochen— ſchriſt“ fortſezen. Ein Berliner„Sonn— tagsblatt“ wurde von den Doktoren Namelow und Ungewitter beabſichtigt, erlangte jedoch die Konzeſſion nicht.— In London haben in dieſen Tagen die Lords der Schazkammer einer Geſell— ſchaft zu Glas gow, welche Vibeln für die Blinden drukt, 400 Pfd. St. be⸗ willigt. Dieſe Bibeln beſtehen aus 15 Bänden in Großquart, und es ſollen im Ganzen 3300 Bände gedrukt wer— den, wovon jeder 2470 Seiten von 37 Zeilen enthält; es werden 1166 Ries Papier verdrukt, welche 9860 Pfund wiegen. Das neue Teſtament in vier Bänden iſt fertig; jede Seite deſſelben hält 42 Zeilen. Jene Glasgower Ge— ſellſchaft zur Beförderung des Unter— richts unter den Blinden hat ſchon 10,850 Bände ausgegeben.
Mignon-Zeitung.
Paris Alphonſe Karr, der be— kannte geiſtreiche Schriftſteller der fran— zöſiſchen Hauptſtadt, hat ſich den Geg— nern der unglüklichen Frau beigeſellt, deren Prozeß in ſo hohem Grade die öffentliche Aufmerkſamkeit auf ſich zog. Was er gegen ſie anführt, ſcheint indeſſen nicht ſehr ſchlagend; in einem Umſtande aber, der bei der traurigen Oeffentlichkeit, die Marie Lafarge er— langte, ſich ereignete, hat er vollkom— men recht, und ſeine Geißel trifft wohl— verdient die thörichten Geken, die Lie⸗ besworte an eine Frau richteten, welche gewiß Mitleid verdient, aber durch ſolche überſpannte Bezeugungen einer Theil— nahme, die meiſtens nur der Sucht, ſich wichtig zu machen, entſtammten, nur noch unglüklicher werden und mehr der


