Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
743
 
Einzelbild herunterladen

343

folgt mich ihr Bild! Ach, löſt mich von meinem Verſprechen, laßt mich trinken, ſaufen, taumeln, ſchlagen, toben, lärmen... laßt mich vergeſſen, was ich nicht vergeſſen kann!Der arme Burſche, ein echter Ire! rief der

Eine;er meint es wahrhaftig ernſt! rief ein Anderer.Haſt du denn mit der Lady geſprochen? kennt ſie dich? ſchenkt ſie dir ein beſſeres Almoſen? fragte Daniels beſter Freund.Nein, ich ſprach noch nie mit Lady Elmowd, ich ſprach ſie noch nie um eine Gabe an; aber ſie hat mich oft geſehen, ich be gegne ihr täglich und ſie kennt mich wohl.Was willſt du damit ſagen? Was ich damit ſagen will? Hört! Morgens oder Mittags, wenn mein Tag gang abgethan iſt, ſchleich ich nach Hauſe, werfe meine Bettlerkleidung ab und puze mich heraus wie der beſte Dandy. Mit meinen Sparpfennigen, mit mei nem Erhungerten hab' ich mir einen anſtändigen Anzug gekauft und ſagt, was Ihr wollt, ich weiß mich ſo gut zu benehmen, wie jeder Lord. Dann fühl ich mich, ich ſchäme mich, es zu ſagen, als ganzen Mann, ich bin kein bettlender Sklav von Irland mehr, ſondern was meine Vorfahren einſt waren, ein Lord. So gehe ich in Hyde- Park. Sie erſcheint, ich ſehe ſie und ſie mich; ich geüße ſie und fort bin ich; ſie lächelt wohl, wenn ich ihr nahe, vielleicht lacht ſie mich aus... immerhin, ich habe ſie doch geſehen und war glüklich, eine Minute lang! Ein halbes Jahr bereits treibe ich es ſo; ſchon ein halbes Jahr hindurch bin ich ein ſolcher Narr und nun ich zur Erkenntniß komme und von London fort will, wollt Ihr mir es wehren? Ich kann und mag nicht mehr bet teln, laßt mich gehen, weit hinaus in die Welt! Brüder lebt wohl!Du gehſt nicht! rief der Präſident mit feſter Stimme.Wer will mich hal ten, he?Ich und der St. Giles-Klubb!Und durch welche Macht, durch welches Recht und aus welchem Grunde?Morgen ſollſt du es erfah ren?Morgen? nun gut! Morgen komme ich zum lezten Male in den Klubb; aber mit Stok und Reiſeranzen.Du erſcheinſt!

Am folgenden Abende war die Verſammlung wieder eben ſo zahlreich, eben ſo geſpaunt und ſchweigſam, wie geſtern. Jeder wollte Daniel Robſart noch einmal ſehen; doch das war es nicht allein. Auf den markirten Geſichtern lag noch etwas Unruhiges, Ungeduldiges, Erwartungsvolles, das mehr als gewöhn⸗ liche Neugierde war. Als Daniel in den Saal trat, empfing ihn ein lautes Hurrah. Der Eintretende grüßte die Brüder wie ein Soldat, der zum lezten Male Kamaſchendienſt thut und morgen ins Feld zieht. Bald nach Daniel er ſchienen zwei, wahrſcheinlich auf geheimen Befehl in Lioreebedienten verwandelte Bettler, welche Lezteren auf das freundlichſte mit Mylord anredeten; noch ſechs andere dienſtbare Geiſter wurden ſichtbar, traten ebenfalls mit einer Ver beugung zu den RNeiſefertigen und erklärten, ſie ſeien in Lord Daniel Rob ſart's Dienſten. Bald kam auch ein Haushofmeiſter, übecreichte Daniel ein Portefeuille mit einer Anzahl Banknoten und ſagte:Mylord, von ihrem Ban quier, Mr. Samuel. Auch ein Wagen fuhr vor und dem Staunenden ward gemeldet:Mylords Wagen iſt bereit.Großer Gott, dachte Daniel Rob⸗ ſart,träum' ich oder wach' ich? Habe ich oder dieſe hier den Verſtand verlo ren? Was ſollen dieſe Bedienten, was die Banknoten, was Wagen und Pferde bedeuten? Wollen mich die Menſchen nur foppen? Wird hier ein Faſtnachts⸗ ſpiel aufgeführt? DasFaſtnachtsſpiel war bei weitem nicht zu Ende; denn als der Kammerdiener frogte, wohin Mylord zu fahren wünſcht, nahm der