Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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Sicherheit für die menſchliche Behand lung der griechiſchen Chriſten von der chriſtlichen griechiſchen Regierung! London. Daniel O'Connell iſt rüſtiger als je, u. ſeine Thätigkeit iſt wahrhaft ſtaunenswerth; er führt bei nahe täglich in Repealverſammlungen den Vorfiz. Am 3. d. M. hielt er, um⸗ geben von 40.000 Repealen, ſeinen Ein zug in Waterfort. Alle Läden waren an dieſemFeſt- und Feiertage ge ſchloſſen, die ſämmtlichen Gewerke durch zogen unter Muſik und mit wehenden Fahnen die Straßen, die Schiffe flogg ten und feuerten Salven ab. Eine ſei ner Haupt beſtrebungen geht dahin, die iriſche Gewerbſamkeit zu heben. Seit einigen Wochen trägt er nur einen Friesrok, und neulich zeigte er bei der großen Wochenverſammlung der Repea ler in der Kornbörſe zu Dublin meh rere Muſter irländiſchen Tuches vor. Den Zierbengeln, welchen daſſelbe nicht fein genug dünkte, ſezte er arg zu, und wandte ſich an den Patriotismus der auf den Gallerien ſizenden Frauen und Mädchen, welche er fragte, ob ſie einen ſchmuken Jungen nicht leiden möchten, wenn er einen Rok aus ſo honnettem einheimiſchen Stoffe träge? Er nannte denſelben Damentuch(La- dies cloth), und bemerkte, daß jezt in ganz Irland auch nicht ein einziger Sammtarbeiter brodlos ſei. Vom Da mentuche kam er dann auf Pfeifen und Tabake.Die Dubliner Pfeifenmacher, ſprach er, haben ſich bei mir beklagt, daß ſo viele holländiſche Pfeifen im Lan de verbraucht werden. Das iſt ſchänd lich. Ich ſelbſt habe zwar nie Tabak geraucht, aber ich habe vier Söhne, welche rauchen. Ich verſichere Euch, ſie ſollen nie wieder aus einer anderen als irländiſchen Pfeifen ſchmauchen. Mancher wird darüber lächeln, u. dieſe Dinge für geringfügig halten. Wir un ſererſeits ſind dagegen überzeugt, daß

alle dem ein mächtiger Gedanke zum Grunde liegt. Man denke nur an den Entſchluß der Nordamerikaner in den 70er Jahren, keinen Thee mehr zu trinken! Irland zählt jezt zwei Mil lionen Repealen.

Etwas von Allem. Ein Pa⸗ riſer Konditor iſt mit einer Art Ku⸗ chen, den er alspetite gateaux à la Lafarge anpreiſt, für Mad. Lafarge in die Schranken getreten. Er verſi chert, der Kuchen ſei genau nach dem Rezepte deſſen verfertigt, durch welchen Mad. Lafarge ihren Gatten vergiftet haben ſoll. Er ſchmeke ſehr gut und die feinſten Chemiker könnten keine Spur von Gift darin entdeken. In Dres- den hat, wie man hört, eine alte. Jung fer ihr fünfzigjährigesWohnungs-Ju⸗ biläum gefeiert, d. h. ſie lud ihre al⸗ ten Freundinen zu einem Thee mit Ge baknem ein, um den Tag feſtlich zu begehen, an welchem ſie vor fünfzig Jahren hier das Licht der Welt erblik te und es ſeit der Zeit ununterbrochen in dieſem Hauſe erblikte. Offenbar eine Satyre auf die Wuth, alle möglichen Arten von fünfzigjährigen Jubiläen zu feiern. Die deutſchen Komponiſten in Wien regen ſich ſehr. Von Reuling ward eine Oper gegeben:Alfred der Große; von Geiger(Klavierlehrer) wird eine erwartet:Wlaſta. Von Hovben ſoll ſpäter erſcheinen eine Oper: die Jungfrau von Orleans, von Deſ ſauer eine andere:Walladmor, von einem Herrn Natzer einThurm von Gothenburg. In England hat man amtlich nachgewieſen, daß die häufigen Fälle, daß Frauenzimmer daſelbſt an der Schwindſucht ſterben, und zwar durchſchnittlich jährlich 31,000, ihren Grund in dem Stubenleben und vor züglich im Tragen der engen Schnür leiber haben. Eltern u. Erzieher wer den hierauf aufmerkſam gemacht, und