Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
735
 
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Tage, weil ſie in ihm einen ſeltenen Verſtand, guten Willen und beiſpielloſe Aufopferungsfähigkeit ſchäzen und lieben mußten. Den Tag hindurch fiſchte Daniel in den Londoner Straßen nach Almoſen, Abends deklamirte er gegen England und Nachts ſuchte er ſich durch Leſen und Schreiben auf alle mögliche Weiſe klar zu werden und ſich zu unterrichten, um Irlands Sache beſſer führen und früher oder ſpäter dem unterdrükten Vaterlande als ganzer Mann dienen zu können.

um fo mehr mußte es den Mitgliedern des Vettlerklubbs auffallen und weh thun, daß Daniels Eifer plözlich und, wie es ſchien, ohne Grund und Urſache erſchlaffte; die Tage, wo ſeine Beredtſamkeit gegen die Ariſtokratie und den Adel, gegen die Reichen und gegen die Miniſter, kurz gegen ganz Altengland donnerte, waren dahin, eine totale Umwandlung ging mit ihm vor. Der ge wöhnliche Agitator in St. Giles beſtieg die Rednerbühne, welche, wie bei Fall⸗ ſtaff, aus einem leeren Faſſe beſtand, nicht mehr; die StichworteVaterland undUnterdrükung hörte er an, ohne, wie weiland, Feuer zu ſprühen, die ſmaragdene Inſel zu beklagen und den engliſchen Rothröken zu fluchen. Bald beſuchte er die Verſammlung auch immer unregelmäßiger, entſagte freiwillig dem Ehrenamte des Klubbſäkelmeiſters und gab vor, er müſſe verreiſen und die ver einigten drei Königreiche durchſtreifen. Wohl oder übel mußte der St. Giles Klubb al ſo den guten Vurſchen, welcher einſt ſeine Freude, der Stolz und ſei ne Zuverſicht war, aufgeben und beweinen. Das war ein harter Schlag für Pad in der Fremde. In den Statuten der achtbaren Aſſoziation hieß es aber ausdrüklich, daß kein Mitglied nach Irland zurükkehren oder ſich weiter als zwei Meilen von London entfernen oder der Lebensart und den Vortheilen der Geſellſchaft entſagen dürfe, ohne die beſtimmte Autoriſation des Bettler⸗ Klubbs! Dieſer Paragraph wurde nun auch auf Daniel Robſart in Anwendung gebracht und derſelbe aufgefordert, vor einem aus Vereinsmitgliedern niederge ſezten Ehrengerichte wegen ſeines auffallenden Benehmens Rechenſchaft abzulegen.

An dem Abende, wo die Angelegenheit zur Sprache kommen ſollte, war die Geſellſchaft zahlreicher und, wenn ich ſo ſagen darf, glänzender als je. Es han delte ſich ja um einen großen Aktus der diſtributiven Gerechtigkeit, noch mehr, es ließ ſich erwarten, daß man heute einmal wieder und vielleicht zum lezten Male, die Stimme eines wohlbekannten und ſehr geſchäzten Vereinsredners ver nehmen werde.

Der Gerichtsſaal war für dieſen Rechtsfall ſo würdig, wie es die Ver hält⸗ niſſe geſtatteten, aufgepuzt; die Mitglieder erſchienen in ihren beſten Lumpen, in ihren Sonntagsröken. In ſchweigender Erwartung bildeten die Klubbiſten im Saale einen Halbkreis und ſahen der Eröffnung der Sizung mit großer Spannung entgegen. Jezt wurde drei Mal laut an die Seitent hür, welche nur bei feierlichen Gelagen benuzt wurde, gepocht: der Präſident des Klubbs trat herein, und mit ihm die Beiſizer und Schreiber. In würdiger Haltung nahm der Vorſtand hinter dem bis jezt leer ſtehenden Tiſche vor dem Halbkreiſe der übrigen Mitglieder Plaz. Jezt ſtand die ganze Verſammlung auf, denn Daniel Robſart ward hereingeführt. Dieſer machte eine kurze Verbeugung und ſchritt mit trübem Lächeln zu der Tonne, welche bald als Rednerbühne, bald als ein⸗ facher Ehrenſiz diente.(Beſchluß folgt.)