Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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Söhne aus dem grünen Erin bildet dieſe Verbindung, vor welcher ich Reſpelkt zu haben bitte. Wenn ich behaupte, der Klubb von St. Giles ſei eine höͤchſt anſtändige und ehrenwerthe Aſſoziation, ſo kann mich nur derjenige auslachen, der nicht weiß, daß dieſer ſo gut, wie jeder andere Klubb ſeinen Präſidenten und ſeine Sekretäre hat, welche durch Stimmenmehrheit gewählt werden. Daß in einer ſo demokratiſchen Geſellſchaft allgemeines Wahlrecht herrſche, findet ſon der Zweifel jeder in der Ordnung; daß dieſes Recht aber höchſt anſtändig und würdig gehandhabt wird, kann eher in Frage geſtellt werden; und doch iſt dem ſo und nicht anders. Denn der St. Giles-Klubb hat auch Statuten, Polizeige ſeze und Einkünfte, welche leztere aus wöchentlichen Beiſteuern beſtehen, er hält regelmäßige Zuſammenkünfte und gibt Feſte, er hat beſtimmte Abende zur Auf nahme neuer Mitglieder und ordnet ſplendide Bankette an; noch mehr, der kelmeiſter dieſer wunderlichen Geſellſchaft ſendet vierteljährig eine Unterſtüzung nach Dublin, welche von den Mitgliedern des Londoner Bettlervereins für die armen Brüder im fernen unglüklichen Vaterlande zuſammen gebracht wird. Wer erkennt in dieſem Zuge nicht das gute Herz von Irland 2 wer kann nach jenen Merkmalen dem Vereine noch den Charakter eines Klubbs comme il faut ab⸗ läugnen?

Jeden Abend verſammeln ſich die St. Giles-Klubbiſten in dem gewöhnli chen Vereinslokale: hier wird getrunken, geraucht, geſchwazt, gelacht, kurz herz licher verkehrt, als in manchen geprieſenen Aſſembleen der Londoner, Pariſer, Wiener oder Frankfurter Ariſtokratie und Plutokratie. Die Unterhaltung un ſerer Ochlokraten fängt in der Regel bei perſönlichen Beziehungen und Privatin tereſſen an und hebt ſich nicht ſelten empor zu einer wirklichen politiſchen De batte, welche ſich um Irlands Vedrükung, Irlands Noth und Irlands Aufer ſtehung dreht, Themen, über welche Niemand aus Erfahrung beſſer als unſere Klubbiſten ſprechen kann. In ſolchen Momenten der Erhebung werden die Leute, welche ſonſt nur niedergeſchlagen dazuſtehen, die Hand zum Almoſen aus zuſtre ken, ſich zu demüthigen und zu klagen wiſſen, plözlich friſch, frei und froh, wie andere Menſchen, wie Männer, welche etwas gelten, weil ſie Geld haben. Bei dem Worte Vaterland ſchüttelt ſich Pad, wie ein aufſtehender Löwe, Toaſte werden laut, Toaſte, welche männlichen Muth und ſprühenden Patriotismus be kunden und plözlich tritt ein Redner auf, ein Dolmetſcher der Seufzer und Klagen, welcher in kernhafter Veredtſamkeit entwikelt, was Noth iſt und zeigt, was erwartet werden darf. Dann ſchweigen die Flüche und Verwünſchungen und über der Verzweiflung flattert die Hoffnung, wie Noahs weiße Taube, da die Sündfluth vorüber war. Lieder erſchallen dann im St. Giles-Klubb voll patrio tiſcher Zuverſicht und ſie feiern Erins arme Kinder und ſeine edlen Vertheidi ger. Die Blüthezeit des Klubbs fiel in das Jahr 1830, wo in der europäi ſchen Menſchheit ſich mancherlei regte, an welchem Mancher ſeine Freude fand und Mancher ſein großes Leid. In dieſer Zeit nun machte ſich ein junger Menſch, den ich ganz einfach Daniel Robſart nennen will, im St. Giles-Klubb durch patriotiſche Geſinnung, Egergie und Gewandtheit, Beredtſamkeit, Wiſſen und Geiſt bemerklich. Viel für einen Bettler! wird man ſagen; ſehr viel! gebe ich zur Antwort, frage jedoch, ob er werth wäre, der Held meiner Geſchichte zu ſein, wenn er nicht der Ausbund eines iriſchen Pads wäre? Genug, ſein Einfluß auf ſeine Kameraden, Freunde und Schikſalsbrüder wuchs mit jedem