Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
731
 
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ſter Hofmann einen ſehr ſkandalöſen Bankerott gemacht. Sein Paſſioſtand beträgt über eine halbe Million Gul den, und ſelbſt milde Stiftungen lei den darunter. In franzöſiſchen Blät tern wird ein noch ungedrukter Roman Walter Scotts:Allan Cameran, an gekündigt. In London ſtirbt in je dem Jahre 1 Menſch von 44 Menſchen; in Neapel 1 von 28; in Wien 1 von 22(2); in Paris 1 von 36; in Brüſ ſel 1 von 29; in Genf 1 von 43; in Rom 1 von 24; in Amſterdam 1 von 25. Das Dampfboot kündigt Delle. Schebeſt fol gendermaſſen an:Die Er ſcheinung des Fräul. Schebeſt als Ro meo iſt eine in der Geſchichte der dra matiſchen Kunſt Epoche machende. Sie weiß Shakſpeare's Intentionen in die ſem Opern-Romeo zu verwirklichen, ſie iſt Sängerinen, jugendlichen Liebhabern und bildenden Künſtlern zum Vorbil de geworden. Von leztern iſt ſie 100 Mal in verſchiedenen Stellungen als Romeo gezeichnet worden. Um ſo mehr muß es alle Kenner und Freunde der Kunſt hier freuen, daß die Meiſterin uns morgen dieſes hohe Kunſtbild vor führt. Ein Dieb wurde im Zucht hauſe vom Reviſor gefragt: weßwegen er hier ſei. Der ſehr gebildete Dieb antwortete:Ich bin nur hier, weil mich Mutter Natur mit einem zu ſehr um ſich greifenden Faſſun gsvermögen ausgeſtattet hat. Diegeweſene Leib wäſcherin am königl. griechiſchen Hofe waſcht in München jezt am Türkengra ben in eigener Behauſung nach griechi ſcher Art, was es nur immer iſt. Die Verfaſſerin derAgnes von Lilien, Schillers Schwägerin, Caroline v. Wol⸗ zogen, lebt in Jena. Sie hat kürzlich wieder einen RomanCordelia her ausgegeben.

Lokal-Zeitung.

Theatrallſches. Eine neue Lokal- poſſe:die Wiener Stubenmädchen von C.

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Haffner, am 8. d. in Peſth gegeben, gehört zur Legion jener Wiener Produkte, die nur in dieſer Hinſicht poſſeen genannt zu wer⸗ den verdienen, weil dem getäuſchten Publi kum ein Poſſen damit geſpielt wird. Eine anmuthige Novelle von Paul de Cock:der Ball der Griſetten«, hat Hr. H. hier in das Wienerſtubenmädleriſche übertragen, und das Uebrige mit den eigenen Gebilden ſeiner mat ten Phantaſie ausgeſchmükt. Die originellſte Idee des Stütes iſt, daß ein Vater, um ſeinen verſchwenderiſchen Sohn zu beſſern, denſelben zu einem Schuſter in die Lehre gibt; wahrlich eine ſonderbare Beſſerungsanſtalt! Wir würden dem Verfaſſer dieſes Stük's, obwohl wir bei ſeinen Geiſtedprodukten keine Verſchwendung irgend eines werthvollen Gu tes bemerkten, dennoch rathen, zu einem Schuſter in die Lehre zu gehen, er würde da bei viel gewinnen; ſeine Arbeiten wür⸗ den dann anziehend werden, und er da mit glänzend auftreten können; das Publikum würde mit ſeinen Lei ſt ungen zufrieden, und ein guter A bſaz gewiß ſein. Wir müſſen geſtehen, daß wir gleiche Schikſale mit ſeinem verſchwenderi ſchen Sohne und neugebakenen Schuſterbu ben in dieſem Stüke hatten, nämlich wir ſuchten gleich ihm die Gelegenheit zum Da vonlaufen, und die Erſcheinung der rei zenden Schuſters-Tochter bewog auch uns zum Bleiben. Wiz iſt in dem Stüke ſpärlich ausgeſäet; nur einige Späße erregten La⸗ chen. Blos die draſtiſche Komik des Herrn Rott(Pflaſterwann), ſo wie des Hrn. Gäde Querſidel) und das anmutbige Spiel der Dem. Calllano rettete das Stük vom gänz lichen untergange. Joſ. Sdr. Hr. Sontheim nahm am 9. d. M. als Sever inNorma von uns Abſchied. Dics war vielleicht die beſte Parthie des jun gen Gaſtes. Sein Vortrag verrieth Geiſt und Ausdruk und er wußte ſeine ſchönen, kräfti gen Mittel gehörig geltend zu machen. Am gelungenſten war das Duett mit Adalgiſa, worin Innigkeit und Gemüth ſo wohlthuend zum Herzen ſprachen. Schwächer war der zweite Akt. Dem. Vlal war Norma; eine hier ſchon bekannte Leiſtung. Die Sängerin hat auf ihre unübertreffliche Vorgängerin, die keinen Moment hatte, der nicht großar⸗ tig aufgefaßt war, einen ſehr ſchwierigen Stand. Dem. Vial iſt indeſſen als Norma, hinſichtlich der Stimme, nicht ohne Verdienſt;