Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
732
 
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aber es fehlt ihr jenes geiſtige Erfaſſen, jene tragiſche Erhebung, die Poeſie des Ausdrukes, die brillanten Geſangsformen, und vor Allem jene unverwüſtliche Ausdauer, die wir ſo ſehr an der Carl bewunderten. Das Beſte war die erſte Arie, in der Folge ging es aber ab wärts und am Schluſſe war der Eindruk ver wiſcht. Mad. Lehmann iſt eine ſehr gute Adalgiſa, und Herr Hieſch ſang brav den Oroviſt. M.

Benefiz.(Ofen.) Zum Vortheil der beliebten Schauſpielerin, Demoiſ. Ja vi 5 wird Sonnabend, den 14. d. M., zum erſten Male, das in Peſth ſehr belfällig aufgenom mene Schauſpiel:Gabriele de Bel leisle gegeben.

Kaſino⸗Kaffehaus. Der Artikel Kaffe häuſer bietet in Peſth faſt unerſchöpfli chen Stoff dar und iſt von beſonderer Bedeu tung. Keine Stadt von gleicher Dimenſion und Bevölkerung dürfte ſo viele, ſo elegant aus geſtattete und ſo grandloſe Kaffehäuſer wie Peſth haben. Viele ſind der Thellnahme werth, die ſie erhalten und auch der öffent lichen Würdigung. Zu den allervorzüglichſten gehört unſtreitig das erſt vor einem Jahre ganz neu reſtaurirte im Kaſino. Hr. Dalmer übernahm es damals, unter deſſen Leitung es einen großen Aufſchwung erhielt. Hr. Dal mer verſteht ſein Geſchäft u. es muß ihm zum Lobe nachgeſagt werden, daß er zu der neulich beabſichtigten Preiserhöhung des Kaffe's ſelne Zuſtimmung verweigerte, was den ganzen Plan vereitelte; wieder ein Beweis, daß

er ſein Geſchäft verſtebt. uebrigens hat ſeine Lokalität die angenehmſte Lage in Peſth, ſei ne Getränke werden gelobt, ſeine Zeitungen und Journale ſind zahlreich und vorzüglich iſt hler zu bemerken, daß von der geleſenſten aller Zeltungen, der Augsburger Allgemei nen mehrere Exemplare vorhanden ſind; für das künftige Jahr werden ſogar noch mehr verſprochen. Auch wird im kunftigen Jahre eine englüſche Zeitung gebal ten werden, was bet der täglich zunehmen den Verbreitung der engliſchen Sprache und ber Anweſenheit ſo vieler Engländer in Peſth, nur ſehr willkommen ſein dürfte.

Von Miesbachs Ziegelei. Das eben ſo trefflich eingerichtete ald großartige Ziegel-Etabliſſement des Hrn. Alois v. Mies bach bei Peſth iſt zu bekannt, als daß wir hier etwas Näheres darüber mittheilen ſollten; man weiß, daß es in Turopa an Extenſion die zweite Stelle einnimmt, indem es nur von jenem in Wien, ebenfalls Hen. v. Miesbach angehörend, in dieſer Hinſicht überbeten wird. Se. k. k. Hoheit der durchlauchtigſte Herr Erzherzog Palatin, Höchſtdeſſen väterliche Für ſorge auch uber alle induſtriellen Unterneh mungen im Vaterlande ſo erſprieslich waltet, beglükte am 3. d. M. dieſe preiswürdige An ſtalt ganz unvermuthet mit Höchſtſeinem Be ſuche. Nachdem S. k. k. Hoheit das grandtoſe Werk in allen ſeinen Zweigen in Augenſchein nahmen, ſprachen Höchſtdieſelben Ihre volle Befriedigung über die Arrangements und die ämſige Geſchäftlichteit auf das Schmeichelhaf teſte aus.

Genrebil d. Ur o. 6.

Pariſer Gerichtsſzene. Wir ſehen hier das Bureau eines Polizeikommiſſärs. Ein alter Mann, des Bettelns angeklagt, wird von einem Sergeanten vorgeführt, und es ergibt ſich eine charakteriſtiſche Szene. Die drei hier handelnden Perſonen: den Sergeanten mit der Häſchermiene, das Gemiſch von Schlauheit und Einfältigtelt in der Phyſiognomie des Bett lers, das Strenge und Inquiſitoriſche in dem Geſichte des Polizeikomiſſärs hat der Künſtler meiſterlich ausgedrütt und beinahe vernehmen wir die Hauptperſon, den Bettler(ein herr licher Kopf) folgendermaſſen ſich vertheldigen:O, glauben Sie nicht dieſem ungeſchlachten Sergeanten.... Ich bin ein Veteran der Veteranen; ich habe meine Außen auf dem Altare des Vaterlandes geopfert; eine Kugel raubte ſie mir bei Auſterlitz... Ja, mein Herr Kommiſſarlus, ich din kein Vagabund; ich bin ein Tapferer und leider blind. Ich ſchwöre es Ihnen, es iſt ſo wahr, als Sie da das Band der Ehrenlegion an Ihrem Knopf loch tragen. Wir ſehen ſelbſt dem ernſten Geſichte des Kommiſſärs ein leiſes Lächeln über dleſe Naivität entſchweben.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen