Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
726
 
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tugendhafte Helden gebären und erziehen wird. Oder willſt du vielleicht, daß die Welt den im Kampf ergrauten Krieger verſpotte, der aus Furcht vor dem Tode feigherzig entfloh?... Nein, dich beſeelt gewiß ein viel edlereß und höheres Gefühl, als daß du ſo etwas von deinem alten Vater verlangen könnteſt. Du mußt leben und Zeuge ſein, welches Kind der des Hochverrathes beſchuldigte Garcia dieſem elenden Vaterlande erzogen. Nimm meinen Segen und mit ihm dieſe heiße, leztee Umarmung, und entferne dich von dieſem traurigen Orte, bevor ich zu leben aufgehört. Pater Marco! dir vertraue ich dieſes theuerſte Kleinod meiner Seele, bewahr' es, wie das Licht deiner Augen und ſei ihm Vater, wenn ich nicht mehr bin. Gott mit Euch, guter Freund, liebe Toch ter!Nein, nein, Vater, ich verlaſſe dich nicht, ſagt Elvira ihm zu Füßen ſtürzend.Keine Macht und keine Gewalt der Erde bringt mich von hin nen: der Tod ſoll uns beiſammen finden. Wähle, Vater! entweder du lieferſt deinen Feinden ein doppeltes Opfer aus, oder du erhältſt zwei Leben!Wie ſo denn?Erſt deines, und dann das von deiner Tochter. Oder glaubſt du, daß Moroto, wenn er erfährt, daß man Elvira zum Tode führt, fähig wäre, ſeine Rache im Frauenblute abzukühlen? und wird Diego, der mich zu dir begleitete, ſich nicht beeilen, ſeine Geliebte, deren Entſchluß ihm kein Ge heimniß iſt, zu befreien?... Ach, gib den Bitten deiner Tochter und dem Flehen des durch ſie ſprechenden Vaterlandes nach und rette dein Allen theures Leben. Vereinige deine Vitte mit der meinjgen, Pater Marco! vielleicht ge lingt es dir beſſer, als der ohnmächtigen Jungfrau, ſein Herz zu erweichen. Und Garcia konnte den vereinten Bitten ſeiner Tochter und Pater Mar cos nicht länger widerſtehen. Er zog die Kutte an und verließ, nachdem er ſeine heldenmüthige Tochter noch einmal inbrünſtig umarmte, in Pater Marco's VBe gleitung den Kerker, und als es zu dämmerm begann, Eſtella's Marken.

VIII.

Graue Wolken umzogen den Horizont von Eſtella, und der dicht fallende Reif verdunkelte noch mehr den ſchwachen Schein, der bereits hochſtehenden Sonne. Es ſchien, als ob die Natur über jenen entſezlichen Auftritt, deſſen die Stadt früh Morgens Zeuge war, einen Schleier breiten wollte.

Diego verfolgte mit großer Eile ſeinen Weg nach der Stadt; aber die Mattigkeit, welche die natürliche Folge des durch angeſtrengte Mühen entkräf⸗ teten Körpers, und der unter der Laſt ſich mächtig bekämpfender Leidenſchaften gebeugten Seele war, hinderte ihn öfters an ſeiner Blizesſchnelle. Und nur, als er von den ihm entgegen Kommenden erfuhr, daß das Bluturtheil bereits vollzogen, kam er wieder allmälig zu ſich, und drükte ſeine Sporen tie ſer in die Weichen des ermüdeten Falben. Vald darauf befand er ſich im Fried⸗ hofe, der die Kirche von Eſtella umgab.Lebt Garcia noch? fragte er den Offizier, der gerade mit der Beerdigung der Erſchoſſenen beſchäftigt war. Der Offizier zeigte ſtumm auf ein Grab, in welches die kalten Ueberreſte von einem der Verurtheilten gelegt wurden. Ein Ordensbruder, der neben dem friſchen Grabeshügel Pfſalmen las, hörte Diego's Frage und ſagte kaum vernehmlich: Garcia iſt in Sicherheit, ihn wird der tapfere Arm des Grafen von Morella beſchüzen... hier... ruht... ſeine Tochter!...Elvira! ſchrie Diego mit ſtarrem Entſezen, und ſtürzte auf das Grab.