Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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Preiſen und einer zuvorkommenden Be gegnung in den Bureaux und auf den Booten entgegen. Ein Referent über die Dresdener Kunſtausſtellung ſagt von Wach's gemalterJudith unter An⸗ derem:Ich geſtehe, daß ich dieſe Grauſame ſo ſchön finde, daß man durch ſie den Kopf, auch ohne Schwerdtſtreich, verlieren kann. Die Variſer beſpot ten die Vefeſtigung von Paris auf ma nigfache Weiſe. So geben ſie denn auch bei Anzeigen, die Wohnungs-Vermie thungen betreffen, jezt öfter den Nachſaz: Es ſind zugleich Keller dabei, welche vor Bomben ſchü zen. Der Inſtrumenten macher Hr. Schwab aus Peſth gab in Wien ein Federſaiten-Pianoforte-Kon zert, das heißt, er ließ Andere auf ſeinen erfundenenFederſalten-Piano ſpielen. Er ſcheint keine ſonderlichen Pro greſſe damit gemacht zu haben. Das Privatvermögen des Königs Wilhelm J. der Niederlande wird auf mehr als 168 Mill. Franks geſchäzt. Frl. Hen⸗ riette Carl gab am 1. d. im Kärn⸗ thnerthortheater die Donna Anna, in Don Juan mit ſehr glänzendem Er folge. Sie erhielt großen anhaltenden Beifall und ward nach der große Arie ent huſiaſtiſch gerufen. Ein Wiener Blatt, der Wanderer, ſagt am Schluſſe ſei nes höchſt günſtigen Referates:Norma und Donna Anna geben gerade durch ihre divergirende Richtung einen um

ſo beſſern Maaßſtab für das Kunſtver mögen einer Sängerin, die jede dieſer Rollen mit gleicher Vollkommen⸗ heit durchführte.

Lokal-Zeitung. Neues für die Modewelt.

Korallen! Korallen! iſt jezt die Loſung, die die Göttin Mode ihren Lieblingen zuruft, und die von einem Ende Europas bis zum andern wiedertönt. Ohne Koralle kein Kaffetlſchtritſchtratſch, ohne Ko ralle kein Liebestechtelmechtel, ohne Koralle keine zufriedene Ehe. Nach der Mythe der

Südſeeinſulaner bedeutet die Koralle beglükte Liebe und Sehnſucht, und wenn ein Lion dieſer Hemisphäre ſeiner Schönen einen Ko rallenzweig ſpendet, ſo ſoll ſie im brennenden Roth derſelben ſeine heiße Flamme erkennen. Aber ach! Korallen ſind jezt nicht Jeder manns Börſe zugänglich, und die Stadt, von der der Neapolitaner ſagt:ſie ſehen, und dann ſterben, kann den ihr zugehenden Be ſtellungen nicht genügen, ich möchte daher mit Richard audrufen:Eine Koralle, eine Ko ralle mir! Ein Königreich für eine Koralle! Theatrallſches.Die Söhne des Dogen, Schauſp. in 5 Akten von Reinhold, heißt eine Novität, die am 3. d. im deutſchen Theater gegeben wurde. Venedig, jenes ſchau erliche Drama in der Geſchichte des Mittel- alters, Venedig mit ſeinen Dogen u. Nobili, Masken und Gondeln iſt der Tummelplaz, wo ſich dieſes Schauſpiel bewegt. Die Hel den des Stütes ſind zwei feindliche Brüder, welche beide von einem weiblichen Gegenſtan⸗ de in Flammen geratbhen, wovon jedoch der ältere, Cäſar, ſeit Jahren ſchon mit ihr ver mählt iſt. Die ziemlich blühende Sprache die ſes Stükes beurkundet in dem Verſaſſer eini- ges poetiſches Talent, jedoch, was die Hand lung anbelangt, iſt ſie zu bunt durcheinander gewürfelt, und eine Anhäufung von Unwahr⸗ ſcheinlichteiten und Mängel an Charakteriſtik darin zu fühlbar, als daß ſie unſern Bei fall erregen konnte. Mad. Kalis-Padjera, die Krone dieſes Abends, gab die ſchwärme riſch-liebende Gattin, ſo wie die zärtliche Mutter mit einer Fülle von Glut und Phan taſie, daß das Publikum zu lautem Beifall hingeriſſen wurde. Hr. Berg, der Benefiziant, hatte in ſeiner kleinen Rolle zu wenig Gele genheit, ſein vielſeltiges Talent zu zeigen. Hr. Dietrich(Cäſar) ſplelte heute, wie immer, ausgezeichnet gut. Zu einem günſtigen En⸗ ſemble wirkten beſonders die H. H. Kalis, Poſinger, Rott, ſo wie die kleine herzige Thereſe Kalis mit. Joſ. Sdr.

Am 4. d. trat Herr Veſzter Szandor im Nationaltheater als uilaki imZriny auf und hatte Gelegenheit, in einer neuen Sphäre ſein vielſeitiges Genie zu zeigen; be⸗ ſonders in der Sterbeßene im 3. Akte war Hr. Veſzter ausgezeichnet, und ſeine reine Ausſprache, ſo wie ſein jungendliches Feuer und richtige Deklamatlon zeigten uns in ihm den gewandten Bühnenkünſtler. Wir glau⸗