Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
724
 
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ben, daß das Konverſationsfach das eigent liche Terrain iſt, wo Hr. Veſzter Gelegen heit haben wird, ſein Talent zu entfalten, und wir hoffen, da Hr. Veſzter noch elnige Zeit bei uns zu verweilen gedenkt, ihn noch mehrmals bewundern zu können. Joſ. Sdr.

Am 3. d. hatten wir wieder eine Oper auf der deutſchen Bühne. Es ward Bellinis lieblicheNachtwandlerin gegeben, worin Hr. Sontheim den Elvino als Gaſt gab. Die Oper ging beſſer, als man erwartete; Herr Sontheim ſang mit Ausdruk, Gefühl u. ſchö ner, biegſamer Stimme. Dem. Vial(Amina) wußte ebenfalls günſtig zu wirken; ſie führte einige glütliche Rouladen durch; nur wäre ihr noch mehr Flexibilität und Leichtigkeit zu wünſchen. Hr. Hirſch war als Graf verdlenſt lich. Es gab Beifall.

Auf dem Ofner Theater gab man am 3. d. zum erſten Male:Blocks Todtengrufté, telodrama mit Geſang in 4 Akten von dem Verfaſſer derRaubſchüzen«, Muſik v. Ka pellmeiſter W. L. Görgl. Der Verfaſſer des Raubſchüzen hat ſich mit dieſem Werke keine friſchen Lorbeeren in ſeinen Dichter kranz gewunden. Wir wiſſen nicht, in wie ferne ihm derRaubſchüze Ehre und Ruhm brachte, aber gewiß iſt es, daß es beſſer geweſen wäre, wenn er die Todtengruft Blocks in den todten Räumen der Verweſung gelaſ ſen hätte, als ſie mit Gepränge dem Publi kum zue Schau zu ſtellen. Uebrigens ſoll es ſchon eine alte Geſchichte ſein. Neu iſt aber und ſehr verdienſtlich die Muſik des Hrn. Ka pelmeiſters Görgl, die einer weit beſſern Un terlage werth geweſen wäre. Sie iſt durch aus gut gehalten und voll Charakter. Sehr effektvoll iſt der Chor der Geiſter mit Be gleitung der Phisharmonita und des Orche ſters, gewählt ſind die melodramatiſchen Stel len, ſo wie die Soli in den Zwiſchenakten recht artig ſind. Die neuen Dekoration en machten ſich gut. M.

Hotelzum Tiger. Wir haben im vorigen Blatte über dieſes prachtvolle neue Etabliſſement geſprochen und dabei nach dem erſten Eindrute geurtheilt. Wir ſind nun nach näherer Prüfung auch im Stande, über das Innere des Hauſes einige Worte hier mitzu thellen. So großartig und verſchwenderiſch luxuriös dle Ausſtattung in allen Theilen auch

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zu nennen iſt, ſo laſſen die Bequemlichteit, die ſinnigen Arrangements, die Situation der Korridors, der Gänge, Vorzimmer u. ſ. w. keinen Wunſch zurük. Bei dem Allen ſoll man ja nicht glauben, daß dadurch die Preiſe in dieſem Hauſe zu hoch geſpannt wären; im Gegentheil, wir fanden ſie ſo billig und faſt billiger als in einem mittelmäßigen Gaſthofe. Der Pachter Hr. Hayder ſorgt ſtreng darauf, daß kein Gaſt, weß Standes und Charak. ters er auch immer ſein möge, im gering ſten überhalten werde, ſei es in den Extra zimmern(die überraſchend billig ſind) oder in den Speiſezimmern. Rebſtbei ſind die Spei ſen, die von trefflichen Köchen beſorgt wer den, ausgezeichnet gut und die Speiſctarlſfe ungemein niedrig geſtellt. Derſelbe Fall iſt bei den Getränken. Die Weine ſind ächt und im Preiſe nicht übertrieben. Die Bedienung iſt im ganzen Hauſe ſehr exakt u. zuvorkom mend. Das eben ſo geſchmakvoll als elegant eingerichtete Kaffehaus bietet einen ſchönen Anblit dar u. überdies Alles, was man heut zutage von einer ſolchen Anſtalt nur fordern kann. Guter Kaffe, treffliches Eis, eine un zahl Zeitungen, freundliches Kaffeſieder-Ehe paar, herrliche Billards, geſchäftige Mar queurs müſſen gewiß jedes Publikum zufrie den ſtellen. Kurz, das Hotelzum Ti ger iſt eine Anſtalt, worin man bei höoͤch ſter Eleganz recht komfortabel und auf fa l⸗ lend billig leben kann.

Der Peſther Kunſtverein wird in ſeiner, den 8. Novemb. l. J., um 9 Uher Vormittag, im Saale des l. Natlonal-Kaſi nos, abzuhaltenden allgemeinen Verſammlung, ſich mit folgenden Verhandlungen beſchäftigen: a) Wahl des leitenden Ausſchuſſes, des Se kretärs u. Kaſſier's für das folgende Jahr. b) Kaſſenbericht für 1839 u. 1840.) Re⸗ form der Vereinsſtatuten wozu die p. t. Aktionäre hiermit höflichſt eingeladen werden.

Peſth, den 30. Okt. 1840.

Ladislaus Szalay, Vereins⸗Sekretär.

Modenbild. Uro. 46.

Paris, 26. Okt. 1. Blondbonnet. Kleid von gothiſchem Seidenſtoff(soie gothique). 2. Blondbonnct. Neueſter Mantel.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.