Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
710
 
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welche zu ertragen, ich nicht genug Kraft in mir fühle... Ach Elvira! inmit ten meiner unſäglichen Leiden dringt noch der ſchwache Strahl einer beſeligen den Hoffnung in meine Bruſt, wovon ich mich wunderbar erleichtert fühle. Garcia wird leben, Maroto wird meinen Bitten nachgeben, der Oheim wird ſeinem Neffen glauben, daß Elvirens Vater unſchuldig iſt. Ich trenne mich von dir, weil du es befiehlſt; aber ſobald der Abend graut, eile ich nach Eſtella zu den Füßen meines Oheims.Und zu Elvirens Grabe!... Gott mit dir! Nein, Elvira! entweder leben, oder ſterben mit dir!Sterben für meinen unſchuldigen Vater. Ja, mein kindliches Herz ſagt es mir, daß mein Vater unſchuldig iſt, und er und du Diego, Ihr müßt leben. Ihr gehört dem Va terlande und ſeinem Fürſten: glaube mir, Diego, ich könnte dir über mein Grab noch zürnen, wenn dich deine Liebe zum Feigling machen würde, wenn du dein Leben dem Vaterlande entziehen wollteſt, das jezt mehr als ſonſt ſeiner Söhne bedarf. Du und mein Vater ſoll't leben; ich werde das Sühnopfer ſein, welches gleichfalls des Vaterlandes Sache zu bedingen ſcheint. Das Leben eines Frauenzimmers iſt für das Wohl des Vaterlandes ein geringer Preis, wenn es damit für daſſelbe einen Vater und einen Helden erhalten kann.

Und nun ließ ſie den Zägel freier, und ſchnell wie der Bliz ſtand ſie bald darauf unter Eſtella's Baſtionen. Diego folgte ihr überall nach, und als Beide beim Thore anlangten, öffneten ſich auf die Parole:Don Carlos y Maroto! deſſen unförmliche eichene Flügel.Gott mit dir, Diego!Morgen ſehen wir uns!Bei meinem Vater... oder... dort oben. Noch ein aus⸗ druksvoller Blik, ein Händedruk, und Elvira war in Eſtella's Mauern.

VI.

Diego, Maroto's Bruderſohn, der, während der Abweſenheit ſeines Oheims aus Spanien, zumeiſt unter Garcia's Oberbefehl im Felde diente, fand öfters Gelegenheit, Elviren zu ſehen, woraus erſt Anbetung und ſpäter die heißeſte Liebe entſtand, die von der herrlichen Jungfrau, mit Zuſtimmung ihres Vaters, aus dem tiefſten Grunde ihres Herzens erwidert wurde. Später, als Maroto die Oberherrſchaft im Carlos'ſchen Lager übernahm, hielt ſich Diego, auf deſſen Befehl, größtentheils am Hofe des Fürſten auf.

(Fortſezung folgt.)

Das dramatiſche Thierreich.

Der Anfang der Thierſprache verliert ſich in das Dunkel des Alterthums. Wir können ſie bei allen Völkern finden, bei dem Griechen Aeſop, dem Araber Lokmann, dem Indier Pilpai und dem Lateiner Phädrus. Das liebe Vieh, ein Mal an's Plaudern gewöhnt, ſchwazte auch in ſpäterer Zeit noch immer an muthig und lehrreich: das franzöſiſche unter der Regierung Lafontaine's und das deutſche unter unſern lieben Vätern Gellert und Gleim. Heutzutage ſind wir nun toleranter geworden. Zwar ſtopften wir Anfangs den Thieren den Mund und ließen ſie aus den Fabeln, die wir nicht mehr zu machen verſtehen, als ſtumme Diener in die Theaterſtüke, die wir nicht vorzüglich machen, über