gehen, aber es fehlt nicht mehr viel, ſo ſpielen ſie die erſte Rolle auf der Bühne und folglich im Leben. Schüchtern, wie es jedem Debutanten zukömmt, führ⸗ ten ſie ſich doch mit überraſchender Intelligenz ein. Wir haben ja Alle mit dem gelehrten Munito, den ſein Führer koͤnigl. baieriſchen Profeſſor nennt, Domino geſpielt und die Grazie bewundert, womkt die Bären ihre Menuett tanzen. Wir haben Schreier's Affen geſehen, wie ſie in Artillerie-Uniform die Zitadelle von Antwerpen erſtürmten und mit gravitätiſchem Ernſt einen Deſerteur erſchoſſen. Wir haben ſogar Flöhe bewundert, die militäriſche Evolutionen ausführten oder einen kleinen Hirſchkäfer im Triumphwagen aus Kartenpapier majeſtätiſch dahin zogen. Das ſind etwa, um nicht bis zur Sündfluth hinaufzugehen, die hervor ſpeingendſten Züge aus der erſten Periode der Civiliſation der außertheatrali ſchen Thieſe Auf der Szene ſelbſt wurde zuerſt der Hund des Aubry der Held eines famözſen Drama's und die di ebiſche Elſt er der Typus aller Schlechtigkeit Ich erinnere mich keiner dritten Rolle, die ſchwärzere Verbrechen aus geübt hätte, als dieſe ſtrafbare Elſter. Ich will hier die Hausthiere und ſon ſtige unvernünftige Geſchöpfe, namentlich die großen Eſel und die kleinen Gäns⸗ chen und all das flüchtige Get hier übergehen, welche ſich in der dramatiſchen Carriere verſuchten; viele dieſer illuſtern Künſtler ſind ja auch ſo bekannt, daß es ein Verbrechen wäre, ſie nur zu nennen, genug, ſobald der unſterbliche Hund des Aubry und die ewige Elſter ein Monopol auf den Applaus genommen hat⸗ ten, überzeugten ſich die dramatiſchen Künſtler(die zweibeinigen nämlich), daß ſie zu nichts mehr nüze wären; glüklicherweiſe aber blieb ihnen noch ſo viel Ver⸗ ſtand, um zu begreifen, daß ſie am beſten thun würden, die Thiere nachzuah men, und nun bewunderten wir den Bär und Baſſa, die Ochſenmenuett, die in eine Kaze verwandelte Frau, Joko den braſtlianiſchen Affen und ähnliche in tereſſante Erſcheinungen.

Zum Glük für die dramatiſche Menſchheit trat dann ein langer Stillſtand in die geiſtige Emanzipation des Viehes, mehrere Jahre verfloſſen, ehe die Lö⸗ wen, Tiger, Hyänen, Boa's und Papageien aus Martin's Menagerie den Thie ren die dramatiſche Laufbahn wieder eröffneten, aber von nun an ging es auch Schlag auf Schlag. Francont's Löwen von Myſore und Tourniaire's Kiouny und Djeck(der Arme, der ſeitdem von der Republik Venedig bombardirt wor den iſt), waren die Könige der Bühne, wie ſie die Könige der Thiere ſind. Wie in allen Dingen der Fortbildung, der Neuerungen und Erfindungen, ſo hat auch hier Frankreich in neueſter Zeit uns den Rang abgewonnen, den wir ſchon in einiger Eigenthümlichkeit zu behaupten meinen. Da glänzen in zweiter Linie das bronzene Pferd, die Schlange von Altargull und die in der Andrea, die Ente in Sainte Barthelemy und die im Briefträger, die Taube in Latude und viele andere, die zum Theil ſchon mit Glük in die deutſche Sprache einge weiht wurden. Vor einigen Jahren wurde in Paris ein Drama gegeben:die Hunde vom St. Bernhard, in welchem dieſe Edeln, troz der Hundstage und Schneelavinen, die menſchenfreundlichſten Handlungen begehen und Menſchen dem Tode entreißen, die ihnen vielleicht nachher vergiſtete Fleiſchpaſtetchen zu freſſen geben, wenn die Quadrupeden den meiſten Applaus im Stüke gehabt haben. Man kennt ja die Eiferſucht unter den Künſtlern! Van Amburgh bringt eine ganze Menagerie auf die Bühne. Viele ähnliche Werke ſollen gegenwärtig zum Studiam bereit liegen, leider aber einige derdenkenden Thierquäler ihre