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in Wien ſchon lange kein Gaſt ſo vie— le Senſation gemacht hat.— In Pa— ris iſt eine Seeräuberei auf Aktien eröffnet worden. Ihre Firma iſt„So- ciété Nationale des Corsaires ſran-— cais, Eduarde Corbiere et Co.“— In Preßburg gab die Seiltänzer-Fa— milie Knie Vorſtellungen. Auf dem An— ſchlagzettel war zu leſen:„Wenn Kinder unter zehn Jahren mit Familie kommen, zahlen ſie die Hälfte.“ Kinder un⸗ ter e hn ᷣ ent e milie! Kurios!— Aus Stuttgart ſchreibt man: Troz des großen Kriegs— geſchrei's leben wir hier im tiefſten Frieden. Handel u. Wandel gehen ih— re gewohnte Bahn, die Staatspapiere ſinken nicht. Das Theater iſt noch im— mer die Hauptſache, und unſere werthe Direktion ſorgt in dieſer Hinſicht gar vortrefflich für uns, denn ſie hat in neueſter Zeit abermals einen großen Sän- ger, Rauſcher genannt, akquirirt, der an— Alter mit ſehr vielen Tenoriſten konkuriren kann.— Galiguanis Meſ— ſenger ſagt, die berühmte Schauſpiele— rin Rachel werde einen Herrn Mayer heirathen, der in St. Etienne das ehr— ſame Handwerk eines Schneiders ausübt. — Der Chariwari ſagt:„Unſere gro— ßen Schauſpieler kehren alle nach Pa— ris zurük Oudry, Arnold, Bouffe de,
ſind bereits hier. Nur die Deputirten fehlen noch.— In Wien haben ſich die Stearin- mit den Apollo-kerzen vereinigt. Dieſe kombinirte Macht will nun den Myllykerzen trozen. Leztere werden aber immer die Verbündeten verdunkeln — Zwei Frauenzimmer begegneten in einer Straße einem Mohren.„Du,“ ſagte eine zur Andern,„das iſt ein Ne⸗ ger.“—„Ja richtig,“ antwortete die Andere,„man ſiehts ihm gleich an.“ — Im Canton Neuenburg beſchäftigt allein die Uhrmacherei mittelbar und unmittelbar 20,000 Menſchen. Jährlich werden gegen 120,000 Uhren, darunter 35,000 goldene, im Geſammtwerthe von 7,000,000 ſchweiz. Franken, verkauft und beſonders viele gehen nach Nord—
amerika,
Lokal-Zeitung.
Theatraliſchſes. Daß man ſich auf der Peſther deutſchen Bühne jezt ſchon an die Oper„Othello“ wagte, jezt ſchon, wo noch das allgewaltige„Morrò ma vendicato““ Roppas; das tief ergreifende anima vacilla e geme“e der Carl, ſo wie das unbeſchreiblich erſchütternde„Se il pa- dre m'abbandonna“ derſelben unvergeßlichen Sängerin uns ſo lebhaft im Andenken iſt— läßt ſich nur dadurch entſchuldigen, daß man das Gaſtſpiel des Hrn. Sontheim befördern wollte, ſonſt hätte man wohl nicht ſo leicht das Schikſal Oper dieſer auf die Schultern faſt durchaus ſekundärer Kräfte gebürdet. In— deſſen iſt die Exekutlrung doch noch über die Erwartung ausgefallen, wenn wir gleich ein— geſtehen müſſen, daß dieſe ſehr niedrig ge— ſtellt war. Man that was man konnte. Unſer Gaſt Herr Sontheim(Othello) bewies vlele Kraft in ſeinen Mitteltönen, ſo wie Energie in ſeinem Vortrage. Er ſang meiſt recht ſchön und überſchlug nur da, wo er forelren wollte. Hätte er nicht einen ſo furchtbaren Vorgänger gehabt, er würde mehr reuſſirt haben, aber jezt war der Beifall nicht in allzu ſtarkem Grade, in den ſich auch Oppo— ſition miſchte.— Mad. Lehmann ſang die Desdemona mit eiuem wohllautenden Stim— menfonde, ſo wie auch Elniges, das elnen tüchtigen Lehrmeiſter verrleth. Aber Schwie— rigkeiten kennt dieſe Sängerin nicht, wenig— ſtens ging ſie über alle, die dieſe Parthie ble— thet, ſtillſchweigend hinweg.— Hr. Rott gab den Doge und ſang nicht, was aber auch nicht ſeine Schuldigkeit war; er iſt nicht für den Dogen im Othello engagirt.— Hr. Hirſch Brabantio) ſehr brav und verdienſtlich.— Die Herren Uetz(Jago) u. Nicolini(Rodrigo) haben mit ihren reſp. Parthien keine ſonder⸗ lichen Fortſchritte in der Gunſt des Publi⸗ kums gemacht.— Dem. Calliano(Zofe) hat eine wunderſchöne Geſtalt u. elne hoffnungs⸗ volle Stimme; hoffnungsvoll nennt man aber das, was noch nicht exiſtirt.— Indeſſen ward bei allem Mißfallen doch viel gerufen. Mad. Lehmaun und Dem. Calliano nach ih⸗ rem Duett; Hr. Sontheim nach dem Duett („dle Falſche ſoll erbleichen“); Mad. Lehmann nach dem zweiten Akt u. ſ. w. Der Himmel rief aber die ganze Oper zu ſich, um in dieſer Faſſung nie wieder aufzuſtehen. Sie ruhe in Frleden. M.
„Incerta


