Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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wirken ſie auch oft am meiſten für die Rentirung deſſelben. Bei uns hat man keinen Begriff davon, wie es möglich iſt, z. B. für ein Etabliſſement neu patentirter Wichſe eine halbe Million Franks mit Nuzen in Ankündigungen und Bekanntmachungen ſteken zu kön nen; und doch hat z. B. Perry den großen Erfolg mit ſeinen Stahlfedern nur der jährlichen Ausgabe einer hal ben Million Franks für dieſes Mit tel zu danken! Auf's anlokendſte u. pfif⸗ figſte abgefaßte Annoncen in möglichſt vielen Blättern, an allen Orten, Häu ſern, Boutiken angeklebte Affichen, die eine noch auffallender als die andere, mit Affichen oder des Verkäufers Adreſ ſe verſehene, gedungene bizarre Umträ ger-Rotten, transparent erleuchtete, mit Affichen bedekte durch die Stadt wandernde Wagen u. ſ. w., machen die Firma bekannt, um ihr Kundſchaft zu erwerben.

Baden-Baden. Benazet, frü⸗ her der General-Pächter der Spiele in Paris, hat jezt bekanntlich die deutſchen Spiele gepachtet u. ſich dieſen Sommer in Baden-Baden etablirt gehabt. In dieſem doppelten Baden hat er zwei Millionen Franks reinen Gewinn(der Gewinn iſt ſehr rein!!) erſchwungen. Dieſe zwei Millionen Franks beſtehen größtentheils aus ehrlichen deutſchen Thalern u. in Verzweiflung hingegebenen Louis⸗ u. Friedrichsd'ors. Welche Iro nie! Die Herren reiſen in Bäder, um ihre Krankheiten und Sünden weg zuſpülen und ſpielen ſich in noch grö ßere Sünden hinein. Ein leerer Veu tel iſt eine größere Laſt als ein voller!

München. Unſerem Tagblatt nach iſt der Bahnwärter, durch deſſen Liederlichkeit ſich unlängſt der Unfall auf unſerer Eiſenbahn ereignet hat, jezt in Haft, weil er einen Bauer, der über den Bahndamm gehen wollte,

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ſo mit Schlägen miß handelte, daß der ſelbe daran geſtorben iſt.

Bonn. Die hieſige israelitiſche Gemeinde ſtiftete n nadem für jeden Preußen gleich wichtigen Geburte- und Huldigungstage ihres erhabenen Monar chen, eine Geſellſchaft zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten. (Weit erſprieslicher als ſogenannte Cho ralgeſänge, pomphafte Trauungen, prachtvolle Leichenzüge und andere lärm machende Ceremonien, womit faſt allein das neue Judenthum die Civiliſation herbei zu beſchwören glaubt.)

Frankfurt. Gutzkow'sLeben Börne's iſt nun im Vuchhandel er ſchienen, und darf als eine der intereſ ſanteſten der neuen literariſchen Erſchei nungen betrachtet werden. Heinr. Heine wird freilich nicht damit zufrieden ſein. In Bezug auf das Buch des leztern über Börne iſt hier jezt eine Broſchüre erſchienen, welche ungedrukte Stellen aus den Pariſer Briefen bringt, in de nen Börne ſich über Heine ausſpricht. Es ſteht zu vermuthen, daß eine, Vör ne im Leben nahe geſtandene Dame dieſe Broſchüre veranlaßt hat.

Etwas von Allem. Ein Herr Bruno de Farcy in Paris kündigt ein dreibändiges Werk:Die Phyſiologie der Liebesbriefe, an. Von demſelben Verfaſſer wird auch ein großes Werk: Die Metaphyſik der Augenſprache, u. die Anatomie des Händedruks erwar tet. In Stuttgart wundert man ſich, daß Juſtinus Kerner ſchon ſeit vier zehn Tagen keinen neuen Geiſt geſehen hat. Während dieſer vierzehn Tage war er wahrſcheinlich immer in Geſell ſchaft mit einigen Dichtern der ſchwä biſchen Schule. Die Wiener Blaͤt⸗ ter überbieten ſich in Lobeserhebungen über die Norma-Carl. Es ſcheint, daß