Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
704
 
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Trieb der Selbſterhaltung verſtummen, und nur der dumpfe Schall war hörbar, den die Huftritte der pferde an den gefrornen Erdſchollen hervorbrachten. (Fortſezung folgt.)

Schlüſſe vom Aeußern auf das Innere. (Beſchluß.)

Der Bart. Nur bei Militärperſonen iſt der Schnurrbart indiffe rent; bei Civilperſonen ſoll er entweder einen häßlichen Mund oder ſchlechte Zähne verdeken oder er iſt bei Erwachſenen, was hölzerne Degen, Gewehre u. ſ. w. bei Kindern ſind, er dient zum Soldatenſpielen; bei Manchen deutet er auch auf früheren Militärdienſt. Der VBakenbart von einem Ohr zum andern, bezeich net den Kutſcher oder Polizeidiener. Weinreiſende, Schreinergeſellen und mit unter auch Kleiderkünſtler tragen gern zwei kleine Bartpünktchen unter der Nafe. Der Maler, welcher nicht zur guten Geſellſchaft gehört, trägt einen Van Dyk ſchen Bart oder einen Henri IV. Den Bart laſſen nur Modellſtecher, verkannte Poeten, Bettler und manche Pariſer Löwen ganz wachſen.

Die Kravatte metamorphoſirt ſich mit den Altersſtufen. Bis zum zehn⸗ ten Jahre geht man in bloßem Halſe; bis zum achtzehnten trägt man ein Hals tuch, weil es Eltern und Lehrer ſo wollen; vom 20 bis 25. Jahre dient die Kravatte zur argloſen Hebung der Schönheit; mit dem 30. Jahre wird ſie ein ſorgfältiges Studium; mit dem 40. Jahre eine Laſt. Jezt ſind die Anſprüche auf Schönheit vorüber, man macht ſich's bequem und nimmt es mit der Kravatte nacht mehr genau; ſle wird aus dem Puzſtük ein Hals- und Kinnhalter und Wärmer. Farbe, Form und dergleichen, variiren nach Alter, Neigungen, Stand und Charakter. Eine weiche und bequem eingebundene Kravatte bezeichnet den gefälligen Lebemann; eine ſteife und hohe den Humoriſten. Der Militär außer Dieuſt behält mit dem Schnurbarte auch die Halsbinde bei; der Faſhionable behandelt ſeine Kravatte mit derſelben Aufmerkſamkeit, wie die Dame, der er den Hof macht. Der Exſänger, der antike Anbeter der Dem. Mars, der Mann aus dem Jahre IX., der Literat aus der Kaiſerzeit(und beiläufig geſagt in Deutſchland alle Herbartianer) tragen eine Art weißen Turban um den Hals, über welchen ſich der Kopf erhebt wie ein Schöpſenbraten auf der Porzellanſchüſſel.

Die Handſchu he. Der Plebejer trägt nur bei ſpeziellen, feierlichen Gelegenheiten und im Winter der Kälte wegen Handſchuhe, auch kümmert er ſich wenig darum, ob die Farbe derſelben zu der des Nokes paßt; iſt er behand ſchuht, ſo weiß er nicht, was er mit den Händen machen ſoll; ſo bald als möglich ſtekt er ſie wieder in die Taſche. Wer abgenuzte und an den Fingern aufgegangene Handſchuhe trägt, iſt ein nachläſſiger Menſch oder ein verſchämter Armer. Handſchuhe zu 19 Sous(18 kr. Conv. Mze.) trägt nur der Kommis in der Modehandlung, der Geldwechsler in kleinen Städten und der Clerk. Wer baumwollene Handſchuhe trägt, wird früher oder ſpäter auch eine baum wollene Nachtmüze tragen. Der Mann von gutem Tone weiß die Handſchuhe mit Geſchmak zu wählen, zu tragen und auszuziehen. Der Zier bengel nur trägt ſo enge Handſchuhe, daß er ſie weder bequem aus- noch anziehen und die Hand