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nen Amtsphyſikus Dr. Keller in Pful⸗ lendorf, Mutter von neun noch uner— zogenen Kindern.— Unter dem Poſt— zeichen Berlin iſt dem Magiſtrat von Halle ein Brief zugekommen, der wört— lich Folgendes enthält:„Einem Wohl— löblichen Magiſtrat überſchikt ein Nichts— würdiger, der ſich dem Tode nabe fühlt, für entzweigeſchlagene Laterne und ein Fenſter im Rathskeller— die Summe von 1 Thlr.— Es iſt vom Jahre 1820 her. Möge es Gott ihm ſo wie viele ſeiner Sünden nicht anrechnen.“ N., früher Student in Halle.— Nicht blos die großen Mächte rüſten ſich und ver— mehren ihre Streitkräfte, auch das Leip- ziger Theater hat unter dieſen Umſtän⸗ den geglaubt, es dürfe nicht zurükblei— ben und deshalb die„ſieben Mädchen in Uniform“ auf vierzehn gebracht und das Bajonetfechten bei ihnen eingeführt (Iſt nicht neu; in Peſth hat man ſchon vor 15 Jahren aus 7 Mädchen 13 gemacht.)— Als ein Beiſpiel, welch ſonderbare Artikel in Leipzig auf die Meſſe gebracht werden, citirt man 30 bis 50 Zentner abgelegter engliſcher Uniformen, die reißend ſchnell verkauft werden und beſonders nach Polen gehen, wo das rothe Tuch zu Münzen ver— braucht wird.— In Mig iſt eine Hand— lung mit der Firma:„Elephant, Rhi⸗ noceros und Komp.“ eröffnet worden, die den Verkauf von Werkzeugen und Requiſiten zum Wallfiſchfang annoneirt. — Das größte Zimmer in der ganzen Welt wird wohl in Holbeach bei Leeds exiſtiren. Die vier Wände begrenzen ei— nen Flächenraum von zwei Morgen und der Saal iſt mit Webſtühlen gefüllt.— Man hat gewiß ſelten daran gedacht, wie die Eiſenbahnen auf's Papier wir— ken. Aber man höre! Die Taunus-Ei⸗ ſenbahn⸗Aktionärs haben unlängſt eine General-Verſammlung gehalten, wobei es ſich herausſtellte, daß für Papier, Tinte, Federn und Sie gellak im Laufe
eines Jahres von Comité„einundfünf—⸗ zigtauſend Gulden“ ausgegeben wurden. — Den neueſten Verichten zu Folge hat der Kaiſer von Marokko eine Leibwache von 500 Mann, welche alle ſeine eige— nen Söhne ſind. Die muthmaßlichen Töchter hinzugerechnet, ſo haben Seine ſultaniſche Majeſtät von Marokko dem Staate ein klein es Regiment geliefert. — In Erlangen hat ein Schriftſteller, mit Namen Held, ein Drama angekün— digt:„Napoleon, hiſtoriſch dramati— ſches Gedicht in ſiebenundzwanzig Auf⸗ zügen.“ Das ſind zweiundzwanzig zu viel für die Aufführung und vielleicht ſiebenundzwanzig zu viel für die Leſer. — Die Wiener Kaffeſieder fangen all— mälig zu bereuen an, daß ſie mit den Preiſen aufgeſchlagen ſind; denn das Konſumo hat ſich dadurch bedeutend ver— mindert. Vereits hat ein höchſt elegant eingerichtetes Kaffehaus auf dem Bau- ernmarkt die Preiſe der Getränke und Spiele, ſelbſt gegen vorher, be de u⸗ tend herabgeſezt, und dies Bei⸗ ſpiel wird bald Nachahmung finden.— (Mögen die Peſther Kaffeſieder, die oh—⸗ ne allen vernünftigen Grund, bei den jezt ſo auffallend niedrigen Kaffe⸗ und Zukerpreiſen, auch Miene zu machen ſchei— nen, mit ihren Preiſen hinaufzugehen, von obiger Nachricht gute Notiz nehmen.)
Lokal- Zeitung.
Theatraliſch es. Wir vernehmen aus Wien, daß Frln. Henriette Carl am 22. d. M. in k. k. Hofoperntheater nächſt dem Kärnthnerthore zum erſten Male als Rorma auftrat und einen der entſchiedenſten Trlumphe feierte. Das Publikum war hoch enthuſiasmirt von der ſeltenen Geſangsvir⸗ tuoſität dieſer Künſtlerin und man geſtand ſich, die Norma noch nie mit größerer Voll⸗ endung gehört zu haben. Frln. Henr. Carl ward auf das Ehrenvollſte ſalutirt, in ihrem Geſange von dem Beifallsſturm oft unterbrochen und im Verlaufe des Abends etwa 12 bis 14 Mal einſtimmig von dem über⸗


