Jahrgang 
Band 2 (1840)
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vollen Hauſe vorgerufen. Man bemerkte auch durchlauchtigſte Perſonen des kalſerlichen Hau ſes in der Hofloge, woraus auch waker ap plaudirt wurde. Dieſes urtheil der ſo in hohem Grade kunſtverſtändigen Reſidenz kann für uns Peſther nur höchſt erfreulich ſein, da dadurch unſere ſo oft ausgeſprochene Meinung über dieſe Geſangsvirtuoſin ſolch eine vollgil tige Beſtättigung erhlelt.

Die Gymnaſtik iſt auf der Peſther Bühne in vollem Zuge. Paul Schwarzenberg und Kompagnie machen volle Häuſer, und am 26. er chien der Kunſtreiter J. L. Dumos mit ſeiner Geſellſchaft und tummelte ſich auf den Brettern, die für dieſesmal Pferdege trappel bedeuteten, herum. Gegeben wurde ein dem Gegenſtande bochſt analoges Stük, Mazeppa« betitelt. Ueber das Ganze läßt ſich nicht viel ſagen. Die Enſembleſtuͤte der Pferde waren gelungen; weniger geriethen Soloparthien; ſo wollte z. B. das bluttrie fende pferd mit dem gebundenen Mazeppa auf dem Rüken, um keinen Preis eher zu Bo den ſinkten, als bis Mazeppa ganz phlegma tiſch abgeſtiegen und es durch Schmeicheleien aller Art dazu brachte die darauf erfolgte Gruppe der wilden Pferde aber war wirklich ſchön, de. Uebrigens gab es auch Beifall und Hervorrufungen.

Zu den beſſern theatraliſchen Vorſtel lungen in Ofen gehört die Auffuhrung von Bauernfelds Luſtſp.:die Selbſtquäler. Das Stük an ſich geſiel, beſonders wegen einiger ſcharf markirten Charaktere und ſeines guten Dialoges ſehr. Aber die Darſtellung ließ we nig oder gar keinen Wunſch zurüt. Vorzüg lich müſſen wir Dem. Klein erwähnen, dle wirklich mit Wärme und Verſtand ſpielte. Hr. Windiſch war in den Charakter ſeiner Rolle ganz eingedrungen und löſte ſeine Auf gabe rühmlich. Auch Dem. Jaritz war ſehr brav, ſo wie die uebrigen zur Rundung des Ganzen vlel beitrugen.

Im Laufe dleſer Woche ſoll auf der Ofner Bühne ein dort neues Drama:Bloks Todtengruft gegeben werden, wozu Hr. Ka pellmeiſter Görgl die Muſik geſchrieben hat. Man verſpricht ſich von lezterer beſonders viel Gutes.

Hr. Direktor Rötzl hat mehrere neue ſehr gelungene Novitäten von dem Lokaldich ter Schickh kommen laſſen, die bald nach

und nach in die Szene gehen werden. Eine davon ſoll das Beneſiz der ſo allbeliebten Dem. Revie, eine andere jenes des geſchäz ten Regiſſeurs Hrn. Seydl werden. 2

Das Schielen. Oeffentliche Blätter ſchreiben jezt viel über die Reiſen des k. preu ßiſchen geheimen Staatsrath Diefenbach und deſſen merkwürdige Heilungen ſchielender Augen und der Klumpfuße; gewiß gehört dies zu den merkwürdigſten Entdekun geu in der Heilkunde unſerer Zeit und dem Menſchengeſchlecht ſteht eine Verunſtaltung weniger bevor. Es iſt nun ſehr erfreulich, daß auch in unſerem Vaterlande dieſe neue Heilm thode feſten Fuß faßte, und es iſt un ſer ruhmlich bekannte Arzt Dr. Schopf in Peſth, der nicht nur in Peſth, ſondern auch in Raab und Komorn mehrere glütliche Ope rationen an Schielenden und Lahmen aus führte. Er heilte alle radikal und erwarb ſich den Dank und die Segnungen ſo vieler geradſehend u. geradgehend Gemachten. Wir können daher auch bei uns auf die baldige Verbreitung der Operation des Schielens mit

Recht ſchlleßen.

Berichtigung. Geehrter Hr. Redakteur! Mit Befremden leſe ich in Ihrem Blatte, Nr. 84: In Wien ſpricht man von der beabſichtigten Vermählung der Sängerin Jenny Lutzer mit dem Kapitän eines Dampfſchiffes. Ich finde mich daher veranlaßt, öffentlich zu er tlären, daß dieſes Gerücht gänzlich grundlos ſel, und das ich mit keinem Kapitän eines Dampfſchiffes in irgend einer Verbindung ſtehe. Ich erſuche Sie, dieſe Erklärung in Ihr Blatt gefällig aufnehmen zu wollen. In voll

tommenſter Hochachtung zeichnet

Wien, den 23. Okt. 1840. Jenny Lutzer.

In Hartlebens Buchhandlung in Peſth iſt ſo eben angekommen:Neue ſte Karte zur ueberſicht der Begebenheiten im Orient, oder Türkiſches Reich in Europa u. Aſien mit Syrien und Oberegypten. 1 Blatt. Preis: 20 kr. C. M.

Beilage:Der Schmetterling. Nr. 25.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.