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che dieſer Bemerkungen iſt gewiß übertrieben, manche aber trifft auch. Hören wir alſo, wie der Charivari ſeine Leute bezeichnet:

Auf der Straß e. Wer auf die Zukunft bofft, ſieht nach oben; wer an die Vergangenheit denkt, ſieht vor ſich nieder; wer gerade aus ſchaut, iſt mit der Gegenwart beſchäftigt; ſieht er bald links, bald rechts auf der Gaſſe umher, ſo denkt er an gar nichts, ſieht er ſich aber oft um, ſo denkt er gewiß an ſeine Gläubiger. Wer langſam geht, der grübelt oder reflektirt, philoſophirt oder kalkulirt; wer ein Projekt ins Werk ſezen will, der geht ſchnell; wer mehr läuft als geht, der hofft auf einen Erfolg in Geld- oder Liebesangelegen heiten, oder er iſt ein Projektenjäger. Ein einfacher, unge ſuchter, bequemer, aber ſauberer Anzug, ein Gang nicht zu ſchnell und nicht zu langſam, eine gemeſſene, ungezierte, doch kräftige Haltung laſſen auf einen Biedermann ſchließen. Wer kleine Schritte macht, mit den Augen viel umher blinzelt, die Naſe hoch trägt und die Bruſt übermäßig herausſtrekt, der iſt ein großprahleriſcher, eitler oder eigenſinniger und ſtreitſüchtiger Mann. Ein Menſch, der immer nach dem Modejournale gekleidet iſt, mit der Hand alle Au genblik das Haar an ſeinem Filzhute glättet, Veinkleider und Stiefel mit dem Saktuche abſtaubt, an Weſte und Krawatte zupft und ſich das Haar ſtreicht, iſt ein Kleinigkeitsmenſch und nicht ſelten ein Flachkopf. Wer goldene Ketten, Ringe und ähnliche Puzſachen zur Schau trägt und ſich mit ihnen überladet, darf ſich nicht verwundern, wenn man ihn für einen Emporkömmling, Ellenritter, Char latan, Komödianten oder für einen verarmten Kavalier hält.

Das Grüßen. Der Beamte, Profeſſor oder Büreauchef, wie über haupt jeder Schwarzbefrakte, welcher die Hand im Gilet, mit gemeſſenem Gange einherſchreitet, iſt, wenn er beim Gruße den Hut kaum abnimmt, nicht immer, wie es gewöhnlich heißt, ein ſtolzer, aufgeblaſener Menſch, ſondern eine gute Seele, welche ſich nur ein wenig fühlt. Nicht blos der iſt ſtolz, welcher nur mit Kopfniken grüßt, ſondern auch derjenige, welcher unſern Gruß mit herab laſſender Zuvorkommenheit erwiedert. Die einzige Ausnahme, welche ei⸗ nem Manne von Geiſt geſtattet, einen Augenblik ein Dummkopf zu ſein, iſt folgende: Zwei Männer begegnen ſich, ſehen einander an, lächeln ſich zu und bekomplimentiren ſich, kommen ſich bei jeder Verbeugung näher, reichen ſich die Hand, fragen wie aus einem Munde:Wie geht's? und antworten zugleich: So ziemlich; und Ihnen? dann bleiben ſie mit offenem Munde ſtehen... ſie wiſſen, was ſie davon zu denken haben. Der untere und der höher ge ſtellte Beamte grüßen ſich nicht, wenn ſie gleich ſehr von ſich eingebildet ſind; ſie ſehen ſich nicht. Ein Schwachkopf oder Bittſteller kann uns zehnmal in einer Stunde begegnen und zieht doch jedes Mal den Hut. Ein Menſch von gutem Ton, der dem andern Abends mit einer Dame am Arm begegnet, grüßt nicht und rennte er ihn auch faſt über den Haufen; zwei Leute, die ſich nicht leiden kön nen, grüßen ſich ſehr förmlich und ergebenſt, wenn ſie ſich vor einander fürch⸗ ten. Der Ehemann grüßt den Liebhaber mit Protektormiene; dieſer erwidert lächelnd den Gruß; zwei Nebenbuhler hingegen beißen ſich bei dieſer Gelegen heit in die Unterlippe; der Schuldner grüßt verlegen; der Gläubiger leicht hin, und die Liebe grüßt mit den Augen. Wer eine Perüke trägt, ſucht das Hutab⸗ nehmen ſo viel als möglich zu umgehen.