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rächen, der ihn ſeiner alten Mutter beraubte; Munlagorez ergriff zur Verthei— digung der baskiſchen Fueros die Fahne, und jener Augenblik ſchien nicht mehr ferne, welcher Don Carlos Heerſchaaren mit gänzlicher Auflöſung bedrohend, der Sache der Legitimität auf ſpaniſchem Boden ein Ende machen wird.
Einen Mann gab es noch, in deſſen Macht es ſtand, Carlos wankenden Thron aufrecht zu erhalten, und dem verwüſteten Lande den erſehnten Frieden zu verleihen: und dieſer war Mar ot o, der nach dem Tode ſeines Freun— des und Waffengefährten, des Ormaisteguyer Helden, um dem gefahrvollen Spiele der nie endigenden Hofränke, die auch ſeinen Waffengefährten nicht ver— ſchonten, zu entgehen, ſich ein willkührliches Exil wählte, und daſelbſt fern von ſeinem Vaterlande, das er liebte, ſich grämte über das Elend ſeiner Mitbürger und über die Wuth der Feldherren, welche die ſchwachen Jungfrauen, Weiber, waffenloſen Jünglinge und das hilfloſe Alter nicht verſchonend, wild und erfolglos die ſchöne Halbinſel verheerten, die er nicht retten konnte, und die, falls ihn ſeine Ahnung nicht trügt, Don Carlos nie beherrſchen wird.— Maroto wurde für den einzigen Mann gehalten, deſſen unerſchütterlicher Charakter, deſſen hel— denmüthiges Herz und bekannte Tapferkeit die ſchwankende Sache Don Carlos befeſtigen, ſeinen ſiegentwöhnten Truppen neue Siegeslorbeeren und dem arg— bedrängten Vaterlande Ruhe und Friede ermitteln konnte. Er wurde alſo aus ſeinem Exil zurükberufen und ihm der Oberbefehl über Don Carlos Armee an— vertraut. Und die Freunde der Legitimität jubelten über Maroto's Zurükkunft, in das Carlos'ſche Lager, ſo wie ſich einſt die von Zumalacarreguy zum Sieg geführten Schaaren freuten.
Aber der Bund, der unter dem heiligen Vorwande der Religion wild hau— ſenden Tyrannei, war nicht vernichtet; die Konföderirten brüteten Rache ge— gen Maroto, bei deſſen Rükkehr ſie ihre Macht ſinken ſahen. Es gab einige, die ſich beſtrebten, die Truppen aufzuwiegeln, und Unterbefehlshaber, die nach dem Leben Marotos trachteten, und Maroto, der vormals ſelbſt Feindesblut ungern zu vergießen pflegte, ließ ſich, um ſeine Perſon der Sache zu erhalten, durch ſeinen heftigen Charakter zu Grauſamkeiten verleiten, die er als Menſch gewiß bereuete, welche aber, obſchon ſie von den unheilſchweren Umſtänden bedingt zu ſein ſchienen, der Geſchichtsſchreiber dennoch als dunkle Fleken unter ſeinen Heldenthaten bezeichnen wird.— Aber der unerbittliche Geiſt des Bürgerkrieges verlangt ſeine Opfer, und Maroto muß ihm die ſeinigen bringen.— Das Eſtal— laer Blutgericht bleibt ewig eines von den Gräueln des Partheigeiſtes.
(Fortſez. folgt.)
Schlüſſe vom Jeußern auf das Innere.
Lavater hat eine Phyſiognomik geſchrieben und man hat manchen guten und auch manchen ſchlechten Wiz darüber gemacht. Am Gewandteſten und Tref— fendſten weiß Walter Scott aus der Schilderung des äußeren Menſchen ſogleich den innern ſymboliſch anzudeuten. Aehnliches könnten unſere Leſer dem Titel nach hier erwarten; doch ich will nur einige Züge, welche der„Charivari“ ſei— nen Karrikaturzeichnern in einer ſeiner neueſten Nummern gibt, ausheben. Man⸗


