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Seit Jahren ſchon verheerte der Krieg Spaniens ſchöne Fluren. Die Söhne eines Vaterlandes ſtehen ſich feindlich gegenüber auf dem Schlachtfelde, wo ihre Ahnen vormals mit vereinter Macht das Blut ihrer Feinde vergoſſen, und mehr für die Freiheitsmeinung, als die Freiheit entbrannt, tauchen ſie den blut getränkten Stahl in das Herz ihrer Mitbürger, und verwandeln den einſt ſo ro⸗ mantiſchen Boden in eine Einöde, das herrliche Vaterland der Cide, welches ſeine Galeeren zuerſt in die neue Welt ſandte, in eine unbewohnte Wildniß!... und, gleichſam als läge der Fluch des rührenden Verhängniſſes ſchwer auf die ſem Lande, noch iſt Keiner aus der Mitte ſeiner Bürger erſtanden, der einzig für das Vaterland und die heiligen Gerechtſame des Fürſten ſein Schwert um gürtet hätte. Die Anführer, welche die erbitterten Reihen befehligen, werden von Nebenintereſſen und unlauteren Anſichten geleitet; höfiſche Ränke, Hinter liſt, perſönlicher Haß und Neigung, keineswegs aber die heilige Sache des Va terlandes und ſeines Fürſten, ſind es, welche die Kriegsführer und vorzüglich die Näthe des Thronprätendenten beſeelen. Kein Wunder alſo, wenn der edle, heilige und beglükende Endzwek verfehlt, ja beſeitigt, unter den entzweiten Partheien neuere Sekten entſtehen, und die ruhm- und machtgierige Mehrzahl derſelben nicht mehr die Männer der Oppoſition, ſondern ihre eigenen Getreuen erwürgt.

Doch obſchon in dem Herzen der Söhne des argbedrängten Vaterlandes jeder Funke von erhabener Bürgertugend, die nur reine Liebe zum Vaterlande erzeugen kann, verglomm; ſo wird man dennoch Weſen finden, die, wiewohl ſelbe an unſern gemeinſamen Berathungen keinen Antheil zu nehmen ſcheinen, und deren Wirkungskreis ſchon ihrer Beſtimm ung und ſozialen Ver hältniſſen nach in einem engeren Raume ſich bewegt, wie die Engel die heilige Bundeslade, ſo die verklärte Tochter des Himmels, die häusliche Tugend, welche den Keim jedes pa triotiſchen Gefühles und bürgerlichen Größe in ſich birgt, bewachen, und dieſe Weſen ſind die Frauen. Wenn der Sturmwind die kräftige Eiche in ihren Wurzeln erſchüttert, und auf den höchſten Gebirgsſpizen die Kronen der hun dertjährigen Fichten zerborſtet, ſo öffnen die beſcheidenen Veilchen, kaum berührt vom Orkane, am Rande des Geſträuches ihre Kelche, und erfüllen mit würzi gen Düften die umſchattete Flur. Noch iſt nicht alle Hoffnung an eine glül lichere und glorreichere Zukunft bei jener Nation erloſchen, wo in der weiblichen Bruſt häusliche Tugend, und heilige Neigung zu ihrem Vaterlande wohnt. Auch Spanien wird einſt von ſeinem endloſen Jammer geneſen.

II.

Auf Don Carlos ſchwachen und unentſchloſſenen Charakter haben nach Zu malacarreguy's Tode den größten Einfluß Diejenigen ausgeübt, welche ihre Pri vatintereſſen und tyranniſchen Anſichten, womit es ihnen gelang, ſelbſt den Für ſten unbewußt zu umgarnen, unter dem heiligen Vorwande verbargen, die Ne ligion in ihrer Jungfräulichkeit zu erhalten und zu vertheidigen. Aber Don Carlos Sache ging nicht vorwärts. Gedrängt von Kriegsnoth, verabſäumten ſie die beſte Gelegenheit, wo ſie dieſelbe hätten befördern können, und die Anfüh rer der in den verſchiedenen Provinzen gelagerten Truppen, erhoben ſich zu eben ſo vielen eigenmächtigen Tyrannen. Cabrera wüthete wild in den Schaaren ſei ner ſpaniſchen Gefangenen, ja er verſchonte nicht einmal die waffenloſen Söhne und Töchter ſeines Vaterlandes, um an ihnen die grauſame That Minas zu