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Großer Gott! Man hat den Roſen ih— re Elfen, den Goldminen ihre Gnomen genommen, um ſie beim Schall irgend einer Muſik vor dem gelangweilten Pu⸗ blikum tanzen zu laſſen. Die Dichter der„Academie royal de Musique“ ſind den Alchymiſten des Mittelalters etwas verwandt, ſie wiſſen ſich auch durch Be— ſchwörungsmittel die geheimen Kräfte der Natur zu unterwerfen, um auf ihre Weiſe Gold daraus zu machen; das führt uns ſehr natürlich auf den Gedanken, daß die Einbildungskraft der Operndichter eben ſo ökonomiſch iſt, als die der Muſiker. Nach„Robert- le- Diable“ habt Ihr gehabt:„la Tenta-— tion“,„le Diable boiteux““,„le Dia- ble amoureux“,„la fille du Danube““ und„le Lac des Fées.““
London. Hr. Woolcot iſt jezt dahin gekommen, wie man die Sonne auch zum Portraitmaler machen kann. Die gewöhnlichen Daguerreotypen ließen ſich früher nicht dazu brauchen, weil das Licht zu ſehr blendete und das Sizen unmöglich machte. Er hat nun ein Mit tel gefunden, wodurch dieſe Blendung verhindert wird und ſich Jeder binnen 4 bis 5 Minuten vermittelſt eines Da⸗ guerreotyps von der Sonne kann por— trätiren laſſen. Der Erfinder hat ſchon mehrere Patente aus verſchiedenen Län- dern. Wir können darauf rechnen, daß auch wir bald ſolche Porträts zu ſehen bekommen, wie man ſie jezt ſchon in London bewundert. Die Porträtmaler werden den Kopf ſchütteln zu ihrem himmliſchen Rival.
Etwas von Allem. Herr M. G. Saphir macht gleichzeitig im„Hu— moriſten“ und in der„Theaterzeitung“ bekannt, daß er in Wien dramaturgiſche Unterhaltungen in einer Reihe von ſechs Vorleſungen halten werde. Dies Un— ternehmen von Seite eines ſolchen Kom— petenten dürfte große Theilnahme fin⸗
den.— Im Königreiche Baiern iſt, dem Nürnberger Korreſpondenten zufolge, durch ganz kürzlich erlaſſenen Befehle den Schülern der Gymnaſien und la— teiniſchen Schulen eingeſchärft worden, daß ſie künftig, wenn ihnen ein Vor— geſezter begegnet nicht blos Hut oder Kappe abzunehmen, ſondern auch ſtehen zu bleiben haben.— Die Wiener poli— tiſche Zeitung wird ſich nun auch mit Theaterkritiken befaſſen; ſie debutirte bereits am 20. d. mit einer gut geſchrie— benen, gründlichen Kritik über Gutz— kow's„Werner.“ Die Darſtellenden aber werden nicht namentlich angeführt. — Für das bevorſtehende Huldigungs— feſt in Berlin werden Fenſter mit 8 bis 10 Friedrichsdor(60 bie 75. fl. C. M.) bezahlt. Uebrigens wird die Stadt am Abend in ein„brillantes Lampenmeer“ verwandelt werden.— Ole Bull gab in Köln zwei Konzerte, ohne ſonderlich Olük gemacht zu haben. Ein Muſiker ſagt dort über ihn:„Virtuoſenkunſt,
die eine kurze Bewunderung, aber doch zugleich den Verdacht der Geiſtloſigkeit erregt und das Herz kalt läßt— das iſt der Kunſtjammer der Mode.“— Am verfloſſenen Freitage fuhr ein„Leviath⸗ anzug“ auf der Eiſenbahn von Shef— field nach Leeds ab. Fünf Lokomotiven bewegten ein undſechzig Waggons, in welchen 2180 Perſonen, meiſt Kauf— leute aus Sheffield ſaßen.
Lokal-Zeitung.
Theatrallſches. Auf unſerm deut⸗ ſchen Theater feierte am 20- d. wieder die Athletik und Gymnaſtik ihre Triumphe. Die Araber aus der Wüſte Sahara ſind zwar noch nicht hier; aber wären ſie ſchon da geweſen und hätten ſie geſehen, auf welchen Gipfel ihre Kunſt ſchon in Europa gediehen, ſie kehrten fluggs nach ihren Sandſteppen zurük, um nie wlederzukehren, da für ſie hier nichts mehr zu thun übrig bliebe. Der bekannte Feuerkönig Schwarzenberg, der das Eiſen ſchmiedete ſo lang es glühete, hat nach deſſen Erkaltung ſein altes Reich verlaſſen und ſich
zum Beherrſcher einer Gymnaſtlker-Geſell—


