Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
690
 
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te ein neues Stük von Schickh, beti telt:Die Müllermeiſterin, welches zu den beſſern Erzeugniſſen der Jeztzeit gerechnet werden kann und die bühnen gewandte Feder des Verfaſſers nicht ver kennen läßt. Die Joſephſtädter Bühne machte mit einem neuen Stüke, zur Feuchtingerſchen Benefiz:Der Wiener Schuſterbub benamſet, ein Fiasco, wie es ſelten wohl in den Annalen eines Theaters zu finden iſt. Der Verfaſſer, der, ſo lautet die Sage, ein Korporal eines hieſigen Infanterie-Negiments iſt, läßt einen Schuſterbuben, der auch nicht einen Funken der berüchtigten Wiener Schuſterbuben-Genialität, der auch nicht einen Atom von beſſerer Bildung als die des ordinärſten Menſchen als Em pfehlungsbrief mit ſich bringt zum Künſtler graduiren! Der gute Hr. Ver faſſer ſcheint daher ſowohl von Lokal poſſen⸗Dichter, wie man aus ſeinem net ten Stükchen entnimmt, als auch von Künſtlern einen artigen Begriff zu ha ben. C. S.

Mignon-Zeitung.

Wien. Der Bau der hauptzollämtli chen Magazine iſt bereits höhern Ortes genehmigt u. bereits beginnt man ſtatt der frühern hölzernen Magazine, die Räumung des Plazes. Die Turniairi⸗ ſche Kunſtreitergeſellſchaft macht im ro then Hauſe brillante Geſchäfte, nur iſt zu bedauern, daß unlängſt der Bajazzo, eines der beliebteſten Mitglieder der Ge ſellſchaft, bei einer Kliſchniggiade ſich den Arm entzwei brach.

Potpourri aus Paris. Eine unerſchöpfliche Flinte will Herr Beau trand erfunden haben, indem ſie, durch eine am Laufe befindliche Einrichtung, ſich ſelber immer wieder ihre Ladung gibt, alſo, der Verſicherung nach, un unterbrochen ſchießt. Münchhauſen woll te einmal Kanonen erfunden hahen, die

man ohne alle menſchliche Beihilfe zu Felde ſchiken könne und die dann einen Krieg unter ſich ausmachten. Jener Franzoſe wird doch nicht auf demſelben Wege ſein? ſonſt müßten wir ja die Priorität der Erfindung für den deut ſchen Münchhauſen in Anſpruch neh men. Die organiſchen Bühnen-Tän⸗ zerinen mögen nur ſachte ihr Bündel ſchnüren, denn mit ihnen iſt's vorbei, da ein Franzoſe auf mechaniſchem Wege aus Gummi eine Tänzerin konſtruirt hat, deren Luftſprünge und Balancen auf einem Beine u. ſ. w. Alles über⸗ treffen, was je eine Taglioni, eine Els ler mit ſammt ihren Kolleginen gelei ſtet haben. Die mechaniſche Tänzerin wird bereits vervielfältigt u. demnächſt will man Exemplare an allen Bühnen, welche Tänzerinen brauchen, verſenden. Sie verlangen keine Gage, eſſen und trinken nicht, ſie werden nach dem Tan ze in einen Kaſten geſtekt und können daher nicht durchgehen oder von Enthu ſiaſten nach Hauſe gezogen werden. Eine ſehr nüzliche Erfindung, welche zugleich die Sittlichkeit fördert! Ein hieſi ges Blatt ſagt:Das neue Ballet der Oper gehört zum Genre phantaſtiſcher Erfindungen, aus dem man, wie es ſcheint, noch nicht heraustreten will. Seit Meyerbeer's Poſaunen die unter irdiſche Welt aufgerührt zum großen Vortheil derAcadémie royale de Mu- sique, fordert man ihren verliebten Teufel, ihren Poltergeiſt, ihre Syl phide u. ihren Kobold. Nicht ein Win kelchen Luft oder Erde, keine Grotte, kein Fluß, der von dieſen unermübdli chen Forſchungen in Ruhe bliebe. Es ſcheint in Wahrheit, daß die Hölle nur zum Ruhm der Oper erſonnen und die Satanen Dante's u. Milton's poetiſch erzeugt worden wären, um als Kaska⸗ den und Brunnen auf der Szene zu paradiren. Und iwas iſt aus dieſer ſchö nen, deutſchen Mythologie geworden?