Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
692
 
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ſchaft emporgeſchwungen. Gebrüder Zanfretta, Karl Kopal und Karl Eichler ſind die Haupt⸗ ſtüzen ſeines neuen Reiches, und in der That recht tüchtige Stüzen, die auf ihren gewaltt gen Schultern ihren Sultan Wampum mit Leichtigkeit erhalten. Die Knaben Karl Ko⸗ pal und Karl Eichler, die einſt die Peſther Gamins Brüder nannten, führen jezt ſoge nannte akademiſche Stellungen und herkuli ſche Bewegungen mit einer unbeſchreiblichen Sicherheit, Leichtigkeit und Kraft aus, und ihre Körperverdrehungen à la Kliſchnigg über treffen Alles, was in dieſer Hinſicht je geſe hen worden. Weiter läßt ſich ſchon dieſe Kunſt wahrlich nicht mehr treiben. Die Gebrüder Zanfretta zeigen zwar nichts Neues, da ſie diejenigen Kraftſtüke produziren, mit denen uns Averino und Bono zuerſt bekannt machten; aber auch ſie ſind ausgezeichnet in ihrem Fache. Am Schluſſe zeigte uns Here Schwarzenberg noch ein Ueberbleibſel ſeines anciénne regime, nämlich einen ageroſtati ſchen Centaur, der über die Köpfe des Pu blikums weg eine Luſtluftfahrt durch den gan⸗ zen Raum des Schauplazes machte; was ſehr drollig ausſah und allgemeines Ergozen ber vorbrachte. Vorher ward das alte Luſt ſpiel:der Bettelſtudent, zum Jubel der Gallerie, die ungemein voll war, gegeben.

Benefiz.(peſth.) Unſere vortreffli⸗ che und allbeliebte Schauſplelerin, Demoiſelle Emilie Müller, hat heute ihr Beneſiz. Es wird zum erſten Male gegeben:Gabrie le de Bellisle, oder Leichtſinn und ſeine Fol gen, Schauſp. in 5 Akt. nach Dumas von De. Römer. Ein Stük, das den Beifall ver dient, den es überall gefunden, und es iſt daher der geſchäzten Beneſiziantin ein er wünſchter Erfolg zu prognoſtiziren.

Die öffentlichen Bauten waren in dieſem Jahre in Peſth zwar nicht ſo zahl reich, als man erwartete, doch befinden ſich darunter mehrere großartige u. umfangsvolle. Wir bemerken darunter das Natilonalmuſeum (das ſchon weit gediehen iſt), das Komitat haus, das Joſephinum, die Erweiterung des Bürgerſpitals die Dampfmühle, dle Kaſer ne in der Sorokſarer⸗Gaſſe, dann mehrere größere und kleinere Privatgebäude. Zu be merken iſt, daß viele Peſther Bauherren end lich zu der Einſicht kommen, daß der Bau

mit Ziegeln(Bakſteinen) ſich nicht nur en je der Hinſicht ſolider, ſondern faſt durchgehends auch ökonomiſcher geſtaltet als jener mit den hier ſo gebräuchlichen Sandſteinen. Der Prels der Ziegeln iſt iezt faſt beiſpiellos billig u. um wie viel raſcher geht die Arbett damit vorwärts! Bis ein Maurer ſich einen Sandſtein von einem Kubikfuß zu Recht rich tet, und dabei oft einen andern Kubitfuß Stein zerbröͤkelt und verdirbt, hat ein ande rer Maurer, der mit Ziegeln arbeitet, drei mal ſo viel zu Stande gebracht, was wird alſo da an Arbeitslohn und an Materiale erſpart! um wie viel, ubrigens ein von Batſteinen erbautes Haus mehr werth iſt, um wie viel dauerhafter, trotener u. geſunder 8 iſt, als eines von Sandſteinen, iſt ſchon längſt bewieſen. Mit wahrem Veranügen gewahren wir daher, daß in Peſth der Bau mit Zie⸗ geln immer mehr in Aufnahme kommt. Man ſindet, daß man damit bei nicht größern, ja oft bei geringern Koͤſten, ein weit ſolideres und feſteres u. folglich auch viel preiswürdi geres und werthvolleres Haus erhält.

Vom Muſikvereine. Die erſte Kunſtdarſtellung des Peſther und Ofner Mu- ſitvercines im laufenden fünften Muſtkjahre, wird am 1. November, Nachmittags, um 4 f Uhr, im k. ſtädt. Nedoutenſaale zu Peſth, ſtattſinden. Die Eintrittskarten werden den bp. t. Vereinsmitgliedern(jedoch nur gegen Vorweiſung ihrer Verſicherungskarte) am 31. d. M. in Peſtſh bei Hrn. Vereins taſſier A. L. Klauß, in Ofen bei Herrn Emerich v. Mi letz am Tage der Vorſtel⸗ lung aber ausſchließlich in der Vereinkanzlei verabfolgt.*

Modenbild. Uro. 44.

Paris. 14. Okt. Neueſte Herb ſt⸗ anzüge für Hercen. Neueſtes Möbel.

(Da wir heute blos Herrenanzüge bringen, ſo berichten wir als Erſaz unſern geehrten Leſerinen, daß Hr. Mindſzenty, bürg. Damenkleidermacher in Peſth, ſo eben, von el⸗ ner Geſchäftsreiſe nach Wien zurükgekehrt iſt, u. die ncueſten Formen zu Damenmänteln und ſonſtigen Herbſtkleidern mitbrachte, und ſomit in den Stand verſezt u iſt', alle Auftrage auf das Beſte zu effektuiren.)

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.