688
Anſichten. Urtheile. Begebniſſe.
Theater
Peſt h.(Veſzter Sandor im Nationaltheater.) Der un⸗ gariſche Nationaltänzer, Hr. Veſzter Sandor, erſchien mit ſeiner Zigeu— nermuſikbande am 21. d. M. zum erſten Male im ungariſchen Nationaltheater. Mit freudigem Nattonalgefühle laſen wir ſeit einiger Zeit die Zeitungsberich— te über das außerordentliche Furore, das unſere Landsleute im Auslande ge— macht, und ſelbſt in Paris, wo Him— mel und Erde voll Geigen ſind, haben unſere Landsleute vollkommen reuſirt, und die Pariſer, ſonſt an zukerſüßer Koſt gewöhnt, lauſchten mit Wonne je— nen feurig-wil den magyariſchen Natio— nal⸗Tönen, und in jener Stadt, wo Terpſichore ſich einen Tempel gegründet, wo der Tanz ſeine höchſte Vollendung er— reicht, wo„leicht füßige wie leich t⸗ ſinnige Bewegungen“ zur Ta⸗ gesordnung gehören, konnte der unga— riſche National-Tanz, ausgeführt von Veſzter, allgemeine Bewunderung erre— gen. Mit beſonderer Spannung beſuch— ten wir daher heute das Nationalthea— ter und freudig wurden wir gleich bei der erſten Piece überraſcht; dieſe rei— nen, melodiſchen Bogenſtriche, dieſes ge— rundete Zuſammenwirken, erregten un— ſere Bewunderung im höchſten Grade. Der Beifall des Publikums ſteigerte ſich mit jeder Piece, beſonders war es die Ouverture von„Norma“, wo manche einzelne Schönheiten dieſes Tonſtükes durch ihr herrliches Spiel noch mehr herausgehoben wurden. Ein lautes El- jen tönte durch den Saal und auf all⸗ gemeines Verlangen mußte dieſe Ouver— ture wiederholt werden. Der Zimbel— ſpieler Farkas führte einige Variatio— nen auf dieſem ſo Wehmuth erregenden Inſtrumente mit beſonderer Präziſton
aus. Am meiſten enthuſiasmirten am Schluſſe der Rakozy-Marſch u. die Ra⸗ kozy-Nota, u. jene heimathlichen Töne, ſo gemüthlich u. kunſtvoll vorgetragen, fanden beſondern Anklang in den für alles Nationale freudig ſchlagenden Her— zen des Publikums. Die Zierde dieſer Geſellſchaft iſt Hr. Veſzter, ihr Führer, und es bedurfte nur der Leitung eines ſo gebildeten Mannes, um im Auslan— de mit Anſtand und Würde auftreten zu können. Zwiſchen der 1. u. 2. Ab⸗ theilung tanzte Hr. Veſzter ein unga— riſches Solo und imponirte gleich bei ſeinem Erſcheinen durch ſeine würdevol— len Stellungen u. graziöſen Bewegun— gen; ſein Tanz iſt zwar entfernt von aller Effekthaſcherei und kühnen Luft— ſprüngen, wie ſich unſere meiſten unga— riſchen Tänzer produziren, jedoch was richtige Haltung, Leichtigkeit und Pla— ſtik anbelangt, iſt Hr. Veſzter meiſter— haft u. unvergleichbar; ſein Tanz ver— bindet ungariſche Kraft mit franzöſiſcher Grazie. Hr. Veſzter und ſeine Geſell— ſchaft wurden nach jeder Abtheilung und am Schluſſe ſtürmiſch gerufen.— Das Haus war zum Erdrüken voll. J. Sur.
Wien. Im Laufe einiger Tage leiſteten unſere Bühnen ſo viel des Neuen und größtentheils auch Treffli— chen, daß wohl ſelten eine ſo günſtige Theaterkonſtellation gewaltet hat, und manche Opfer werden fallen müſſen, bis die dramatiſchen Götter wieder ſo ſeg— nend lächeln werden. Da brachte zu— vörderſt das Hofburgtheater ein neues Luſtſpiel:„die beiden Aerzte“ ins Re⸗ pertoir, deſſen Verfaſſer C. VBauuann ein recht bildſames Talent in dieſem Erſtlingswerke beurkundete. Das eigent— liche Konverſationsluſtſpiel, wofür wir nur äußerſt wenig Repräſentanten zäh— len, von denen wieder ſo Mancher Alles


