687 immer einen Ball nennt.Das iſt ſonderbar! Iſt das zu Verſailles Ton? Ja zu Verſailles. f

Der Chevalier mußte ſich von ſeinem Freunde abwenden, denn das Lachen drohte loszubrechen; bald aber hatte der junge Kreole ſo viele Proſelyten mit niedergetretenen Schuhen gemacht, daß es keine Tänzer mehr gab. Mittlerweile langte der Herr mit der Frau Gouvernannte an, welche ſich ſehr auf den Ball gefreut hatte. Das Orcheſter begann drei Mal mit einer muntern Ritornelle und brach drei Mal wieder kurz ab, voll Verwunderung, daß ſich keine Qua drille bilden wollte. Endlich ergriffen die Muſiker die beſte Partie und feuchte ten ſich reichlich mit den Getränken aus Zukerrohr an, während die jungen Leute, vergnügt über ihre neue Entdekung im Gebiete des guten Tons, ſtill und ruhig luſtwandelten, oder von den gleichgiltigſten Dingen mit komiſcher Wichtigkeit ſich unterhielten. Die Damen wurden ungeduldig, der Herr des Hauſes glaubte, man wolle ihm eine Beleidigung zufügen und fragte einige der entſchuheten Spaziergänger um die Urſache ihres ſonderbaren Benehmens, die aber, ſtatt aller Antwort, nur auf ihre Schuhe herabdeuteten. Endlich erhob ſich eine Dame wüthend von ihrem Size und entfernte ſich, eine zweite folgte ihr, dann drei, dann vier, und in einer Stunde war der Ball beendet. Jenny war eine der Erſten geweſen, die ihrer Mutter und Schweſtern den Vorſchlag machte, ſich nach Hauſe zu begeben. a

Als der Chevalier am folgenden Morgen mit mehreren der Damen zuſam menkam, die das Opfer ſeines Schwankes geworden waren, geſtand er ihnen Alles, erhielt Vergebung und amuſirte ſie reichlich auf Koſten der jungen Dan dy's der Kolonie. Jenny war ebenfalls zugegen und lachte, wie ihre Geſpieli nen; doch erröthete ſie mitunter auch, aber der Chevalier war der Einzige, wel cher das erhöhte Kolorit ihrer ſchönen Wangen bemerkte.

Fior d' Espino.

Sprüche von Joh. V. Vogl.

1. Haſt du was Rechtes, was Tücht'ges gethan, Gleich feindet dich Der oder Jener an, Doch thuſſt du nicht mehr als die Andern eben, Wird Keiner wider dich die Stimm' erheben.

2. In der Uebung liegt die Kraft, In der Kraft die Meiſterſchaſt.

3. Ein unglük gibt's, das bleibe fern uns Allen, Das Unglük dem Gemeinen zu verfallen.,

4. Suche außer dir kein Glük, Wohnt es nicht in Luſt und Schmerzen, Längſt dir ſchon im eignen Herzen, Findet's nirgends mehr dein Blit.

5. Wie viel des Schönen hier auch immer,

Das Schönſte iſt die Poeſie,

Und oft erſt reizt durch ihren Schimmer, Was achtlos bliebe ohne ſie.

De'rum hat der Herr der Dichtkunſt Blume Gepflanzt dir liebend in's Gemüth,

So ſtrebe ſtets, daß ſie zum Ruhme

Des Gebers wie des pflegers blüht.

6. Dem Schlechten Truz, dem Schönen aber hold, Der Wahrheit treu und nie ein Stlav dem Gold.