Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
686
 
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Eines Tages gab ein reicher Pflanzer von St. Suſanne einen Vall, aber welchen Ball! Man ſollte tanzen auf einem ſandigen, ſchlecht geebneten Boden, dem Hauſe des Pflanzers gegenüber, welches zu klein und unbequem war, um die Geladenen alle aufzunehmen. Statt Erfriſchungen hatte man einen Wein aus Zukerrohr, ein anderes Getränk gleichen Urſprunges, das man Flangurin nannte, und eine Art von ſchlecht geknetetem, geſchmakloſem Bakwerk, welches ein Negerkoch nach dem Unterrichte und der ſchwachen Erinnerung irgend eines Europäers bereitet hatte, Alles dieſes wurde von einem Duzend halbnakter ſchwarzer Sklaven herumgetragen, die auf gar wunderbare Weiſe mit der Toi lette kontraſtirten, welche die jungen Dandy's der Inſel damals eben angenom men hatten. Sie trugen nämlich früher und ſeit undenklichen Zeiten, nach dem Beiſpiele ihrer Väter und wie es die Hize ihres Himmelsſtriches zu erheiſchen ſcheint, ein kurzes Gewand und weite Vantalon von glänzender Weiße, die eine ganz eigene Eleganz hatten; denn eine Landſchaft jener Gegenden kann wohl nicht leicht eine paſſendere Staffage finden, als einen ſolchen Reiter im Schnee gewande, der, auf einem ſchwarzen Noſſe von Timor ſizend, die Bergpfade hin aufſprengt und ſich durch ſein helles Gewand aus dem reichen Grunde der üppi⸗ gen Zukerplantagen hervorhebt. Aber ſeit der Ankunft des Chevaliers hatte die junge Ariſtokratie der Kreolen das goldgeſtikte Staatskleid, die Sammthoſe, die Schooßweſte von Drap d'argent und in nothweniger Konſequenz auch den Kopfſchmuk angenommen, der, ſchon an ſich ſo ungereimt, zu jener Zeit am Hofe zu Verſailles herrſchend war. Dazu gingen Staatskleider und der dreiekige Hut, wie die Friſur, aus den Händen künſtleriſcher Neger hervor, und man wußte nicht, ob man die Ungeſchiklichkeit der Schneider, Hutmacher und Haar kräusler mehr bewundern ſollte, oder die linkiſche Art und Weiſe, womit ſich die Gebieter in dieſer franzöſiſchen Kleidung bewegten. Der Chevalier hätte ſich gar ſatt gelacht über dieſe Karrikaturen, die noch niemals ſo drollig geweſen wa ren, aber er war dieſen Abend in einer gar ſonderbaren Laune. In dem Augen blike, wo der Ball begann, hatte er ſich einer liebenswürdigen jungen Inſula nerin genaht und ein Paar Worte an ſie gerichtet, und zwar mit leiſer Stimme und dem Anſcheine von Kälte und Zeremoniell, womit man die Bitte um ein Rendezvous vor den Bliken der Umgebung verſchleiert. Ein Strahl von Freude ſchimmerte auf ſeinem Antlize bei Jenny's Antwort, aber ſeit dieſem Augenblike ſchien er zerſtreut, verdrießlich, ungeduldig. Jenny tanzte gleichgiltig und, wie es ſchien, mit andern Gedanken beſchäftigt, wie ein Mädchen, dem der Vall keine Freude mehr macht.

Parny hatte noch nicht getanzt, und da man ihn fortwährend um die Ur ſache befragte, fuhr ihm ein toller Einfall durch den Kopf: er bükte ſich, trat einen ſeiner Schuhe wie einen Pantoffel nieder und erwartet nun den Angriff der fragenden Menge, die bald auf ihn hereinſtürzen mußte.Sie tanzen nicht? verſezte einer der Getreuen ſeines Gefolges, und der Chevalier begnügte ſich, als Antwort für dieſes periodiſch wiederkehrendeSie tanzen nicht? nur ſtumm auf ſeinen Schuh heraubzudeuten. Da ihn der Kreole nicht verſtand, ließ ſich Parny mit zuvorkommender Gefälligkeit herbei, ihm zu erklären, es ſei alſo Ton, wenn man an einem Ball nicht anders, als durch ſeine Gegenwart Theil nehmen wolle.Aber warum wollen Sie denn nicht 2Weil es heute nicht paſſend iſt, in einer Verſammlung zu tanzen, wenn man ſie auch