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an Tabak zu rauchen und raucht jezt bereits ſechszig volle Jahre. Er hat während dieſes Zeitraumes 3120 ver— ſchiedene Pfeifen geraucht. Er iſt näm— lich Meiſter im Anrauchen neuer Pfei— fen u. verbeſſert die ſchlecht angerauch— ten Köpfe durch's Rauchen, wo für ihm jedes Mal das Honorar von 20 kr. C. M. und ein großes Paket ſchwarzen Tabaks gezahlt wird.
Etwas von Allem. In dem jezt ſo viel beſprochenen Beirut ſoll das Glas erfunden worden ſein.— Die Er—⸗ findung des Pulvers, das der erwähn— ten Stadt ſo arg mitſpielte, iſt nicht der Mühe werth, daß man damit ſo viel Aufſehens macht, denn ein Wiener Feuerwerk- Referent ſagt:„daß Stu— wer noch höher ſteht als jener, der das Pulver erfunden hat!“— In einem Wiener Blatte heißt es auch, daß die „Cäcilienwalzer“ das gelungenſte Werk Strauß's wären. Indeſſen variiren die— ſe Walzer blos das bekannte Tremolo Beriots, und Beriot benuzte zu dieſem Tremolo die Idee eines klaſſiſchen Kom— poſiteurs, u. ſo mag es allerdings rich— tig ſein, daß die Cäcilienwalzer die be—⸗ ſten des Herrn Strauß wären.— Der Charivari ſagt:„Der Menſch, der im— mer lacht, iſt ein Narr; derjenige, der nie lacht, ein Vieh.“— Ein neues Stük der Prinzeſſin Amalie v. Sach- ſen, betitelt:„Kapitän Firnewald“, hat in Berlin ziemlich gefallen. Stoff und Charaktere werden getadelt, aber der Dialog ſoll Geiſt und Humor haben.— Gutzkow's„Werner“ hat im Wiener Burgtheater dem Publikum u. der Kritik theilweiſe gefallen.— Der von Peſth nach Berlin entwichene Tenoriſt Hr. Steiner, ſoll das königſtädter Theater wieder verlaſſen. Ob bei Tag oder Nacht wird nicht geſagt.— Aus keiner Stadt in der Welt wird ſo viel üher Kunſt, Kunſtvereine und Malerei geſchrieben,
als aus München. Man ſollte glauben, daß die Münchner vor lauter Win⸗ terlandſchaften, Genrebilder und Still— leben von dem großen Leben und Trei— ben der jezt ſo bewegten Welt keine Ahnung haben.— Der Kaffe iſt in den Wiener Kaffehäuſern, wegen des Krie— ges in der Levante, theurer geworden. Die Wiener Kaffeſieder ſcheinen dem Pu— blikum weiß machen zu wollen, daß ſie ihm blos Moccakaffe ſerviren.— Pa⸗ ris zählt 1310 Doktoren der Medizin und 200 Geſundheits-Offiziere. Auf 4006 Einwohner kommt ein Arzt. In den Departements einer auf 1000, Man iſt aber auch in den Departements ge— ſünder als in Paris.— Während man bei deutſchen Gelehrten-Verſammlun— gen faſt überwiegend von Feſtlichkeiten, Schmauſereien und Toaſten hört, ver— nehmen wie von dem italieniſchen Ge— lehrtenkongreß zu Turin bloß Diſſerta— tionen, die belehrende und würdevolle Reſultate haben, u. wodurch die Wiſſen⸗ ſchaft wahrhaft bereichert wird. Aber das, was die Gelehrten aßen und tran— ken, hält man dort nicht für die Oeffent— lichkeit geeignet.— Der Hamb. Korre— ſpondent bemerkt zu der falſchen Nach— richt über das Auslaufen der ruſſiſchen Flotte ſehr lakoniſch:„Die ruſſi— ſche Flotte liegt in Kronſtadt und rührt ſich nicht.“— In Ita⸗— lien iſt der Adel beiſpiellos herunter. In Venedig lebt der lezte Abkömmling der berühmten Familie der Strozzi als Harlekin und zieht mit einer Sprin— gerbande umher. In Neapel gibt ein Abkömmling der Familie Pamphili die Rollen der Polichinellos. In Rom trug ein berühmter Marcheſe Glasglök chen von einem Kronenleuchter als Ohrbom— meln.— In Rom ſagt man:„Arm wie ein Adeliger.“— Die, welche aus Eu⸗ ropamüdigkeit nach Amerika auswan⸗ dern, bekommen gute Reiſe-Geſellſchaft: Bertolotto's künſtleriſche Flöhe. Sie


