682
Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.
Literatur.
Literariſches Portfolio. In Leipzig iſt bei Wilh. Zirges erſchie— nen:„Gedicht zum Guttenbergsfeſt“ von Ernſt Ortlepp, in dem gar erbau— liche Verſe vorkommen. Wir führen hier zur Probe nur eine Strophe an:
„Alle unſre Monumente,
Die mit wahrer Wuth man ſezt,
Zeigen unſrer Thaten Ende,
Denn kein Sonſt iſt unſer Jezt;
Wieland, Schiller, Goethe faulen
Längſt im Grab— ein Geiſthauch nur
Spricht von Herdern und Jean Paulen
Auf der weiten Todtenflur 1.
— Zu den Goetheſchen Werken, welche jezt in einer neuen Ausgabe heraus— kommen, wird auch eine viel verſprechen— de„Gallerie“ nach Zeichnungen von dem berühmten Münchener Maler W. Kaul⸗ bach und ſeinen Schülern, in Stahl, geſtochen von Steifenſand und Andern, erſcheinen. Die Sammlung wird 40 Blätter enthalten, in 8 Lieferungen erſcheinen und 5 fl. 20 kr. koſten. Daß hier von der Cotta'ſchen Buchhandlung etwas Tüchtiges befördert werden wird, ſcheint aus der erſten Lieferung geſchloſ— ſen werden zu können, welche z. V. eine Kopie des herrlichen neueſten Kaulbach— ſchen Bildes„Anakreon mit ſeiner Ge— liebten“ zu Goethes Elegieen, fer— ner einen Kaulbaſchen„Fauſt“, einen Reineke Fuchs u. ſ. w. enthält.— Mit dem Beginn des neuen Jahres erſcheint in Wien eine neue muſikaliſche Zeit— ſchrift, unter der Redaktion des H. A. Schnitt.— Das„Album der Wohlthä— tigkeit,“ herausgegeben von H. Wache, zum Beſten der barmherzigen Schwe— ſtern, erſcheint noch im Laufe d. J. mit artiſtiſchen und literariſchen Beiträgen der erſten Künſtler und Schriftſteller Wiens. Der bekannte Maler Fendi lie⸗ ferte die Titelvignette, Kuppelwieſer
die Zeichnung des Umſchlages. Grillpar— zer ſpendete den erſten Akt eines noch unvollendeten Dramas, Namens:„Li— buſſa.“ Halm eine dramatiſche Szene: „Die Pflegetochter“, Vogl zwei neue Balladen:„Florett“ und„die Frau Schweſter“, Frankl einen dramatiſchen Prolog, Panaſch ein einaktiges Luſtſpiel, J. F. Caſtelli ein gleiches. Ferner lie— ferten noch Beiträge die Herren Schlei— fer, J. G. Seidl, Selinger, Leithner, Levitſchnigg, Stirle-Holzmeiſter, Vau— ernfeld, Herrmannsthal, Carlopago, Fitzinger und die Damen Remekhazy u. Weiſſenthurm.— Von L. Aug. Frankl, dem Redakteur des öſterr. Morgenblat— tes, erſcheint noch in dieſem Monate bei Brockhaus ein Band„epiſch-lyri⸗ ſcher Dichtungen.“— Zu C. Haas und Maier in Wien hat ſich nun auch ein dritter Verleger gefunden, welcher die literariſche Welt mit ſchaudervollen Rit— ter-, Geiſter- u. Räuberromanen be— reichern will. Es iſt dies Joſ. Stök— holzer v. Hiſchfeld, deſſen neueſter Ver— lagsartikel den Titel führt:„Berthold von Aarburg, oder die Schauderthat in der Todtengruft“, von J. A. Mann⸗ bach.— Mit dem neuen Jahre erſcheint auch die Sammlung lyriſcher und epi⸗ ſcher Dichtungen eines jungen talentvol— len Wiener Dichters, Namens: Ludwig Foglar, von welchem die Journale be— reits manche erfreuliche poetiſche Spen— de lieferten.
Mignon Zeitung.
Wien. In einer der Vorſtädte Wiens lebt ein Mann, dem Virtuoſi⸗ tät im Tabakrauchen ſeit mehr als 20 Jahren ausſchließend den Lebensunter— halt verſchafft. Er iſt ein geborener Ungar, war längere Zeit beim Mili⸗ tär, fing in ſeinem zwölften Jahr ſchon


