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Dieſe Spiel häuſer ſind die einzigen Orte, an welchen ſich Modeleute, Ein⸗ wohner der City und Diener brüderlich an einen und denſelben Tiſch ſezen ohne einander zu geniren; in der Hölle ſind alle gleich; ſchwerlich aber möchten ſie dieſe Vertraulichkeit im Himmel dulden. Die Intendanten der Spielhäuſer, ge⸗ wöhnlich zwei oder drei an der Zahl, verſtehen ſich mit einer Anzahl Griechen auf das Ausplündern ihrer Gäſte, die durch den anſcheinenden Gewinn oder Ver⸗ luſt ſo vieler Mitſpieler angefeuert werden, es ihnen nachzuthun, oder ſich über⸗ zeugt halten, daß es dabei ehrlich zugeht, weil die andern auch verlieren und doch zum böſen Spiele gute Miene machen. Einige dieſer Griechen ſtehen ſo ganz im Dienſte dieſer Spielhausintendanten, daß ſie ſogar von ihnen geklei— det werden, um ganz nach Art gewiſſer Frauenzimmer die eleganteſten Orte be⸗ ſuchen, und Kunden für das Etabliſſement auftreiben zu können. Auch ſind ſie ſogleich als Zeugen bei der Hand, ſo oft ſich zwiſchen den Spielern und der Bank ein Streit entſpinnt, um im Nothfall darauf zu ſchwören, daß die Spie⸗ ler Unrecht hatten. Auch hat jedes Spielhaus ſeine Advokaten. Den wichtigſten Poſten in jeder Hölle füllt jedoch der Pförtner, in der Regel ein ſehniger, kräf⸗ tiger Irländer, deſſen Pflicht es iſt, jeden zu Grunde gerichteten Spieler, der um ein Almoſen bettelt, wo er früher Tauſende verloren, derb und nach Um⸗ ſtänden auf eine fühlbare Art abzuweiſen; oder im Falle derſelbe Reklamationen machen oder die Bank zwingen wollte, mit ihm auf Kredit weiter zu ſpielen, ihn mit Fußtritten zum Hauſe hinaus zu ſtoßen.
Während meines Aufenthaltes in Paris zeigte man mir einen bejahrten Mann, der unter dem Namen des„Geſpenſtes von Palais Royal“ regelmäßig jeden Tag zu einer beſtimmten Zeit in den Gallerien dieſes Pallaſtes herumirrt, und deſſen langer Bart, haſtiger Gang und ſonderbar antike Kleidung gewiß ſchon manchem luſtwandelnden Fremden Stoff zum Nachdenken gegeben hat. Ge— wöhnlich ſieht er ſtarr vor ſich hin, während ſich auf ſeinem Angeſichte nur eine Leidenſchaft ſpiegelt— die zu befriedigen jezt außer ſeiner Macht liegt. Er ſoll einſt ein reicher Mann geweſen ſein, der ſein ganzes Vermögen à la roulette und im trente et quarante verlor, und der jezt von einer kleinen Penſion lebt, die der vormalige Eigenthümer der Pariſer Spielhäuſer ihm aus Menſchlichkeit ausſezte, und die er jezt dazu benüzt, ſich ſelbſt als warnendes Beiſpiel jeden Tag zur Schan zu ſtellen. Die Geſchichte dieſes Mannes ergriff mich im Innerſten meiner Seele, und ich dachte dabei an das kalte nebelige England und die ſyſtematiſchen Betrüger der Londoner Höllen, die gewöhnlich jedes An⸗ ſuchen ihrer Opfer, ſei es auch um die geringſte Unterſtüzung— um ein einzi⸗ ges Mittageſſen oder um einen Krug Bier— mit den Worten abweiſen: „I Would not give you a penny to save you from the gallo ws.“
In neueſter Zeit haben die Hölleneinwohner(the hellites) noch ein anderes Mittel erfunden, unerfahrene Menſchen um ihr Vermögen zu bringen Sie zei— gen in den öffentlichen Blättern an, das A. oder B. zu einem ſehr einträglichen Geſchäft einen Geſellſchafter mit von zwei bis viertauſend Pfd. Sterl. Kapital ſucht, das binnen kurzer Zeit verdoppelt oder verdreifacht werden könne. Findet ſich hierauf ein Applikant, der bei dergleichen Unternehmungen ſelten ausbleibt, theilen ſie ihm mit, daß ſie mit dieſem Gelde, zu welchem ſie noch drei- bis viertauſend Pfund zuzuſchießen gedenken, ein Spiel haus errichten wollen, wo in kurzer Zeit ungeheure Summen gewonnen werden können. Zuerſt geht man


