Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
678
 
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desunermeßlichen Vermögens ſeines verſtorbenen Vaters, nach Bezahlung ſei⸗ ner Ehrenſchulden, um kein haarbreit reicher daſtand als zuvor, und daher ſchleunig ſeine Tour nach Italien und Deutſchland antreten mußte, um an den Gaſtwirthen des Kontinents das zu erſparen, was er in England, noch ehe er nach den Geſezen ein Mann geworden, durchgebracht hatte.

Dieſe ſerupulöſe Ehrlichkeit gegen Gauner verdient um ſo mehr jede Art von öffentlicher Anerkennung, als man nach engliſchen Geſezen Spielſchulden zu zahlen nicht verpflichtet iſt, und alſo dieſe I. 0. U. nicht einmal den Werth von ſo vielen Stükchen weißen Papiers hätten, wenn der edle Schuldner dar thun wollte, daß der alteKracher(Crockford) die darauf ſtehenden Summen zum Behufe einer Abendunterhaltung nach gepflogener Mahlzeit vorgeſtrekt hat. Aber der gebildete, und noch mehr der adelige Engländer ſcheut nichts ſo ſehr als die Oeffentlichkeit, und würde gewiß lieber eine, einem Straßenräuber über reichte Obligation einlöſen, als mit ihm gleichzeitig vor Gericht erſcheinen und beweiſen, daß er ſich von ihm habe übertölpeln laſſen. Ausnahmen ſind ſelten, und dieGeſellſchaft ſtößt den Widerſpenſtigen augenbliklich aus. Iſt ja doch die Exiſtenz des ganzen Clubbs gegen das Geſez, und es findet ſich unter hundert Opfern kein einziges, das als Kläger aufträte und den Entrepreneur mit ſeinen Griechen den Gerichten überlieferte. Und doch ſteht erſterer, troz ſeiner intimen Freundſchaft mit ſo vielen einflußreichen Pairs des Reiches täglich in Gefahr nach der Tretmühle geſchikt zu werden. Wirklich ſoll Crockford's Hölle ſchon mehrere Male förmlich angeklagt worden ſein, aber weder die Spieler noch die Bank N ließen ſich dadurch auch nur einen Augenblik irre machen. Die Geſchäfte gingen ihren Gang wie vorher; der zum Verhör beſtimmte Tag kam heran, aber wie zu erwarten war, kein Zeuge gegen den Angeklagten, denn dieſe, ſo ſonderbar es auch klingen mag, waren gerade um dieſe Zeit auf einer kontinentalen Tour begriffen, und hatten daher keine Zeit, die Sache weiter zu verfolgen. Herr Crockford und die 750 Mitglieder ſind daher von dieſer Seite eben ſo ſicher, als ob ſie das Geſez auf ihrer Seite hätten. In England ſind weder Spiel- noch andere Häuſer privilegirt, ſondern vielmehr der ganzen Strenge der Geſeze verfallen. Indeſſen gilt in der engliſchen Jurisprudenz der Grundſaz: Wo kein Kläger, da iſt auch kein Richter, und daher finden die Angeklagten faſt immer ein Mittel, ſich der Zeugen zu entledigen, dieſe über Land zu ſchiken de. So wird denn die ganze Sache niedergeſchlagen, oder in der Advokatenſprache: the matter is hushed up. Die dem Kläger für ſein Stillſchweigen bezahlte Summe heißt Hush- Money, Schweigegeld.

Außer Crockfords gibt es noch andere Spiel höllen, z. B. das Athenäum in der St. Jamesſtraße und eine in der Albemart Street. Die Unternehmer der leztern fingen ihr Geſchäft mit einem Betriebskapitale von 15,000 Pfd. Sterl. an, und da ſie anfangs wenig Kunden hatten, ſo entſchloſſen ſie ſich 12,000 Pfd. Sterling zu verlieren, um ihr Haus in den Ruf des unglüklichen Spieles zu bringen, und mittelſt dieſes Kunſtgriffes Tauben anzuloken. Der Plan hatte den beſten Erfolg; das Unglük dieſer Bank wurde zum Stadtgeſpräch, Jung und Alt ſtrömte dorthin, um ſich für die anderwärts erlittenen Verluſte ſchadlos zu halten, und der Erfolg war, daß nach Ablauf von acht Wochen die Bank nicht nur die von ihr verlorenen 12,000 Pfd. St. wieder zurük, ſondern noch weitere 40,000 dazu gewonnen hatte.