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verduzt über die barſche Abfertigung, welche man ſeinem Buche über Vörne in Deutſchland ſo allgemein angedeihen läßt. Dieſem talentbegabten, aber wei— biſch mit ſich ſelbſt kokettirenden Men— ſchen thun dieſe Ruthenhiebe ſehr wehe. Er verdient ſie in gewiſſer Hinſicht.“— Von Julius Moſen haben wir ein neues Drama aus der Blüthe der deutſchen Kaiſerzeit zu erwarten und noch immer ſind ſein„Cola Rienzi“ und ſein„Ot— to III.“ Fremdlinge auf unſerer deut— ſchen Bühne! Wer trägt die Schuld? Bühnenrecht ſind die Stüke, denn ſie wurden bereits mit Veifall gegeben.— Lenau arbeitet an einer zweiten Aufla— ge ſeines„Fauſt“, der viel ſchöne Ein— zelnheiten hat, aber, jedenfalls einer durchgreifenden Umarbeitung bedarf, wenn er über das Fragmentariſche hin— auskommen und zu einem wirklichen Kunſtwerke reifen ſoll.
Mignon Zeitung.
Berlin. Von dem Vereine gegen den Kleiderluxus in Verlin hört man ſelten Beſtimmteres. Es iſt ſehr erklär— lich, daß dieſer Frauenverein im Stil— len wirkt, und es iſt ſchön. In dem „Morgenblatte“ heißt es darüber:„An— geſehene Damen ſtehen dem Vereine vor, deſſen Tendenz gewiß ſehr löblich iſt u. dringend von den Umſtänden gefordert wird. Möchte man geſchikter dabei zu Werke gehn, als bei dem in ſeinen Mo— tiven gewiß eben ſo vortrefflichen Mä— ßigkeitsvereine! Weil man zu viel woll— te, weil man einſeitig zu Werke ging, iſt er geſcheitert; wenigſten erfährt man nichts von ſeiner Wirkſamkeit. Durch welche Impulſe die Damen auf die weib— liche Eitelkeit einwirken wollen, iſt nicht bekannt, auch nicht, ob es auf den Lu— xus der höhern Stände oder des Dienſt— perſonales vorzugsweiſe abgeſehen iſt.“
Bergamo. Auf der hieſigen Fiera ging in den Kaffehäuſern ein Sänger mit der Guitarre herum, der mitelſt Kopf⸗ u. Bruſtſtimme Duette alle in ſang. Wenn man ihm in einem Neben— zimmer zuhörte, ſo war die Täuſchung vollkommen, und man glaubte wirklich zwei Stimmen auf einmal zu hören. Der Sänger iſt der Sohn eines Wein— wirthes aus Seſto Calende am Lago maggiore. Man ſagt, Simon Mayr, der ſchon ſo viele Komponiſten u. Sän— ger(Donizetti, Rubini, David oc.) bil⸗ dete, habe ſich des jungen Wunderman— nes angenommen.(Echo.)
Etwas von Allem. In Wien gehet ein Gerücht, daß mit dem Jahre 1841 die Theaterzeitung und der Hu— moriſt, unter der gemeinſchaftlichen Re— daktion der Herren Bäuerle und Sa— phir, zu einem Blatte vereinigt wer— den ſollen, ein Gerücht, das wir keines— weges verbürgen wollen.— In England hat ſich ein 75 jähriger Greis, Namens Gilles, erhenkt, weil in der Bibel ſteht, daß es gut ſei, einen alten Baum, wel— cher keine Frucht mehr trägt, abzu— hauen.— Ueber den Laffarge'ſchen Pro— zeß reflektirt ein Pariſer Korreſpondent der L. A. Z. in folgender Weiſe:„C'est un miserable, c'est un fripon, mais— c'est un homme d'esprit!“ in dieſen Paar Worten liegt die Haupturſache des allgemeinen Intereſſes, der ziemlich allgemeinen Freiſprechung von Marie Laffarge. Es wurden in dem Prozeſſe eine Menge Briefe vorgeleſen, die Leu— te aus den erſten Cirkeln über ſie ſchrie— ben. In allen heißt es:„Elle était charmante, interéssante, pleine de grace et d'esprit, und deswegen iſt es wohl kaum möglich, daß ſie ihren Mann vergiftet hat.“— Gutzkows Schauſpiel „Werner“ wird im k, k. Hofburgtheater zu Wien gegeben.— Nach neuern Berech— nungen ſoll die Befeſtigung von Paris,


