Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
675
 
Einzelbild herunterladen

675

verduzt über die barſche Abfertigung, welche man ſeinem Buche über Vörne in Deutſchland ſo allgemein angedeihen läßt. Dieſem talentbegabten, aber wei biſch mit ſich ſelbſt kokettirenden Men ſchen thun dieſe Ruthenhiebe ſehr wehe. Er verdient ſie in gewiſſer Hinſicht. Von Julius Moſen haben wir ein neues Drama aus der Blüthe der deutſchen Kaiſerzeit zu erwarten und noch immer ſind ſeinCola Rienzi und ſeinOt to III. Fremdlinge auf unſerer deut ſchen Bühne! Wer trägt die Schuld? Bühnenrecht ſind die Stüke, denn ſie wurden bereits mit Veifall gegeben. Lenau arbeitet an einer zweiten Aufla ge ſeinesFauſt, der viel ſchöne Ein zelnheiten hat, aber, jedenfalls einer durchgreifenden Umarbeitung bedarf, wenn er über das Fragmentariſche hin auskommen und zu einem wirklichen Kunſtwerke reifen ſoll.

Mignon Zeitung.

Berlin. Von dem Vereine gegen den Kleiderluxus in Verlin hört man ſelten Beſtimmteres. Es iſt ſehr erklär lich, daß dieſer Frauenverein im Stil len wirkt, und es iſt ſchön. In dem Morgenblatte heißt es darüber:An geſehene Damen ſtehen dem Vereine vor, deſſen Tendenz gewiß ſehr löblich iſt u. dringend von den Umſtänden gefordert wird. Möchte man geſchikter dabei zu Werke gehn, als bei dem in ſeinen Mo tiven gewiß eben ſo vortrefflichen ßigkeitsvereine! Weil man zu viel woll te, weil man einſeitig zu Werke ging, iſt er geſcheitert; wenigſten erfährt man nichts von ſeiner Wirkſamkeit. Durch welche Impulſe die Damen auf die weib liche Eitelkeit einwirken wollen, iſt nicht bekannt, auch nicht, ob es auf den Lu xus der höhern Stände oder des Dienſt perſonales vorzugsweiſe abgeſehen iſt.

Bergamo. Auf der hieſigen Fiera ging in den Kaffehäuſern ein Sänger mit der Guitarre herum, der mitelſt Kopf⸗ u. Bruſtſtimme Duette alle in ſang. Wenn man ihm in einem Neben zimmer zuhörte, ſo war die Täuſchung vollkommen, und man glaubte wirklich zwei Stimmen auf einmal zu hören. Der Sänger iſt der Sohn eines Wein wirthes aus Seſto Calende am Lago maggiore. Man ſagt, Simon Mayr, der ſchon ſo viele Komponiſten u. Sän ger(Donizetti, Rubini, David oc.) bil⸗ dete, habe ſich des jungen Wunderman nes angenommen.(Echo.)

Etwas von Allem. In Wien gehet ein Gerücht, daß mit dem Jahre 1841 die Theaterzeitung und der Hu moriſt, unter der gemeinſchaftlichen Re daktion der Herren Bäuerle und Sa phir, zu einem Blatte vereinigt wer den ſollen, ein Gerücht, das wir keines weges verbürgen wollen. In England hat ſich ein 75 jähriger Greis, Namens Gilles, erhenkt, weil in der Bibel ſteht, daß es gut ſei, einen alten Baum, wel cher keine Frucht mehr trägt, abzu hauen. Ueber den Laffarge'ſchen Pro zeß reflektirt ein Pariſer Korreſpondent der L. A. Z. in folgender Weiſe:C'est un miserable, c'est un fripon, mais c'est un homme d'esprit! in dieſen Paar Worten liegt die Haupturſache des allgemeinen Intereſſes, der ziemlich allgemeinen Freiſprechung von Marie Laffarge. Es wurden in dem Prozeſſe eine Menge Briefe vorgeleſen, die Leu te aus den erſten Cirkeln über ſie ſchrie ben. In allen heißt es:Elle était charmante, interéssante, pleine de grace et d'esprit, und deswegen iſt es wohl kaum möglich, daß ſie ihren Mann vergiftet hat. Gutzkows Schauſpiel Werner wird im k, k. Hofburgtheater zu Wien gegeben. Nach neuern Berech nungen ſoll die Befeſtigung von Paris,