Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
674
 
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Und die Muſe ſchwebte nieder, Segnend dleſe edle That, Die an hochgeweihter Stätte Ihren Ruhm erweitert hat.

Prieſter, treu der Pflicht ergeben, In dem Tempeldienſt geübt,

Die mit wurd'gem Sinn Thalien Opfer welhen, die ſie liebt, Wählten aus die hohen Edlen Mit erneuter Lieb zur Kunſt, Und ſie haben, ſo wir hoffen, Nicht vergeudet ihre Gunſt.

Dankerfüllt für dies Vertrauen, Hochverehrtes Publikum,

Treten ſchüchtern nun die Jünger Ein in dieſes Heiligthum

Wo im Glanz der ew'gen Wahrheit Strahlet jedes Lebensbild,

Wo eln Born reinſter Sitten Labend Gelſt und Herz durchqulllt.

Wie das Leben vielgeſtaltig

Heiter und auch trüb ſich malt,

So die Kunſt, in deren Tempel

Uns das Leben wiederſtrahlt;

Nach dem Beſſern redlich ſtreben, Wo die Ehre freundlich lacht,

Iſt das ſchönſte Zlel des Kuͤnſtlers, Der das Leben heiter macht.

Und ſo wollen wir denn heiter

In die ferne Zukunft ſchau'n,

Und der Kunſt, die uns beſeelet,

Und der Gönner Huld vertrau'n: Beide muſſen ſicher leiten

Zu dem Port Zufriedenheit, Wo ſich Will' und Kraft vereinen

In dem Strome Herzlichkelt.

H. R.

Preßburg. Am 8. d. öffneten ſich die ſeit mehreren Wochen verſchloſ ſenen Pforten unſeres Kunſttempels, in welchem vor der Hand blos Euterpen Opfer gebracht werden. BellinisNor ma ward zum erſten Opfer beſtimmt; dieſelbe Norma, die ſo oft bis in den Himmel und darüber erhoben wurde, fiel als erſtes Opfer diesmal der Hölle anheim. Gar viel Gutes erwarteten wir von der Geſellſchaft unſerer Oper ſchon darum nicht, weil von derſelben während ihres Aufenthalts in Baden Alles ſo ganz und gar ſchwieg, u. weil über den Mangel an guten Sängern und Sängerinen von allen Seiten Kla getöne erſchallen. Niemand fühlt wohl dieſen Mangel mehr, als das hieſige Publikum, welches, nach der mit den Individuen unſerer Oper gemachten Be

kanntſchaft, blos an einer erſten Sän gerin, an einen erſten Tenor u. erſten Baſſiſten Mangel leidet. In dieſer er ſten Vorſtellung lernten wir Hrn. Horſt (Oroviſt) als einen mit einer rauhen und unausgebildeten Stimme begabten Baſſiſten kennen. Ich zweifle ſehr, daß ſich Jemand im Publikum freuet, ſeine Bekanntſchaft gemacht zu haben. Herr Haeker ſang den Sever. Er iſt im Ve ſiz einer ſehr hübſchen jugendlichen Fi gur, doch ſeine Stimme iſt beinahe ganz klanglos, was um ſo mehr zu bedauern, als deſſen Vortrag, wenn gleich nicht zu den kunſtgerechten, doch zu den ver ſtändigen gehört. Er empfing freund liche Aufnahme u. aufmunternden Bei fall. Dem. Dielen(Norma) bot Alles auf, ſich als Prima-Donna geltend zu machen, was ihr jedoch blos in der er ſten Arie gelang. Die glüklichſte unter den Debütanten war Dem. Coradori (Adalgiſa). Ihre Geſtalt iſt jugendlich, gefällig und voll; ihre Stimme iſt von bedeutendem Umfange und hat guten Klang. Schade, daß ſie die ſehr unan genehmen Gaumentöne ſich inicht abzu⸗ gewöhnen trachtet, wodurch ſie bedeu tend gewinnen würde. Doch da auch ſie nur Anfängerin und überdies ihr Part der minder hervorragende iſt, ſo konnte ſie nur ſich ſelbſt, keineswegs aber das Ganze erhalten. Als Flavius(Herr Haag) zu Sever die Worte ſang:Ach armer Freund, ſagte eine vernehmba re Stimme im Parterre:Selbſt einer! Somit ſind wir abermal in unſeren be ſcheidenen und billigen Hoffnungen ge täuſcht! Von der Lakalpoſſe iſt blos Mad. Ribics eingetroffen. Wer weiß aber, was in der Zeiten Hintergrund noch ſchlummert. Km.

Literatur.

Literariſches Portfolio. Man ſchreibt aus paris:Heine iſt ſehr