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der erſten Arie und dann in einem Terzette Gelegenheit zum Auszeich— nen geboten wird, ſich keinesweges zu einer Antrittsrolle eignet, und um ſo weniger, da ſie bis zum Schluſſe hin immer matter wird u. zulezt der erſte günſtige Eindruk faſt in Vergeſſenheit geräth. Doch die Lage der Umſtände ſchien unſerm Gaſt die Wahl aufgedrun— gen zu haben, und wir müſſen zu ſei— ner Ehre bekennen, daß es ihm wie we— nigen Andern gelang, ſelbſt in dieſer magern Parthie durchzudringen u. das Publikum für ſich zu gewinnen. Eine recht ſchöne Geſtalt, einnehmende Ge— ſichtszüge und friſche Jugend bezeichnen das Aeußere des Sängers, der im Be— ſize eines vollen, markigen, wohllauten— den und umfangreichen Tenors, und der auch in der Kunſt des Singens ſchon bedeutend vorgeſchritten iſt. Er ſang die Arie:„Durch die Wälder, durch die Auen“ mit Kraft, Schmelz u. Innig— keit und trat in dem Terzette ſehr do— minirend hervor. Der Beifall war leb— haft und wenn der Schein nicht ganz trügt, ſo dürfte der junge Sänger in einer dankbarern Part hie furore machen. Wir hören, daß ſeine nächſte Rolle Ma—⸗ ſianello ſein werde.— Von ſeiner Um— gebung ſind blos die Damen-Parthien: Mad. Lebmann-RNauch(Agathe) und Mad. Baum(Aennchen) zu erwähnen, die Beifall erhielten. M.
Fünfkirchen. Am 3. d. M. fand die ſehnlichſt erwartete Eröffnung un— ſeres Theaters, unter der Direktion des Alex. Schmid, ſtatt. Nachdem Herr Oberregiſſeur Zöllner den unten mitge— theilten, herzlichen Prolog unter be— geiſterter Akklamation vorgetragen, wurde das bekannte, effektreiche Drama „zaar Iwan“, mit präziſer, hier noch nie geſehener Szenerie aufgeführt. Die zweite Vorſtellung war„Chriſtine von Schweden“ und die dritte„die Ball⸗ nacht“(Parodie). Wenn ich Ihnen in
kürzeſter Kürze dor der Hand nur an— deute, daß dieſe drei Produktionen eine höchſt wundervolle Reorganiſation un— ſerer Bühne nicht verkennen ließen; daß wir einen Verein trefflicher Kunſtkräfte kennen lernten, dle beſeelt von ihrem ſchönen Berufe, unſer anſpruchsloſes Thea— ter zu einem wahren Kunſttempel er— höheten— dann haben Sie auch dle Ge— wißheit, daß man in ihrem Wirken kei— nen Augenblik die Inſpiration Ihres ehrenwerthen Direktors verkannte, und daß unſer Publikum ſich es zur heilig⸗ ſten Pflicht machen werde, ein ſolches Inſtitut nach voller Kraft zu unterſtü— zen. Als Matadore des Schauſpiels und der Parodie kann ich einſtweilen nur Herrn Oberregiſſeur Zöllner, das Treumann'ſche Künſtlerpaar und Herrn Schritt bezeichnen. Eine ausführliche Klaſſifikation der Geſellſchaft werde ich in Ihrem dahier ſo ſehr beliebten und vielgeleſenen„Spiegel“, nach Vorſtel— lung der erſten Oper, welche ſchon näch— ſter Tage(„der Liebestrank“) ſein ſoll, folgen laſſen. Ueberhaupt ſoll der ge— ſchäzte„Spiegel“ von 14 zu 14 Tagen mit ſtrenger Genauigkeit die Leiſtungen unſeres neuen Kunſtvereines kontrolli— ren.— Folgendes iſt der Prolog, den Herr Zöllner unter nie enden wollen— dem Beifall, bei überfülltem Hauſe vor— getragen:
Wo ſich über Segensfluren
Wolbt des Himmels Domes Blau, Wo fünf Kirchen ſich erheben Auf des Glaubens heil'ger Au— Strahlt der Künſte Opferflamme, Weit hin leuchtend hell und klar, In Thaliens Tempelhallen,
Auf der Muſe Hochaltar.
Reich geziert mit äußern Reizen, Wie ſie Schönheitsſinn erſchafft, Blüh'n im Innern dieſes Tempels Saaten edler Willenskraft, Spiegeln ſeine lichten Räume
Ab das reinſte Kunſtgefühl, Leuchtet Bürgerſinn erhaben
Aus des ſtolzen Baues Styl.
Bürgerſinn gepaart mit Adel Hat ſich einen Saal erb aut, Wo im klaren Wahrheitsſpiegel Täglich man die Welt beſchaut,


